MasernfĂ€lle in Europa sinken â aber WHO bleibt besorgt
11.02.2026 - 08:00:07Leichte Entwarnung bei den MasernfĂ€llen: Die Zahl der gemeldeten Erkrankungen ist in Europa und Zentralasien im vergangenen Jahr markant gesunken. Das berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Daten der 53 LĂ€nder ihrer Europa-Region, die von der AtlantikkĂŒste ĂŒber West- und Mitteleuropa und Russland bis nach Turkmenistan reicht. Auch in Deutschland ist die Zahl nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) stark zurĂŒckgegangen. Sorge bereiten vor der baldigen FuĂballweltmeisterschaft die steigenden Zahlen in Mexiko, den USA und Kanada.
In der Gesamtregion Europa wurden nach WHO-Angaben fast 34.000 FĂ€lle gemeldet, 75 Prozent weniger als im Jahr davor. Das sei auf BekĂ€mpfungsmaĂnahmen zurĂŒckzufĂŒhren, aber auch darauf, dass das Virus sich in der ungeimpften Bevölkerung verbreitet hat und dadurch mehr Menschen immun geworden sind. Wer einmal infiziert war, ist gegen eine neue Ansteckung geschĂŒtzt.Â
Ziel bleibt: Impfquote von 95 ProzentÂ
Der deutliche RĂŒckgang hat auch damit zu tun, dass die Zahlen 2024 auĂergewöhnlich hoch waren. Im Vergleich zu 2023 lagen sie etwa um die HĂ€lfte niedriger. WĂ€hrend sie etwa in RumĂ€nien, Kasachstan oder Aserbaidschan um rund 90 Prozent oder mehr fielen, stiegen sie etwa in Frankreich und den Niederlanden, wenn auch auf niedrigem Niveau.
Die WHO warnt zusammen mit dem UN-Kinderhilfswerk Unicef, dass Risiken gröĂerer AusbrĂŒche bleiben. Ziel sei eine Impfquote von 95 Prozent ĂŒberall, sonst werde sich das hochansteckende Virus weiter ausbreiten. Nach WHO-Angaben steckt im Durchschnitt eine infizierte Person bis zu 18 nicht geimpfte Menschen an. Masern könne schwere Folgen haben, etwa EntzĂŒndungen des Gehirns mit SchĂ€digung von Nervenzellen, und die Krankheit kann tödlich enden.
Mehrere LĂ€nder, die Masern laut WHO besiegt hatten, haben den WHO-Staus «frei von Masern» nach groĂen AusbrĂŒchen wieder verloren, darunter Spanien, GroĂbritannien und Ăsterreich. Deutschland galt nicht als masernfrei.Â
Empfohlene WHO-Impfquote in Deutschland nicht erreicht
In Deutschland schwanken die Zahlen gemeldeter MasernfĂ€lle nach Daten des Robert Koch-Instituts von Jahr zu Jahr. Sie waren in der Corona-Pandemie wegen des hohen Infektionsschutzes extrem niedrig, erreichten aber 2024 mit 645 gemeldeten FĂ€llen (0,77 pro 100.000 Einwohner) wieder in etwa das Niveau von vor der Pandemie. 2025 waren es 232 FĂ€lle (Inzidenz 0,28 pro 100.000 Einwohner). In den ersten fĂŒnf Wochen 2026 lagen sie unter denen des Vorjahreszeitraums. Es könnten aber noch Nachmeldungen hinzukommen, hieĂ es.
Die Zahl - oft im dreistelligen Bereich - ist abhĂ€ngig von einzelnen groĂen AusbrĂŒchen und von importierten Masernviren. In Deutschland brechen die Infektionsketten laut RKI aufgrund der hohen Impfrate meist schnell wieder ab. Dennoch ist die von der WHO empfohlene Durchimpfungsrate von 95 Prozent fĂŒr die zweimalige Impfung nicht erreicht.Â
Die von der StĂ€ndigen Impfkommission (Stiko) empfohlenen zwei Kombi-Impfungen fĂŒr Masern, Mumps und Röteln (MMR) mit 11 Monaten und 15 Monaten erfolgten hĂ€ufig zu spĂ€t, sagte Dorothea Matysiak-Klose vom RKI-Fachgebiet ImpfprĂ€vention. Die Impfquote fĂŒr die erste Impfung gegen Masern liege erst fĂŒr Kinder im Alter von drei Jahren bundesweit ĂŒber 95 Prozent (Geburtsjahrgang 2021). «FĂŒr die zweite MMR-Impfung wurde diese Impfquote bundesweit bisher noch nicht erreicht.»
Masernausbruch in Nordamerika vor der FuĂball-WM
Wie Kanada könnten auch Mexiko und die USA ihren WHO-Status als masernfrei verlieren. In den USA könne das passieren, wenn das Land nicht nachweisen kann, dass es AusbrĂŒche schnell stoppen kann, wie der US-Spezialist fĂŒr Infektionskrankheiten, Demetre Daskalakis, warnt.
Von Anfang 2025 bis Ende Mitte Januar 2026 wurden in Mexiko nach Angaben der WHO mehr als 7.000 FĂ€lle erfasst, 24 Menschen starben. In einigen Ortschaften muss nun an Schulen eine Nasen-Mund-Bedeckung getragen werden.
In Kanada wurden bisher mehr als 5.500 Erkrankungen und zwei TodesfÀlle verzeichnet. In den USA sind mehr als 2.400 Menschen erkrankt, drei von ihnen starben.
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