Medikationsmanagement, Geld

Medikationsmanagement: Mehr Geld für chronisch Kranke ab Juli

27.06.2026 - 19:31:27 | boerse-global.de

Neue Vergütung für Medikationsmanagement startet im Juli, während tausende Kassensitze unbesetzt bleiben.

Deutsche Praxen in Not: Ärztemangel und neue Honorare
Medikationsmanagement - Nahaufnahme der Hände eines Arztes, der medizinische Unterlagen und ein Tablet prüft, mit verschwommenen Instrumenten im Hintergrund. 27.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue Vergütungsmodelle sollen chronisch Kranke besser betreuen, doch der Ärztemangel und politische Reformen setzen die Praxen massiv unter Druck.

Neue Honorare für bessere Medikation

Ab dem 1. Juli 2026 gibt es mehr Geld für ein strukturiertes Medikationsmanagement. Die neue Gebührenordnungsposition (GOP) 03100 sieht für Patienten zwischen 19 und 54 Jahren einen Betrag von 45,36 Euro vor, für über 55-Jährige bis zu 51,34 Euro. Hintergrund: Studien zeigen, dass eine falsche Medikation gefährliche Folgen haben kann – etwa ein zu niedriger Blutdruck, der das Alzheimer-Risiko erhöht.

Österreich zieht parallel nach. Die Bundes-Zielsteuerungskommission beschloss am 26. Juni ein bundesweit einheitliches Versorgungskonzept für Long Covid und ME/CFS. Rund 73.600 Betroffene gibt es Schätzungen zufolge. Die bestehende S1-Leitlinie soll zur S2-Leitlinie weiterentwickelt werden.

1.040 unbesetzte Kassensitze in NRW

Die Konzepte helfen wenig, wenn die Ärzte fehlen. In Nordrhein-Westfalen waren am 25. Juni 1.040 Hausarzt-Kassensitze unbesetzt. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann verweist auf die Altersstruktur der Ärzteschaft. Konkret zeigt sich das Problem im Münsteraner Stadtteil Berg Fidel: Seit Ende März gibt es dort keine Hausarztpraxis mehr – 6.000 Einwohner sind betroffen.

Das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz verschärft die Lage. Der Virchowbund warnt vor Umsatzverlusten von bis zu 50.000 Euro pro Arzt und Jahr. Jeder zweite Praxisinhaber erwägt bereits einen Personalabbau. Piet Lueßen vom Ärzteverbund Nord fordert am 26. Juni eine Abkehr vom Kassensystem hin zu einer steuerfinanzierten Versorgung nach britischem NHS-Vorbild.

Anzeige

Ab Juli 2026 gibt es mehr Geld für Ihr Medikationsmanagement – bis zu 51,34 Euro pro Patient. Doch viele wissen nicht, wie sie die neue GOP 03100 richtig beantragen. Unsere Checkliste zeigt Ihnen in 3 Schritten, wie Sie von der Vergütung profitieren und gleichzeitig Ihre Medikation bei Hitze optimal anpassen. Jetzt kostenlose Checkliste sichern

Streit um Apotheken-Reform

Die für Juli erwartete Apothekenreform sorgt für Zündstoff. Apotheker sollen künftig Impfungen mit Totimpfstoffen, Blutentnahmen und Injektionsschulungen durchführen dürfen. Die CSU-Landtagsfraktion unterstützt das. Mediziner sind skeptisch: Dr. Nadja Jesswein bezeichnet Blutentnahmen in Apotheken als „nicht zielführend“.

Auch die assistierte Telemedizin in Apotheken ist umstritten. Sibylle Steiner vom KBV-Vorstand hält das Angebot für überflüssig. Sie plädiert stattdessen für Kooperationen mit Versandapotheken. Apothekenvertreter sehen die Telemedizin dagegen als sinnvolle Ergänzung.

Hitzeschutz: Hausärzte werfen Regierung Versagen vor

Anzeige

Falsche Medikation kann das Alzheimer-Risiko erhöhen – besonders bei Hitze. Der neue Hitzeschutz-Maßnahmenkatalog der Regierung bleibt aus, aber Sie können selbst aktiv werden. Unser Leitfaden verrät Ihnen 5 konkrete Tipps zur Medikamentenanpassung bei über 40 Grad und wie Sie die neue GOP 03100 nutzen, um Ihre Versorgung zu verbessern. Hitzeschutz-Leitfaden jetzt anfordern

Der Hausärzteverband kritisiert am 26. Juni ein Versagen der Bundesregierung beim Hitzeschutz. Vorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth bemängelt, dass angekündigte Maßnahmenpakete zur Medikamentenanpassung bei extremer Hitze nicht umgesetzt wurden. Dabei wurden Ende Juni in Saarbrücken über 40 Grad gemessen – eine Gefahr für chronisch Kranke.

Volkskrankheiten wie COPD rücken ebenfalls in den Fokus. In Bielefeld leiden rund 9.700 Patienten an der chronischen Lungenerkrankung. Etwa 90 Prozent der Fälle sind auf das Rauchen zurückzuführen. Krankenkassen wie die AOK intensivieren ihre Kampagnen zur Raucherentwöhnung – um das Gesundheitssystem langfristig zu entlasten.

de | wissenschaft | 69641812 |