MECFS, Long

ME/ CFS und Long Covid: Ă–sterreich startet Versorgungsplan mit 600 Mio. Euro

27.06.2026 - 16:52:07 | boerse-global.de

Bund, Länder und Kassen einigen sich auf strukturierte Versorgung. 600 Millionen Euro fließen in den Ausbau von Spitalsambulanzen.

Ă–sterreich: Neuer Versorgungsplan fĂĽr ME/CFS und Long Covid
MECFS - Ein verschwommener Krankenhauskorridor mit zwei Ärzten, die unterschiedliche medizinische Fachgebiete repräsentieren, symbolisiert interdisziplinäre Zusammenarbeit. 27.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Juni einen umfassenden Versorgungsplan für Patienten mit ME/CFS und Long Covid verabschiedet. Bund, Länder und Sozialversicherung einigten sich auf eine Systematisierung von Diagnose und Behandlung. Für den Ausbau der Spitalsambulanzen stehen den Bundesländern 600 Millionen Euro zur Verfügung.

Drei Versorgungsmodelle fĂĽr die Regionen

Das Konzept sieht je nach regionalen Gegebenheiten drei Modelle vor: spezialisierte Ambulanzen für komplexe Fälle, regionale Netzwerke zur Flächendeckung sowie Kombinationen aus stationären Zentren und vernetzten Strukturen.

Wien plant ein Kompetenzzentrum für 2027. Salzburg hat bereits eine Anlaufstelle am Tauernklinikum. Tirol setzt auf ein telemedizinisches Netzwerk. Die Sozialversicherung sichert kassenfinanzierte Leistungen wie Ergo- und Physiotherapien sowie medikamentöse Behandlungen.

Schätzungen zufolge sind in Österreich rund 73.600 Menschen von ME/CFS betroffen. Davon leiden etwa 14.700 unter einer schweren Verlaufsform.

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Fachübergreifende Fortbildung für Ärzte

Ein zentrales Problem: Die Symptome von ME/CFS, Long Covid und Kreislaufstörungen überschneiden sich mit anderen Erkrankungen wie dem Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS). Die Uniklinik Aachen bietet ab dem 8. Juli eine Fortbildungsreihe für Mediziner an. Der Qualitätszirkel behandelt Klassifikation, Diagnose und Therapie von Kreislaufstörungen interdisziplinär.

Die Neurologie ist bei neurokognitiven Einschränkungen und autonomen Dysfunktionen gefragt. Die Kardiologie klärt orthostatische Probleme und Herz-Kreislauf-Symptome ab. Ein zweites interdisziplinäres Symposium der Zentren für Seltene Erkrankungen in Aachen und Köln vertieft diese Zusammenarbeit.

Digitale Zwillinge und Wearables

Die Forschung liefert neue diagnostische Ansätze. Sogenannte „digitale Herz-Zwillinge“ kombinieren MRT-Daten mit elektrischen Spannungsmessungen. Das könnte die Erfolgsrate bei Behandlungen wie der Ablation steigern. Die Technologie ist noch nicht flächendeckend einsatzbereit – zeigt aber das Potenzial der Präzisionsmedizin.

Studien aus dem Juni 2026 belegen zudem: Smartphone-Apps und Wearables können die körperliche Aktivität von Herzpatienten messbar steigern. Laut einer Veröffentlichung im Journal of the American Heart Association erhöhte die Nutzung digitaler Helfer die tägliche Schrittzahl um durchschnittlich 1.100 Schritte.

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Neue Leitlinien und Wirkstoffe in der Pipeline

Das Nationale Referenzzentrum und die Gesundheit Ă–sterreich GmbH arbeiten an der Weiterentwicklung einer S1-Leitlinie zur umfassenderen S2-Leitlinie fĂĽr ME/CFS.

Klinische Studien aus 2026 zeigen differenzierte Ergebnisse: Der Wirkstoff Fluvoxamin könnte Fatigue und Lebensqualität bei Long-Covid-Betroffenen mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit verbessern. Metformin zeigte hingegen keinen signifikanten Nutzen bei bereits etablierter Fatigue. Bei Prädiabetes senkte eine Lebensstiländerung das Risiko für Multimorbidität um 21 Prozent (JAMA-Studie).

Neue Vergütung für Hausärzte

Ab dem 1. Juli tritt eine neue Vergütungsstruktur (GOP 03100) in Kraft. Sie honoriert ein strukturiertes Medikationsmanagement – besonders relevant für Patienten mit komplexen Krankheitsbildern. Denn Risikofaktoren wie niedriger Blutdruck, der das Alzheimer-Risiko um das 2,74-Fache erhöhen kann, erfordern eine sorgfältige medikamentöse Abstimmung.

de | wissenschaft | 69641281 |