ME/ CFS-Therapie: Immunadsorption verbessert Gesundheit bei einem Teil der Patienten
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 18:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Erforschung wirksamer BehandlungsansÀtze gegen die Myalgische Enzephalomyelitis / das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS) steht im Mittelpunkt der Nationalen Klinischen Studiengruppe an der Berliner Charité.
Unter der Leitung der Immunologin Carmen Scheibenbogen konzentriert sich das Team auf Medikamente, die gezielt an den biologischen Ursachen der Erkrankung ansetzen. Dabei werden insbesondere Wirkstoffe erprobt, die fĂŒr andere Anwendungsbereiche bereits zugelassen sind, wie der Mitteldeutsche Rundfunk in einem Bericht vom 2. November 2026 darlegte.
Immunologische Verfahren und kontrollierte Studien bis 2028
Ein Schwerpunkt der wissenschaftlichen Untersuchungen zielt auf Fehlfunktionen des Immunsystems ab. Erste Ergebnisse zeigten bereits eine deutliche gesundheitliche Verbesserung bei einem Teil der behandelten Patientinnen und Patienten, bei denen Auto-Antikörper mittels einer Immunadsorption aus dem Blut entfernt wurden.
Um die therapeutische Wirksamkeit methodisch abzusichern, laufen derzeit gröĂere, Placebo-kontrollierte Studien. Belastbare Ergebnisse aus diesen Untersuchungen werden fĂŒr das Jahr 2028 erwartet.
Sollte sich der Nutzen in den klinischen Daten bestĂ€tigen, zeichnet sich ein regulĂ€rer Weg in das Gesundheitssystem ab: Bei ausreichenden Studienergebnissen könnte ein Medikament ĂŒber eine Sonderregelung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) direkt in die regulĂ€re Versorgung aufgenommen werden.
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Mangel an Kausaltherapien und strukturelle Defizite
FĂŒr die Betroffenen bleibt die therapeutische Situation bislang stark eingeschrĂ€nkt. Nach wie vor stehen keine heilenden Medikamente zur VerfĂŒgung, sodass sich die medizinische Begleitung weitgehend auf die Linderung einzelner Symptome beschrĂ€nken muss.
Gleichzeitig verweist Scheibenbogen auf erhebliche strukturelle MĂ€ngel in der Versorgung. Die Immunologin bewertet den derzeitigen Versorgungszustand als unzureichend.
UrsĂ€chlich dafĂŒr sei unter anderem, dass ME/CFS ĂŒber Jahrzehnte hinweg in der medizinischen Ausbildung vernachlĂ€ssigt und fĂ€lschlicherweise psychologisiert worden sei. Als Folge dieser Historie mangele es bis heute flĂ€chendeckend an spezialisierten Ambulanzen, die ĂŒber die notwendige Expertise fĂŒr Diagnose und Betreuung verfĂŒgen.
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Hohe Krankheitslast bei Hunderttausenden Betroffenen
Die Dringlichkeit verlĂ€sslicher Therapieoptionen wird durch die Reichweite der Erkrankung verdeutlicht. Nach SchĂ€tzungen der Forschungsgruppe leiden in Deutschland rund 650.000 Menschen an ME/CFS. Die Belastungen im Alltag sind fĂŒr viele gravierend: Zahlreiche Betroffene sind aufgrund der schweren körperlichen EinschrĂ€nkungen dauerhaft berufsunfĂ€hig oder auf umfassende pflegerische UnterstĂŒtzung angewiesen.
Teile dieses Beitrags beruhen auf Recherchen von MDR.
