Medicaid-Reform: USA senken Medikamentenpreise für 66 Millionen
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 20:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Trump-Regierung bereitet einem Bericht von Semafor zufolge eine Ankündigung vor, wonach künftig alle 50 US-Bundesstaaten sogenannte MFN-Preise ("Most Favored Nation") für bestimmte Medikamente im Rahmen von Medicaid erhalten sollen.
Reuters berichtete am 18. September 2026, dass Präsident Trump im Zuge dessen die Gouverneure von South Dakota, Mississippi und Arkansas im Oval Office empfangen wollte. Reuters selbst konnte den Semafor-Bericht zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht unabhängig verifizieren; Weißes Haus und Gesundheitsministerium reagierten zunächst nicht auf Anfragen.
Reichweite des Preismodells
Nach Angaben eines Vertreters des Weißen Hauses, wie sie marketscreener.com berichtete, soll das MFN-Medicaid-Preismodell alle 50 Bundesstaaten, den District of Columbia sowie Puerto Rico abdecken.
Das Konzept zielt darauf ab, die Preise, die Medicaid für verschreibungspflichtige Medikamente zahlt, an die niedrigeren Preise anzugleichen, die vergleichbare Industrieländer für dieselben Präparate zahlen. Laut der Trump-Regierung zahlen die USA für verschreibungspflichtige Medikamente fast dreimal so viel wie andere entwickelte Volkswirtschaften.
Geschätzte Einsparungen
Das Council of Economic Advisers (CEA) des Weißen Hauses schätzt laut einem Semafor-Bericht Nettoeinsparungen von 27,6 Milliarden Dollar für die Bundesstaaten und 36,6 Milliarden Dollar für den Bund über einen Zeitraum von zehn Jahren.
Das Weiße Haus selbst nannte laut thehill.com an anderer Stelle Einsparungen für die staatlichen Medicaid-Programme von über 64 Milliarden Dollar, wobei die Berechnungsgrundlage dieser Zahl unklar bleibt.
Für das breitere TrumpRx-Programm meldete das Weiße Haus laut thefinancialwire.com seit Februar 2026 Ersparnisse von mehr als 700 Millionen Dollar; das GLP-1-Programm zu 50 Dollar pro Monat habe binnen zwei Monaten 216 Millionen Dollar Ersparnis für rund 500.000 Senioren erzielt. Das CEA prognostiziert darüber hinaus eine Gesamteinsparung von 600 Milliarden Dollar über zehn Jahre.
Medicaid deckt rund 66 Millionen Amerikaner ab — und die Nettoausgaben für verschreibungspflichtige Medikamente sind zwischen 2019 und 2024 um 46 Prozent gestiegen. Die Regierung plant jetzt MFN-Preise, doch was das konkret für Ihre Rezepte bedeutet, bleibt oft unklar. Unser kostenloser Ratgeber ordnet die Ankündigung ein und zeigt, worauf Sie achten sollten. Kostenlosen Ratgeber jetzt anfordern
Vereinbarungen mit der Pharmaindustrie
Die Trump-Regierung hat ab 2025 Vereinbarungen mit 17 der größten Pharmakonzerne geschlossen, darunter Pfizer, Eli Lilly und Novo Nordisk. Nach Angaben des Weißen Hauses, wie thefinancialwire.com am 17. September 2026 berichtete, verfügen inzwischen 26 Pharmahersteller über MFN-Vereinbarungen, die 89 Prozent des Markenmedikamentenmarkts in Dollar abdecken. Ende August 2026 schlossen sich zudem neun weitere Firmen an: Alcon, Astellas, BeOne, BridgeBio, CSL, Kyowa Kirin, Sun Pharma, Teva und UCB.
Der Generous-Pilot und die Rolle der Bundesstaaten
Parallel zur MFN-Initiative läuft das sogenannte Generous-Pilotprojekt, ein Rabattprogramm, das für Hersteller und Bundesstaaten freiwillig ist. CMS macht laut einem Bericht von newz.com keine Angaben dazu, wie viele Medikamente je Unternehmen rabattiert werden.
Die Bewerbungsfrist für Bundesstaaten lief zum 10. September 2026, bindende Verträge sollen bis zum 30. September 2026 geschlossen werden – ursprünglich für Frühjahr und Sommer vorgesehene Fristen wurden verschoben. Massachusetts signalisierte laut gpb.org Interesse an einem Beitritt zum Pilotprogramm, während Kalifornien weitere Details prüft beziehungsweise einfordert.
Bedeutung für Medicaid-Empfänger
Medicaid deckt nach Angaben der Kaiser Family Foundation (KFF) rund 66 Millionen Amerikaner ab. Die Nettoausgaben des Programms für verschreibungspflichtige Medikamente stiegen zwischen 2019 und 2024 den KFF-Daten zufolge um 46 Prozent auf rund 46 Milliarden Dollar.
Steigende Medikamentenkosten treffen Senioren mit Medicaid besonders hart — für viele ist das Programm die einzige Absicherung. Neben den geplanten MFN-Preisen läuft ein freiwilliges Rabatt-Programm, dessen Fristen zuletzt verschoben wurden. Unser kostenloser Ratgeber erklärt, was das für Ihren Bundesstaat heißt und wie Sie sich vorbereiten. Ratgeber jetzt kostenlos sichern
Vor diesem Hintergrund richtet sich das MFN-Modell insbesondere an einkommensschwache und ältere Versicherte, für die Medicaid häufig die einzige Absicherung für Medikamentenkosten darstellt. Ob die angekündigten Einsparungen in dieser Höhe tatsächlich realisiert werden, lässt sich anhand der bislang vorliegenden, teils widersprüchlichen Zahlen des Weißen Hauses noch nicht abschließend beurteilen.
