Mediensucht bei Jugendlichen erreicht neuen Höchststand
12.05.2026 - 12:18:40 | boerse-global.deDas sind rund 350.000 Kinder und Jugendliche.
Die achte Erhebungswelle der DAK-Studie, veröffentlicht im Februar 2026, zeigt einen massiven Anstieg. 2024 lag die Quote noch bei 4,7 Prozent. Besonders betroffen sind Àltere Jugendliche: In der Gruppe der 14- bis 17-JÀhrigen sind es zehn Prozent, bei den 10- bis 13-JÀhrigen nur 2,7 Prozent.
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Noch alarmierender: 21,5 Prozent der Jugendlichen zeigen ein riskantes Nutzungsverhalten. Insgesamt weisen rund 1,3 Millionen junge Menschen in Deutschland problematische Muster im Umgang mit sozialen Netzwerken auf.
Video-Streaming legt massiv zu
Die Nutzung von Online-Videos steigt rasant. Die riskante Nutzung kletterte innerhalb eines Jahres von 13,4 auf 21,4 Prozent â ein Plus von rund 60 Prozent. Die pathologische Nutzung erreicht 4,0 Prozent.
Experten sehen die Ursache in Kurzvideo-Formaten und personalisierten Algorithmen. Sie machen die Loslösung vom Bildschirm nahezu unmöglich.
Die durchschnittliche Nutzungsdauer unterstreicht das Problem: An Werktagen verbringen Jugendliche 157 Minuten mit sozialen Medien, am Wochenende 227 Minuten. Beim Gaming sind es 105 Minuten werktags und 171 Minuten am Wochenende.
Phubbing und KI als neue Risikofaktoren
Erstmals erhob die Studie Daten zur generativen KI. 27,2 Prozent der Jugendlichen nutzen mehrmals pro Woche Chatbots wie ChatGPT â vorwiegend fĂŒr Schulaufgaben, aber auch zur Unterhaltung.
Die Forscher beobachten neue Bindungsmuster. Besonders Jugendliche mit psychosozialen Belastungen riskieren einen RĂŒckzug in digitale Scheinwelten.
Ein weiteres PhĂ€nomen: Phubbing â das Ignorieren von Mitmenschen durch den Blick aufs Smartphone. 35,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen fĂŒhlen sich dadurch regelmĂ€Ăig ignoriert. Die Folge: Einsamkeit, depressive Verstimmungen, AngstzustĂ€nde und erhöhter Stress.
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Neue Leitlinien fĂŒr die Therapie
Die Medizin hat reagiert. Seit Februar 2025 gibt es neue AWMF-Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung von Internetnutzungsstörungen. Sie definieren erstmals standardisierte Empfehlungen fĂŒr verschiedene Suchtformen â von sozialen Netzwerken ĂŒber Online-Shopping bis zu Computerspielen.
Der Goldstandard: kognitive Verhaltenstherapie. Moderne Programme beziehen zunehmend die gesamte Familie ein. Ziel ist nicht die vollstÀndige Abstinenz, sondern der Aufbau von Medienkompetenz und Selbstkontrolle.
Zur FrĂŒherkennung bieten die DAK und der Berufsverband der Kinder- und JugendĂ€rzte ein spezielles Mediensuchtscreening an. Es soll im Rahmen der regulĂ€ren Vorsorgeuntersuchungen riskante Entwicklungen frĂŒhzeitig identifizieren.
Forderung nach einem Schulfach Gesundheit
Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit, fordert eine strukturelle Verankerung von Gesundheits- und Medienbildung im Bildungssystem. Er plĂ€diert fĂŒr ein Schulfach Gesundheit.
Seine Kritik: Ein reines Handyverbot im Unterricht greife zu kurz. Die tieferliegenden Probleme des Kontrollverlusts löse es nicht.
Projekte wie âsmart kiddiesâ setzen bereits in der Grundschule an. Sie vermitteln Kindern frĂŒhzeitig medienkompetentes Miteinander und sensibilisieren LehrkrĂ€fte und Eltern.
Die wirtschaftliche Dimension
Die Kosten fĂŒr das Gesundheitssystem sind immens. Hinzu kommen Therapien fĂŒr Folgeerkrankungen wie Bewegungsmangel, Ăbergewicht, Schlafstörungen und psychische Langzeitfolgen.
Auch der Arbeitsmarkt spĂŒrt die Folgen. Unternehmen berichten von Auszubildenden mit Konzentrationsschwierigkeiten und Defiziten in der sozialen Interaktion. Investitionen in PrĂ€vention gelten zunehmend als volkswirtschaftliche Notwendigkeit.
Was kommt als NĂ€chstes?
Die Forschung wird sich intensiver mit KI und virtuellen RealitÀten auf das kindliche Gehirn befassen. Die geplanten S3-Leitlinien sollen die therapeutische Versorgung weiter professionalisieren.
Politisch gewinnt die Regulierung von Plattform-Algorithmen an Fahrt. Suchtexperten kritisieren, dass Algorithmen oft stÀrker auf die Psyche der Kinder wirken als Erziehung und Schule.
Ob ein Schulfach Gesundheit kommt, entscheiden die Kultusminister. Klar ist: Ohne enge Kooperation zwischen Gesundheitswesen, Schulen und Elternhaus wird sich der Trend zur digitalen AbhÀngigkeit nicht umkehren lassen.
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