Medikationssicherheit, Wechselwirkungen

Medikationssicherheit: Wechselwirkungen und RĂŒckrufe gefĂ€hrden Senioren

29.06.2026 - 21:09:41 | boerse-global.de

Ab MĂ€rz 2026 wird der elektronische Medikationsplan in der ePA gespeichert. RĂŒckrufe und Wechselwirkungen rĂŒcken Patientensicherheit in den Fokus.

Arzneimitteltherapie: Neue Risiken und digitale Lösungen im Überblick
Medikationssicherheit - Ältere HĂ€nde sortieren Medikamentenflaschen und halten ein digitales Tablet mit einem Medikationsplan in einer sauberen Umgebung. 29.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Digitalisierung, neue Forschung zu Wechselwirkungen und Umweltaspekte prÀgen die Debatte um Patientensicherheit.

Elektronischer Medikationsplan kommt in die ePA

Wer dauerhaft mindestens drei Arzneimittel ĂŒber 28 Tage einnimmt, hat Anspruch auf einen strukturierten Medikationsplan. Er enthĂ€lt Wirkstoff, Handelsname, StĂ€rke und Einnahmegrund.

Der elektronische Medikationsplan (eMP) existiert seit 2020. Ab MĂ€rz 2026 soll er direkt in der elektronischen Patientenakte (ePA) gespeichert werden. Das soll den Austausch zwischen Ärzten und Apotheken verbessern.

Gleichzeitig wĂ€chst die Bedeutung niedrigschwelliger UnterstĂŒtzung fĂŒr Ă€ltere Menschen. In Dresden hilft etwa ein Projekt von MĂ€rz bis Dezember 2026 bei der Handhabung von Smartphones und Tablets. Das erleichtert indirekt den Zugang zu digitalen Gesundheitsanwendungen.

GefÀhrliche Wechselwirkungen im Blick behalten

Die Sicherheit der Arzneimitteltherapie hÀngt stark von möglichen Wechselwirkungen ab. Aktuelle Analysen warnen vor riskanten Kombinationen bei Blutdrucksenkern.

Diuretika in Verbindung mit SGLT2-Hemmern können den Blutdruck zu stark senken. Betablocker wiederum verschleiern die Warnsignale einer Unterzuckerung bei Insulintherapie. Auch Grapefruit, Omega-3-FettsÀuren oder Coenzym Q10 können Medikamentenwirkungen beeinflussen.

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Besondere Vorsicht ist bei HIV-Therapien geboten. Antiretrovirale Medikamente gehen vielfĂ€ltige Interaktionen mit anderen Arzneimitteln oder pflanzlichen PrĂ€paraten ein. Spezialisierte Datenbanken helfen, Risiken frĂŒhzeitig zu erkennen.

Lagerungsfallen und QualitÀtsmÀngel

Ein unterschĂ€tztes Risiko: die Lagerung von medizinischem Cannabis. Nicht pharmazeutisch validierte Feuchtigkeitsregulatoren können Schimmelbildung begĂŒnstigen. Apotheken sollten Patienten aktiv zur sachgerechten Aufbewahrung beraten.

Die ArzneimittelqualitĂ€t sorgte zuletzt fĂŒr Schlagzeilen. Crescent Pharma Limited rief 2,5-mg-Ramipril-Kapseln zurĂŒck (Charge B2025, Verfallsdatum 08/27). Der Grund: Packungen enthielten vereinzelt Kapseln mit 10 mg – eine gefĂ€hrliche Überdosierung.

Auch Nephronex Multivitamin (Charge B2025) wurde zurĂŒckgerufen. In den PrĂ€paraten waren Fremdkörper entdeckt worden. Die VorfĂ€lle zeigen: Die Überwachung von Lieferketten und Produktion muss lĂŒckenlos sein.

Neue Erkenntnisse zu PrÀvention und Umwelt

Die Forschung liefert neue Daten zur PrĂ€vention von Folgeerkrankungen. Eine Untersuchung zur Glukosestabilisierung bei PrĂ€diabetes zeigt: Wer den Blutzucker konsequent einstellt, senkt das Risiko fĂŒr Herzinfarkt und Schlaganfall um 42 Prozent.

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Bestimmte Wirkstoffgruppen wie SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-Agonisten könnten laut Studien zudem das Alzheimer-Risiko reduzieren.

Ein spezifischer Blick gilt systemischen Erkrankungen. Eine Übersicht in einer Fachzeitschrift fĂŒr Rheumatologie zeigt: Bis zu 29 Prozent der Patienten mit systemischer Sklerose entwickeln Osteoporose. Das Frakturrisiko steigt bereits in frĂŒhen Krankheitsstadien.

Wachsende Bedeutung gewinnt die Umweltbelastung durch PFAS-haltige Medikamente. Freiburger Forscher analysierten im Juni 2026: Von 111 identifizierten PFAS-Wirkstoffen sind etwa 70 in Deutschland zugelassen. JĂ€hrlich gelangen schĂ€tzungsweise 30 Tonnen TrifluoressigsĂ€ure (TFA) ĂŒber Arzneimittel in die Umwelt.

Ein EU-weiter Antrag zur Regulierung von PFAS liegt vor. Medikamente sind von Verboten jedoch ausgenommen – fĂŒr einige Wirkstoffe, besonders in der Onkologie, fehlen noch Alternativen.

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