Manager-Krise: 80% der CISOs unter extremem Druck
01.07.2026 - 21:11:23 | boerse-global.de
Aktuelle Daten zeigen eine deutliche Zunahme von Erschöpfungssymptomen und einen Rückgang der emotionalen Bindung auf der Führungsebene.
Die stille Krise im Management
Seit 2020 sinken Arbeitszufriedenheit und emotionale Identifikation von Führungskräften spürbar. Das belegt der Gallup-Engagement-Index. Experten sprechen von „Quiet Quitting“ – Dienst nach Vorschrift oder innere Kündigung.
Die Gründe sind vielfältig: Ständiger Transformationsdruck, fehlende Rückendeckung durch die Organisation und ein empfundener Sinnverlust. Hinzu kommt eine fortschreitende emotionale Erschöpfung.
Das Marktumfeld verschärft die Lage. Volkswagen erwägt den Abbau von bis zu 100.000 Stellen und Werkschließungen. Mercedes-Benz verbuchte 2025 eine Gewinnhalbierung auf 5,3 Milliarden Euro. Solche Zahlen erhöhen den Druck auf Entscheider massiv.
CISOs unter Extremdruck
Besonders hart trifft es Chief Information Security Officers. Der Nagomi CISO Pressure Index zeigt: 80 Prozent dieser Führungskräfte stehen unter hohem oder extremem Druck. Über zwei Drittel berichten von wöchentlichen oder täglichen Burnout-Symptomen. Rund 40 Prozent erwägen den kompletten Berufsausstieg.
Das persönliche Haftungsrisiko ist ein wesentlicher Stressfaktor. Laut Splunk CISO Report befürchten 78 Prozent der Sicherheitsverantwortlichen rechtliche Konsequenzen bei schwerwiegenden Vorfällen.
Die Fluktuation spricht Bände: Die durchschnittliche Verweildauer in einer CISO-Position beträgt nur 18 bis 26 Monate. Regulatorische Treiber wie NIS-2, DORA und der EU AI Act verschärfen den Druck zusätzlich.
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Resilienz als Gegenstrategie
Erfahrene CEOs wie Leonhard Birnbaum (Eon), Bettina Orlopp (Commerzbank) und Oliver Dörre (Hensoldt) setzen auf gezieltes Resilienz-Training. Hirnforscher betonen: Psychische Widerstandskraft ist trainierbar und essenziell, um in volatilen Phasen funktionsfähig zu bleiben.
Ein weiterer Hebel: Künstliche Intelligenz. Der BCG-Report „KI am Arbeitsplatz 2026“ belegt, dass 42 Prozent der Beschäftigten durch KI einen Arbeitstag pro Woche einsparen. Führungskräfte wie Christina Puello nutzen personalisierte KI-Systeme, um administrative Lasten zu reduzieren.
Doch es gibt ein Problem: Zwei Drittel der Nutzer erhalten keine Anleitung, wie sie die gewonnene Zeit produktiv oder zur Erholung nutzen sollen. Experten empfehlen ein „High-Agency-Mindset“ – mehr Eigeninitiative im Umgang mit den technologischen Möglichkeiten.
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Arbeitsmarkt unter Spannung
Die angespannte Lage zeigt sich auch in den Statistiken der Bundesagentur für Arbeit. Die zahl arbeitsloser Führungskräfte stieg innerhalb eines Jahres um 14 Prozent auf durchschnittlich 49.000 Personen. Berufsverbände wie der DFK melden eine Rekordzahl an Beratungsgesprächen im Zusammenhang mit Kündigungen.
Für betroffene Manager sei es entscheidend, in Krisenphasen professionell zu agieren und emotionale Belastung von strategischen Entscheidungen zu trennen.
Während Trends wie „Soft Off Days“ – das Erledigen privater Aufgaben während der Arbeitszeit – als individuelle Bewältigungsmechanismen zunehmen, fordern Ökonomen angesichts gestiegener Lohnstückkosten eine Debatte über die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche in der Industrie. Experten warnen dagegen vor dem Abbau sozialer Sicherheiten: Ein stabiler Kündigungsschutz könne Innovationen fördern, da er langfristige Investitionen in Mitarbeiter begünstige.
