ME/ CFS: Vier Off-Label-Wirkstoffe, aber keine regulÀre Kostenerstattung
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Versorgungslage von Menschen mit Myalgischer Enzephalomyelitis / Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) stöĂt auf deutliche Kritik. Betroffene sowie die Linken-Abgeordnete Stella Merendino beanstanden die unzureichenden therapeutischen Möglichkeiten trotz bestehender Regelungen zum sogenannten Off-Label-Use.
Merendino forderte, die fehlende wissenschaftliche Evidenz dĂŒrfe kein Freifahrtschein fĂŒr politische UntĂ€tigkeit sein. Notwendig seien vielmehr gezielte klinische Studien sowie eine gesicherte KostenĂŒbernahme fĂŒr bestehende BehandlungsansĂ€tze.
Fehlende Zulassungen und restriktive Erstattung
Aus einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion geht hervor, dass die Bundesregierung vorerst keine Verbesserungen bei der Versorgung mit ME/CFS-Medikamenten plant. Bislang existiert kein speziell fĂŒr dieses Krankheitsbild zugelassenes Arzneimittel.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) regelte zwar die VerordnungsfĂ€higkeit von vier Wirkstoffen auĂerhalb ihres eigentlichen Zulassungsbereichs. Eine Erstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen ist jedoch weiterhin nicht regelhaft möglich.
Auf die Nachfrage der Linken, weshalb Substanzen wie Naltrexon und Aripiprazol nicht in diese Off-Label-Liste aufgenommen wurden, verwies das Bundesgesundheitsministerium auf formale HĂŒrden: FĂŒr eine solche Aufnahme sei eine belastbare Evidenz bezĂŒglich der Arzneimittelsicherheit zwingend erforderlich, welche fĂŒr die genannten Wirkstoffe bislang nicht vorgelegen habe.
Vier Wirkstoffe sind auĂerhalb ihrer Zulassung verordnungsfĂ€hig â eine regelhafte Erstattung durch die gesetzlichen Kassen ist damit aber nicht verbunden. Wer den Antrag richtig aufsetzt, spart Zeit und vermeidet RĂŒcklĂ€ufer. Der Leitfaden zeigt Ihnen die Schritte im Ăberblick. Kostenlosen Erstattungs-Leitfaden anfordern
Laut einem Bericht der Ărztezeitung vom 20. Oktober 2026 stellt sich die Situation im europĂ€ischen Vergleich unterschiedlich dar: WĂ€hrend erstattungsfĂ€hige medikamentöse Optionen fĂŒr Patienten in Deutschland Ă€uĂerst ĂŒberschaubar bleiben, gestaltet sich die Lage im Nachbarland Ăsterreich anders.
Hohe Nebenwirkungen und Ruf nach zielgerichteter Forschung
Die praktische Relevanz der bisherigen Regelungen wird von Patientenorganisationen angezweifelt. Eine Sprecherin der Initiative Long Covid Deutschland erklĂ€rte, dass die auf der Off-Label-Liste gefĂŒhrten Medikamente in der Praxis nur wenig Verbreitung finden.
Viele Erkrankte berichteten ĂŒber einen lediglich begrenzten therapeutischen Nutzen und setzten die PrĂ€parate aufgrund einer hohen Belastung durch Nebenwirkungen wieder ab. Obwohl medikamentöse AnsĂ€tze fĂŒr Betroffene immens wichtig seien, brauche es vor allem zielgerichtete klinische Forschung, um wirksame und vertrĂ€gliche Therapien zu etablieren.
Viele Betroffene setzen PrĂ€parate wegen hoher Nebenwirkungen wieder ab â und stehen dann ohne Plan da. Bevor Sie das nĂ€chste Medikament ausprobieren, lohnt der Blick auf das, was die Kasse trĂ€gt: Der Leitfaden ordnet die erstattungsfĂ€higen Optionen ein und vergleicht die Lage in Deutschland mit Ăsterreich. Erstattungs-Check jetzt starten
ME/CFS ist eine schwere, das Nerven- und Immunsystem betreffende Erkrankung, die oft mit einem hohen Grad an Behinderung und in vielen FĂ€llen mit einer frĂŒhen Sterblichkeit einhergeht. Nach vorliegenden SchĂ€tzungen leben in Deutschland mehrere Hunderttausend Betroffene, davon allein rund 60.000 Erkrankte in Nordrhein-Westfalen.
Dem gegenĂŒber steht nach Angaben von PatientenverbĂ€nden ein nach wie vor sehr niedriges Niveau an bereitgestellten Forschungsmitteln, was den Mangel an zugelassenen Therapien weiter verfestigt.
