Mebufotenin-Studie, Psychedelisches

Mebufotenin-Studie: Psychedelisches Spray wirkt in 8–15 Minuten

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einer Phase-2b-Studie sank die depressive Symptomatik nach einer Einzeldosis; Forschende wählten 8 mg für Phase 3 aus.
Ein minimalistischer, ruhiger Behandlungsraum mit hellem, diffusem Tageslicht und einer sterilen, friedlichen Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt.

Eine Phase-2b-Studie untersucht den Einsatz von Mebufotenin, einem synthetischen 5-MeO-DMT, als Nasenspray zur Behandlung von schwer behandelbaren Depressionen.

Die im Fachjournal JAMA publizierte Untersuchung belegt eine statistisch signifikante Wirksamkeit der Substanz bei Patientinnen und Patienten mit therapieresistenter Depression. GegenĂĽber Kontrollgruppen zeigte die Verabreichung deutliche Verbesserungen der depressiven Symptomatik bei gleichzeitig kurzer Wirkdauer.

Studiendesign mit kurzer psychedelischer Wirkungsdauer

Die randomisierte, doppelblinde Phase-2b-Studie wurde unter Leitung des Korrespondenzautors Mathieu Seynaeve von Beckley in Oxford durchgeführt. Insgesamt nahmen 193 Erwachsene aus Australien, den USA sowie vier europäischen Ländern teil.

Alle Probanden hatten zuvor erfolglos zwei bis fĂĽnf verschiedene Antidepressiva eingenommen. Zu Beginn lag der mittlere Wert auf der MADRS-Skala (Montgomery-Ă…sberg Depression Rating Scale, 0 bis 60 Punkte) bei 32 Punkten.

Mebufoteninbenzoat wirkt als 5-HT1A- und 5-HT2A-Rezeptor-Agonist. Nach einer vorangegangenen Auswaschphase erhielten die Teilnehmenden unter psychologischer Betreuung eine einmalige intranasale Dosis von entweder 8 mg, 12 mg oder einer subperzeptuellen Kontrolldosis von 0,3 mg.

Im Gegensatz zu klassischen Psychedelika zeichnet sich der Wirkstoff durch ein enges Zeitfenster aus: Die maximale Wirkung trat nach 8 bis 15 Minuten ein und klang nach 45 bis 60 Minuten wieder ab. In der 8-mg-Gruppe konnten 85 % der Behandelten nach zwei Stunden entlassen werden.

Signifikante Symptomreduktion und anhaltende Effekte

Als primärer Endpunkt wurde die Veränderung des MADRS-Gesamtscores vom Ausgangswert bis Tag 29 festgelegt. Im Vergleich zwischen der 12-mg-Gruppe und der 0,3-mg-Kontrollgruppe ergab sich eine statistisch signifikante mittlere Differenz von ?5,3 Punkten.

An Tag 29 verzeichnete die 12-mg-Gruppe (n=73) eine Reduktion um ?11,1 Punkte, während die 8-mg-Gruppe (n=46) ein Minus von 12,5 Punkten erreichte. Bei der Kontrollgruppe (n=74) lag der Rückgang bei ?5,5 Punkten.

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Die Phase-2b-Daten sind da: Eine einmalige intranasale Dosis reduzierte den MADRS-Score an Tag 29 um bis zu 12,5 Punkte — bei einem Wirkfenster von rund einer Stunde. Wer die Zahlen für die eigene Sprechstunde einordnen will, findet hier MADRS-Verlauf, Nebenwirkungsprofil und die Dosierungslogik in drei Schritten aufbereitet. Kostenlosen Praxis-Leitfaden anfordern

Die wirksamen Dosen erwiesen sich in sämtlichen Wirksamkeitsparametern als überlegen, einschließlich der Ansprechraten von Tag 2 bis Tag 57 sowie der Remissionsraten. Der statistische Unterschied war bereits an Tag 2 nachweisbar und blieb über acht Wochen stabil.

Am Tag 29 wies ein Viertel der Behandelten in der 8-mg-Gruppe kaum noch Beschwerden auf und erreichte eine Remission, verglichen mit 8 % in der Vergleichsgruppe. Eine begleitende offene Studie zeigte zudem, dass ein antidepressiver Effekt bei einer Dosis von 10 mg ĂĽber drei Monate anhielt.

Nebenwirkungen und Dosierungsauswahl fĂĽr die Phase 3

Die Verträglichkeit wurde überwiegend als gut beschrieben. Nebenwirkungen traten meist in milder Form auf und klangen innerhalb eines Tages ab, vor allem Kopfschmerzen, Übelkeit und Schmerzen in der Nase. Bei einem Studienteilnehmer kam es allerdings zu zwei schweren Panikattacken.

Aufgrund des vorteilhaften Verhältnisses zwischen Sicherheit und Wirksamkeit wählten die Forschenden die Dosierung von 8 mg für künftige Phase-3-Studien aus. Die Studienautoren bewerteten Mebufotenin in ihrer Publikation als potenziell wirksame und verträgliche Behandlungsoption mit schneller Erholungszeit.

Finanziert wurde das Projekt von Beckley Psytech beziehungsweise AtaiBeckley und Eli Lilly, wobei die Autoren auf eine mögliche funktionelle Entblindung hinweisen.

Fachliche Einordnung mahnt zur Differenzierung

Unabhängige Experten betrachten die Ergebnisse differenziert. Eric Vermetten vom LUMC stufte die Arbeit als starke Studie ein, hob jedoch hervor, dass Vorbereitung, Monitoring und Nachsorge im therapeutischen Rahmen weiterhin zwingend erforderlich blieben.

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Chittaranjan Andrade wies auf Limitationen bei den absoluten Werten hin. Die durchschnittliche Besserung liege bei lediglich rund 30 %, womit die Ansprech- und Remissionsraten unter jenen von Ketamin oder der Elektrokonvulsionstherapie blieben. Zudem seien suizidale Patientinnen und Patienten nicht in die Studie einbezogen worden, was bei der Einordnung der therapeutischen Reichweite beachtet werden mĂĽsse.

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