Maskierte, Hypertonie

Maskierte Hypertonie: Studie verbindet verborgenen Bluthochdruck mit 70 Prozent mehr StĂŒrzen

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Maskierte Hypertonie bleibt oft unerkannt; standardisierte Messungen zu Hause helfen, Fehleinstufungen und unnötige Behandlungen zu vermeiden.
Ein minimalistisch eingerichteter Wohnraum mit Tageslicht auf einem Holztisch, der eine ruhige und hÀusliche AtmosphÀre vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Fehldiagnosen bei Bluthochdruck sind in der klinischen Praxis und im Alltag weit verbreitet. Zwei PhĂ€nomene erschweren eine prĂ€zise Einstufung: das Weißkittel-Syndrom, bei dem Blutdruckwerte in der Arztpraxis erhöht, zu Hause jedoch normal ausfallen, und die maskierte Hypertonie. Bei Letzterer liegen die Praxiswerte im unauffĂ€lligen Bereich, wĂ€hrend der Blutdruck im Alltag dauerhaft erhöht bleibt.

Dieser Zustand bleibt oft ĂŒber Jahre hinweg unentdeckt und kann schleichend GefĂ€ĂŸe schĂ€digen. HĂ€usliche Messungen ĂŒber mehrere Wochen – ergĂ€nzt durch nĂ€chtliche Messungen oder LangzeitĂŒberwachungen – ermöglichen einen Abgleich mit den Praxiswerten, um Über- oder Unterbehandlungen zu vermeiden.

Maskierte Hypertonie und verborgene Gesundheitsrisiken

Die maskierte Hypertonie birgt erhebliche Risiken, da Betroffene sich hĂ€ufig in trĂŒgerischer Sicherheit wiegen. Laut der Leitlinie der EuropĂ€ischen Gesellschaft fĂŒr Kardiologie (ESC) aus dem Jahr 2024 liegt eine maskierte Hypertonie vor, wenn der Praxiswert unter 140/90 mmHg bleibt, der Heimmittelwert oder Tagesmittelwert jedoch mindestens 135/85 mmHg beziehungsweise das 24-Stunden-Mittel mindestens 130/80 mmHg erreicht.

Typisch ist etwa ein Wert von 125/80 mmHg beim Arztbesuch gegenĂŒber wiederholten Messungen von 145/92 mmHg im hĂ€uslichen Umfeld. Zu den Risikofaktoren zĂ€hlen familiĂ€re Vorbelastung, Übergewicht, Bewegungsmangel, hoher Salzkonsum, Rauchen, chronischer Stress, Schlafstörungen, Diabetes sowie Nierenerkrankungen.

Welche konkreten Gefahren drohen, verdeutlichte ein Abstract einer US-Vorstudie auf der AHA-Hypertonie-Konferenz 2026. Bei 758 untersuchten Personen im Alter von 78 bis 98 Jahren (Median 83 Jahre, 59 Prozent Frauen, 82 Prozent unter Medikation) wiesen 15,4 Prozent eine maskierte Hypertonie auf, 34,5 Prozent eine vollstĂ€ndige und 17 Prozent eine Weißkittel-Hypertonie.

Anzeige

Wer sich mit den Risiken von Bluthochdruck befasst, sollte auch die Bedeutung seiner weiteren Blutwerte kennen, um Fehldiagnosen zu vermeiden. Dieser kostenlose 25-seitige Report hilft Ihnen dabei, Ihre Laborwerte selbst zu verstehen und Ihre Gesundheit gezielt zu schĂŒtzen. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck jetzt anfordern

Über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 350 Tagen stĂŒrzten 23,4 Prozent mindestens einmal. Nach Angaben der Studienautorin Frances Wang vom BIDMC in Boston ging die maskierte Hypertonie mit einem um 70 Prozent höheren Sturzrisiko einher als durchgehend erhöhte Werte.

Ursachen fĂŒr Messabweichungen und Weißkitteleffekte

Auch das umgekehrte PhĂ€nomen tritt hĂ€ufig auf: Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC zeigt bis zu etwa ein Drittel der Menschen mit hohem Praxisblutdruck außerhalb der Praxis normale Werte. Oft verfĂ€lschen bereits suboptimale Messbedingungen das Bild.

Eine Untersuchung der UniversitĂ€t UmeĂ„ an rund 10.000 schwedischen Patienten ergab, dass Messungen in der Routineversorgung im Schnitt um 4 mmHg höher lagen als unter streng kontrollierten Studienbedingungen. Der Epidemiologe Mattias Brunström erklĂ€rte, dass im Praxisalltag hĂ€ufig eine fĂŒnfminĂŒtige Ruhephase, RĂŒcken- und FußstĂŒtzen sowie das korrekte Anlegen der Manschette auf Herzhöhe fehlen.

Auch eine Untersuchung der Johns Hopkins University aus dem Jahr 2024 (veröffentlicht in JAMA Internal Medicine) an 133 Erwachsenen belegte den Einfluss der Körperhaltung: Ein frei hĂ€ngender Arm ohne Auflage fĂŒhrte zu einem fast 7 mmHg höheren systolischen Wert, ein Arm im Schoß zu einem um fast 4 mmHg höheren Wert im Vergleich zu einer gestĂŒtzten Haltung auf Herzhöhe. Falsch hohe Werte können zu einer unnötigen Verschreibung von Medikamenten fĂŒhren, was wiederum BlutdruckabfĂ€lle und OhnmachtsanfĂ€lle auslösen kann.

Anzeige

Um den Blutdruck dauerhaft zu regulieren, mĂŒssen nicht immer sofort Medikamente zum Einsatz kommen. Ein renommierter Medizinprofessor verrĂ€t in diesem Gratis-Ratgeber 7 einfache Tipps, wie Sie Ihre Werte auf natĂŒrlichem Weg in den Griff bekommen können. 7 Tipps zur natĂŒrlichen Blutdrucksenkung kostenlos herunterladen

Standardisierte Messprotokolle fĂŒr verlĂ€ssliche Diagnosen

Fachgesellschaften empfehlen daher strukturierte Vorgehensweisen. Das Protokoll des britischen National Institute for Health and Care Excellence (NICE) sieht eine Heimblutdruckmessung ĂŒber mindestens vier, vorzugsweise sieben Tage vor.

Pro Messzeitpunkt erfolgen zwei Messungen im Abstand von mindestens einer Minute. Der erste Tag wird bei der Mittelwertbildung gestrichen. Eine Hypertonie gilt als bestÀtigt, wenn der Praxisblutdruck bei mindestens 140/90 mmHg und der Heimmittelwert bei mindestens 135/85 mmHg liegt.

Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft hob anlĂ€sslich des WeltmĂ€nnertags hervor, dass Bluthochdruck der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor fĂŒr SchlaganfĂ€lle bleibe. Die Vorsitzende Waltraud Pfeilschifter verwies darauf, dass 2,5 Stunden Sport pro Woche das Risiko deutlich senken können.

Zudem raten medizinische Richtlinien zur Vorsicht bei extremen Werten: Liegen die Messungen ab 180 mmHg systolisch oder 120 mmHg diastolisch und bleiben nach einer Minute Wartezeit unverÀndert hoch, sollte umgehend Àrztlicher Rat eingeholt werden; treten Symptome wie Atemnot oder Sehstörungen auf, ist sofortige Notfallhilfe geboten.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70456946 |