Mehrsprachigkeit: Vier Sprachen gehen mit bis zu 13 Jahren jüngerem Gehirn einher
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 07:43 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Erwerb und die regelmäßige Nutzung mehrerer Sprachen wirken sich messbar auf neurologische Prozesse aus. Neue wissenschaftliche Untersuchungen liefern konkrete Hinweise darauf, dass Mehrsprachigkeit eng mit einem verlangsamten biologischen Altern des Gehirns verknüpft ist.
Eine Untersuchung von Lucia Amoruso vom Baskischen Zentrum für Kognition, Gehirn und Sprache (BCBL) in San Sebastián verdeutlicht diesen Zusammenhang anhand moderner bildgebender Verfahren. Vorgestellt wurde die wissenschaftliche Arbeit auf dem Forum 2026 der Federation of European Neuroscience Societies (FENS) in Barcelona.
KI-gestützte Messung des biologischen Gehirnalters
Für die Forschungsarbeit von Lucia Amoruso wurden 144 Einwohner des spanischen Baskenlandes analysiert, die zwischen einer und vier Sprachen beherrschen. Das Spektrum der erfassten Sprachen umfasste Spanisch, Baskisch, Französisch und Englisch. Zur Erfassung der neuronalen Aktivität nutzten die Forscher die Magnetoenzephalographie in Kombination mit einem spezialisierten Modell künstlicher Intelligenz.
Diese sogenannte „Brain Aging Clock“ ermittelt das biologische Gehirnalter anhand funktioneller Aktivitätsmuster. Zur Kalibrierung des zugrundeliegenden KI-Modells wurden zuvor Magnetoenzephalographie-Scans von 728 Erwachsenen herangezogen. Der Abgleich zwischen dem chronologischen und dem vom System ermittelten biologischen Alter lieferte bei mehrsprachigen Probanden auffällige Abweichungen.
Differenzierte Effekte nach Sprachanzahl und Erwerbsalter
Die Auswertung der Daten ergab, dass die Gehirne mehrsprachiger Personen biologisch signifikant jünger erschienen als ihr tatsächliches Lebensalter. Bei zweisprachigen Teilnehmern lag dieser biologische Vorsprung bei circa 6 Jahren. Probanden mit drei Sprachen wiesen ein Gehirnalter auf, das um rund 7 Jahre unter dem chronologischen Alter lag. Bei Personen, die vier Sprachen beherrschten, betrug die Verjüngung sogar bis zu 13 Jahre.
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Zusätzlich stellten die Wissenschaftler fest, dass eine höhere Sprachkompetenz sowie ein früherer Zweitspracherwerb ebenfalls mit einer verzögerten Gehirnalterung assoziiert waren.
Trotz dieser signifikanten Korrelationen betonte Amoruso die Grenzen der Aussagekraft: Die Ergebnisse belegen einen statistischen Zusammenhang, stellen jedoch keinen Nachweis für einen kausalen Effekt dar. Eine Schutzwirkung oder ein Beweis für Demenzprävention lässt sich aus diesen Beobachtungen nicht ableiten.
Groß angelegte Bevölkerungsdaten aus Nature Aging
Gestützt werden diese Erkenntnisse durch eine im Fachjournal Nature Aging erschienene Begleitstudie, die einen wesentlich größeren Datensatz auswertete. In dieser Untersuchung wurden 86.149 Erwachsene aus 27 europäischen Ländern analysiert, um die Auswirkungen von Sprachkenntnissen auf Alterungsprozesse zu beziffern.
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Die Ergebnisse zeigen deutliche statistische Risikounterschiede: Mehrsprachigkeit senkte demnach die Odds für eine beschleunigte Alterung auf einen Wert von 0,44 bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,42 bis 0,47. Umgekehrt erhöhte Einsprachigkeit die Odds für eine beschleunigte Alterung auf 2,25 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 2,11 bis 2,39. In longitudinalen Betrachtungen ergab sich für Mehrsprachigkeit ein relatives Risiko von 0,67 (95-Prozent-Konfidenzintervall: 0,65 bis 0,70), während Einsprachigkeit mit einem relativen Risiko von 1,49 (95-Prozent-Konfidenzintervall: 1,44 bis 1,54) einherging.
