MECFS, Diagnose

ME/ CFS: 650.000 Deutsche betroffen, Diagnose bleibt schwierig

Veröffentlicht: 03.07.2026 um 10:04 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Aktualisierte Behandlungsstandards bei Bruxismus und Cluster-Kopfschmerz sowie steigende ME/CFS-Fallzahlen prÀgen die Versorgung.

Chronische Schmerzen: Neue Leitlinien und politische Debatten 2026
Eine nachdenkliche Person sitzt in einem schwach beleuchteten Raum, umgeben von medizinischen Diagrammen und einem Laptop. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Aktualisierte Leitlinien, steigende Fallzahlen bei ME/CFS und politische Debatten um die Krankschreibung prÀgen den Sommer 2026.

Neue Standards bei Bruxismus und Cluster-Kopfschmerz

Die S3-Leitlinie zu Bruxismus liegt in der Version 2.1 vor. Die unter FederfĂŒhrung der DGFDT und DGZMK erstellte Richtlinie enthĂ€lt erstmals Kapitel zu KomorbiditĂ€ten und speziellen AnsĂ€tzen fĂŒr Kinder. Die Empfehlungen fĂŒr PatientenaufklĂ€rung und Physiotherapie wurden angehoben. Auch Selbsthilfemaßnahmen wie EntspannungsĂŒbungen und progressive Muskelentspannung rĂŒcken stĂ€rker in den Fokus.

Parallel dazu prĂ€zisieren Experten die Behandlungsstandards bei Cluster-Kopfschmerzen. Die extrem starken, einseitigen Attacken erfordern eine differenzierte Akut- und Prophylaxetherapie. Mittel der ersten Wahl bleibt Verapamil. Im Akutfall empfehlen Fachleute die Inhalation von 100-prozentigem Sauerstoff sowie Triptane. CGRP-Antikörper haben fĂŒr dieses Krankheitsbild derzeit keine Zulassung.

ME/CFS: Hunderttausende betroffen, Diagnose bleibt schwierig

Rund 650.000 Menschen in Deutschland leiden an Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome (ME/CFS). Die Coronapandemie hat die Fallzahlen steigen lassen und das Bewusstsein geschĂ€rft. PD Dr. Karin Storm van’s Gravesande von der Uniklinik Freiburg erklĂ€rte im Juli: Die Diagnose bleibt mangels Biomarkern eine Ausschlussdiagnose, die interdisziplinĂ€re Teams stellen mĂŒssen.

Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche. Ihre Zahl wird auf 40.000 bis 90.000 geschÀtzt. Ein Fall aus dem Rhein-Pfalz-Kreis zeigt die Dramatik: Ein 15-JÀhriger wurde nach einer Infektion bettlÀgerig und erhielt Pflegegrad 3.

Auch beim Kinderrheuma zĂ€hlt jede Woche. Von den rund 25.000 betroffenen Kindern in Deutschland leiden etwa 15.000 an einer Juvenilen Idiopathischen Arthritis (JIA). Die Diagnose ist oft schwierig, weshalb Ärzte die Überweisung an spezialisierte Zentren empfehlen.

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Brustschmerzen: Herzinfarkt oder Neuralgie?

Schmerzen im Brustkorb erfordern eine prĂ€zise Abgrenzung. Die Interkostalneuralgie Ă€ußert sich oft gĂŒrtelförmig und wird durch Husten oder Niesen verstĂ€rkt. Sie wird hĂ€ufig mit einem Herzinfarkt verwechselt. Zur Sicherung der BehandlungsqualitĂ€t wurde die Chest Pain Unit am Karolinen-Hospital HĂŒsten im Juli erneut von der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Kardiologie zertifiziert.

Patienten googeln – und bekommen Angst

Wie informieren sich die Deutschen ĂŒber Gesundheitssymptome? Eine Civey-Umfrage im Auftrag der Debeka mit ĂŒber 7.500 Teilnehmern liefert klare Zahlen: 27,3 Prozent suchen mindestens einmal pro Monat online nach Symptomen. Rund ein Viertel stĂ¶ĂŸt dabei hĂ€ufig auf irrefĂŒhrende Informationen. Die Folge: Bei 25,8 Prozent löst die Recherche Angst oder Stress aus. Immerhin 15,7 Prozent vereinbarten aufgrund der Online-Ergebnisse einen Arzttermin.

Streit um die Krankschreibung: Droht das Chaos in den Praxen?

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Rund 650.000 Deutsche sind betroffen, die Dunkelziffer ist hoch. Wer nach Symptomen googelt, stĂ¶ĂŸt oft auf irrefĂŒhrende Informationen – das löst bei jedem Vierten Angst aus. Unser Leitfaden hilft Ihnen, seriöse Quellen zu nutzen und den Überblick zu behalten. Kostenlosen Leitfaden jetzt sichern

Eine gesundheitspolitische Debatte belastet die PrimĂ€rversorgung zusĂ€tzlich. Die geplante Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag und die mögliche Abschaffung der telefonischen Krankschreibung stoßen auf harte Kritik. DAK-Chef Andreas Storm warnte Anfang Juli vor ĂŒberfĂŒllten Praxen.

Der Anteil telefonischer Krankschreibungen liegt derzeit bei lediglich 0,8 bis 1,2 Prozent. Ärztevertreter wie der Virchowbund befĂŒrchten dennoch Millionen unnötiger Praxisbesuche. Das wĂŒrde die Terminknappheit fĂŒr chronisch kranke Patienten weiter verschĂ€rfen. Als Alternative werden derzeit Modelle fĂŒr Teilkrankschreibungen diskutiert.

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