Medikamenten-Nebenwirkung: Diese Wirkstoffe verursachen Ăbergewicht
Veröffentlicht am: 11.07.2026 um 16:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein oft ĂŒbersehener Grund: die iatrogene Gewichtszunahme â also jene, die als Nebenwirkung einer medizinischen Behandlung auftritt.
Aktuelle klinische Analysen und Marktbeobachtungen zeigen: Zahlreiche gÀngige Wirkstoffe beeinflussen den Stoffwechsel und das Essverhalten massiv. Parallel drÀngen neue Therapien auf den Markt, die diese metabolischen Folgen adressieren sollen.
Diese Wirkstoffe machen dick
Viele Patienten nehmen zu, ohne ihre ErnÀhrungs- oder Bewegungsgewohnheiten geÀndert zu haben. Besonders hÀufig trifft es Anwender von Psychopharmaka.
Wirkstoffe wie Olanzapin, Clozapin sowie die Antiepileptika ValproinsĂ€ure und Gabapentin werden mit signifikanter Gewichtszunahme in Verbindung gebracht. In der Inneren Medizin sind vor allem Cortison-PrĂ€parate problematisch â insbesondere bei Langzeitanwendung. Auch Ă€ltere Diabetesmedikamente wie Tolbutamid oder die klassische Insulintherapie können das Körpergewicht erhöhen.
Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigen Betablocker wie Atenolol, Propranolol und Metoprolol Ă€hnliche Tendenzen. Eine Studie im JAMA Network Open mit 422 Teilnehmerinnen deutet zudem darauf hin, dass hormonelle Kontrazeptiva bei manchen Frauen zu vermehrtem emotionalem Essen fĂŒhren â ein kausaler Beweis fĂŒr generelle Gewichtszunahme bleibt jedoch komplex.
Sogar in der HIV-Therapie wurden bestimmte Wirkstoffkombinationen wie Bictegravir oder Tenofoviralafenamid als potenzielle Auslöser identifiziert.
Das Dilemma der Psychiatrie
Besonders heikel ist die Situation bei Depressionen. Antidepressiva zeigen oft nur eine mĂ€Ăige Ăberlegenheit gegenĂŒber Placebo â statistisch etwa zwei Punkte Differenz auf einer 52-Punkte-Skala. Dennoch sind Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme (vor allem bei trizyklischen Antidepressiva und Mirtazapin) oder sexuelle Funktionsstörungen (bei SSRI und SNRI) weit verbreitet.
Aktuelle Daten belegen: Fast jeder zweite Patient verspĂŒrt nach zwei Monaten Behandlung mindestens eine Nebenwirkung. Weniger als sechs Prozent brechen die Therapie deshalb ab.
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Als Alternative rĂŒckt die Stoffwechseloptimierung in den Fokus. Eine randomisierte kontrollierte Studie im Schizophrenia Bulletin an 58 Probanden zeigte: Eine ketogene DiĂ€t kann bereits nach einem Monat zu metabolischen Verbesserungen und einer Verringerung von Depressionssymptomen fĂŒhren. Höhere Ketonwerte korrelierten mit niedrigerem Blutzucker â unabhĂ€ngig vom tatsĂ€chlichen Gewichtsverlust.
GLP-1-PrÀparate: Die neuen HoffnungstrÀger
Das Feld der GLP-1-Rezeptor-Agonisten entwickelt sich rasant. Eine Meta-Analyse im BMJ vom 9. Juli 2026 verglich die EffektivitĂ€t verschiedener PrĂ€parate. Demnach fĂŒhren Tirzepatid und die Kombination Cagrisema zu einem Gewichtsverlust von etwa 15 Prozent, Semaglutid (Wegovy) liegt bei rund 10 Prozent.
Die Autoren geben jedoch zu bedenken: Die wirksamsten Medikamente lösen auch die hĂ€ufigsten Nebenwirkungen aus â Ăbelkeit und Erbrechen inklusive. Eine nachweisliche Verbesserung der LebensqualitĂ€t durch medikamentöse Gewichtsreduktion lieĂ sich bisher nicht konsistent belegen.
Mechanische Hilfe aus dem Magen
FĂŒr Patienten, die eine mechanische Lösung bevorzugen, gibt es seit dem 1. Juli 2026 ein neues Produkt: Die âEpitomee Capsule 2TAC-56â ist fĂŒr Personen mit einem BMI zwischen 25 und 40 kg/mÂČ zugelassen. Die Kapseln enthalten 339 mg eines vernetzten PolyacrylsĂ€ure-Natriumsalzes, das im Magen zu einem Hydrogel aufquillt und so ein SĂ€ttigungsgefĂŒhl erzeugt. Hauptnebenwirkung: Bauchschmerzen.
Wenn die Dosis zum Problem wird
Trotz aller Fortschritte bleiben Anwendungsfehler ein erhebliches Risiko. Berichte aus US-Giftnotrufzentralen zeigen: Die Notrufe im Zusammenhang mit Semaglutid haben sich zwischen Zulassung 2021 und 2023 auf ĂŒber 8.000 FĂ€lle verdoppelt. HĂ€ufigste Ursache waren versehentliche Ăberdosierungen â etwa durch tĂ€gliche statt wöchentliche Injektionen.
Fast jeder zweite Patient spĂŒrt Nebenwirkungen von Antidepressiva â doch weniger als 6% brechen die Therapie ab. Erfahren Sie, welche Alternativen es gibt und wie eine ketogene DiĂ€t helfen kann. Alternativen entdecken â Ratgeber anfordern
Die Akzeptanz der Therapie hĂ€ngt stark von der Darreichung ab. Eine YouGov-Umfrage unter mehr als 2.100 Personen ergab: 46,5 Prozent bevorzugen eine Tablette, nur 8,7 Prozent eine Spritze. Unter den von Adipositas Betroffenen gab fast die HĂ€lfte an, dass eine orale Form sie eher zu einer Behandlung bewegen wĂŒrde. Eine EU-Zulassung fĂŒr eine entsprechende Abnehmpille wird fĂŒr Mitte August erwartet.
FĂŒr die klinische Praxis bedeutet das: Die Auswahl von Medikamenten muss zunehmend das metabolische Profil des Patienten berĂŒcksichtigen â um eine Spirale aus notwendiger Medikation und dadurch induziertem Ăbergewicht zu vermeiden.
