Mental Load: Frauen leisten neun Stunden mehr Sorgearbeit
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 20:51 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Besonders die mentale Care-Arbeit â das Planen, Organisieren und Vorhersehen familiĂ€rer AblĂ€ufe â wird ĂŒberwiegend von Frauen geleistet. Das hat messbare Auswirkungen auf deren psychische Gesundheit und wirtschaftliche Absicherung.
Die unsichtbare Last: Studie belegt psychische Folgen
Eine Studie der HMU Health and Medical University Potsdam unter Leitung von Prof. Rebecca Wiczorek belegt: Frauen leisten in Deutschland signifikant mehr mentale Care-Arbeit als MĂ€nner. Der geschlechtsspezifische Unterschied ist hierzulande mehr als doppelt so groĂ wie in vergleichbaren US-amerikanischen Studien.
Als besonders belastend identifizierten die Forscher die emotionale Care-Arbeit. Sie korreliert stark mit erhöhtem Stress, DepressivitĂ€t und emotionaler Erschöpfung. Interessant: Bei MĂ€nnern zeigten sich bereits bei geringer bis moderater Belastung stĂ€rkere negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden. Dennoch tragen Frauen weiterhin die Hauptlast des âMental Loadâ â ein PhĂ€nomen, das seit 2016 verstĂ€rkt in der Forschung diskutiert wird.
Mehr KitaplÀtze, mehr VÀter in Elternzeit
Die VerfĂŒgbarkeit von KinderbetreuungsplĂ€tzen beeinflusst die Verteilung der Sorgearbeit direkt. Eine Analyse des Bundesinstituts fĂŒr Bevölkerungsforschung (BiB) zeigt einen klaren Trend: Auf zehn neu geschaffene KitaplĂ€tze fĂŒr unter DreijĂ€hrige kommen rechnerisch vier zusĂ€tzliche VĂ€ter, die Elternzeit nehmen.
Meist beschrĂ€nkt sich diese Zeit jedoch auf zwei Monate, hĂ€ufig im zweiten Lebensjahr des Kindes. Gleichzeitig fĂŒhren bessere Betreuungsmöglichkeiten dazu, dass MĂŒtter ihre Elternzeit verkĂŒrzen und frĂŒher in den Beruf zurĂŒckkehren. Trotz langsamer AnnĂ€herung der Arbeitszeiten und eines Wandels der Rollenbilder bleibt die unbezahlte Sorgearbeit ungleich verteilt.
Gender Care Gap: 44 Prozent Unterschied
Die HMU-Studie belegt: Emotionale Care-Arbeit fĂŒhrt zu mehr Stress, DepressivitĂ€t und Erschöpfung. Unser Report zeigt, wie Sie den Mental Load reduzieren und wieder mehr LebensqualitĂ€t gewinnen. Jetzt kostenlosen Report anfordern
Die ungleiche Verteilung schlÀgt sich direkt in ökonomischen Kennzahlen nieder. BundestagsprÀsidentin BÀrbel Bas wies im MÀrz 2026 auf einen Gender Care Gap von 44 Prozent hin. Frauen leisten pro Woche im Schnitt neun Stunden mehr unbezahlte Sorgearbeit als MÀnner.
Die Folge: Viele Frauen reduzieren ihre Erwerbsarbeit. 45 Prozent der in Teilzeit arbeitenden MĂŒtter wĂŒrden gerne ihren BeschĂ€ftigungsumfang erhöhen. Die wirtschaftlichen Konsequenzen ziehen sich bis in die Rente. Der Gender Pension Gap liegt bundesweit bei 36 Prozent â wĂ€hrend der Gender Pay Gap bei 16 Prozent (bereinigt 6 Prozent) liegt.
Pflegende Angehörige: Die unsichtbaren zweiten Patienten
Neben der Kindererziehung stellt die Pflege von Angehörigen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Eine im Juli 2026 in der Fachzeitschrift BMC Geriatrics veröffentlichte Studie bezeichnet pflegende Angehörige als âunsichtbare zweite Patientenâ. LĂ€ngere und intensivere Pflegephasen erhöhen das Risiko fĂŒr chronischen Stress massiv. Forscher fordern daher neben praktischer Entlastung auch verstĂ€rktes Resilienztraining.
Psychotherapie-Versorgung: 100 Millionen Euro gefordert
45 % der MĂŒtter in Teilzeit wĂŒrden gerne mehr arbeiten â doch die unbezahlte Sorgearbeit hĂ€lt sie zurĂŒck. Mit unserem Schritt-fĂŒr-Schritt-Plan gelingt die berufliche Wiedereingliederung. Mehr erfahren und Report sichern
Gleichzeitig steht die professionelle psychotherapeutische Versorgung vor strukturellen VerĂ€nderungen. Der Bundestag verabschiedete am 10. Juli 2026 das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (GKV-BStabG). BerufsverbĂ€nde kritisieren die neuen VergĂŒtungsregeln und warnen vor einer Verknappung des Angebots bei steigendem Bedarf.
Die SPD-Bundestagsfraktion brachte Mitte Juli 2026 einen EntschlieĂungsantrag ein. Er sieht zusĂ€tzliche Mittel in Höhe von 100 Millionen Euro fĂŒr die psychotherapeutische Versorgung vor. Der Fokus soll auf Kindern, Jugendlichen und schwer psychisch Erkrankten liegen, betonte der gesundheitspolitische Sprecher Christos Pantazis.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und MĂ€rkten ohne GewĂ€hr; Ănderungen jederzeit möglich. BörsengeschĂ€fte können zu hohen Verlusten fĂŒhren. Unsere BeitrĂ€ge werden ganz oder teilweise automatisiert mit UnterstĂŒtzung von AI erstellt und geprĂŒft.
