Mental, Load

Mental Load: Vier von fünf Familien unter ständiger Last

09.06.2026 - 20:10:59 | boerse-global.de

Psychisch bedingte Fehlzeiten legten seit 2014 um 47 Prozent zu. Führungskräfte und Familien leiden unter Dauerstress und Mental Load.

Psychische Belastung am Arbeitsplatz: Fehltage steigen rasant an
Mental - Ein fokussierter Geschäftsleiter meditiert in einem modernen Büro, überlagert von einer stilisierten Gehirngrafik, die mentale Fitness darstellt. 09.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Fehlzeiten steigen rasant, Fachkräfte fehlen – und Führungskräfte suchen nach neuen Wegen.

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Führungskräfte im Dauerstress

Rund 20 Prozent der deutschen Führungskräfte fühlen sich häufig oder dauerhaft ausgebrannt. Das zeigt der aktuelle Gallup-Index. Die Rezepte dagegen sind so individuell wie die Betroffenen selbst.

Leonhard Birnbaum, CEO von Eon, setzt auf Konzentration: eine Aufgabe nach der anderen. Sein Ausgleich: Klettern. Bettina Orlopp, Chefin der Commerzbank, vertraut auf ihre langjährige Berufserfahrung. Christina Puello von Deutsche Dienstrad nutzt eine KI-Assistentin zur Entlastung. Iris Grewe von Bearingpoint akzeptiert Krisenzustände schlicht als neue Normalität. Und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst? Er zieht nach Feierabend bewusst die Kleidung zu wechseln – als Ritual zum Abschalten.

Hirnforscher Volker Busch von der Uniklinik Regensburg warnt jedoch vor einer rein defensiven Haltung. Seit 15 Jahren leitet er die Stressambulanz. Sein Vorwurf: In den letzten drei Jahrzehnten sei ein falsches Bild von Stress vermittelt worden. Die Folge? Vermeidung jeder Belastung. Dabei plädiert Busch für eine Art „Stressimpfung“ – nur so bleibe die langfristige Widerstandsfähigkeit erhalten.

Wirtschaftliche Folgen: 47 Prozent mehr Fehltage

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Der AOK-Fehlzeiten-Report dokumentiert für 2014 bis 2024 einen Anstieg psychisch bedingter Fehltage um 47 Prozent. Die BKK-Erhebung von 2026 zeigt: Das Krankheitsniveau bleibt stabil über dem Vor-Corona-Niveau.

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Laut Eurobarometer von 2023 steht die Hälfte aller Arbeitnehmer unter hohem Zeitdruck. Über ein Drittel klagt über Müdigkeit und Kopfschmerzen. Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm – besonders vor dem Hintergrund eines prognostizierten Fachkräftemangels von 770.000 Personen bis 2028.

Die EU reagiert. Das EU4Health-Programm ist mit 1,23 Milliarden Euro ausgestattet. Für 2026 bis 2028 ist eine großangelegte Kampagne für gesunde Arbeitsplätze geplant. Bereits 2026 startete ein Programm der EU-Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz (EU-OSHA) zu psychosozialen Risiken. In Deutschland bietet die Rentenversicherung Programme wie „RV Fit“ zur Erhaltung der Erwerbsfähigkeit an.

Mental Load: Vier von fünf Familien betroffen

Doch der Druck entsteht nicht nur im Büro. Eine Studie der R+V Versicherung zeigt: Vier von fünf Familien leiden unter dem sogenannten Mental Load – der ständigen kognitiven Belastung durch Organisationsaufgaben. Besonders Frauen sind betroffen: 89 Prozent fühlen sich permanent für alle organisatorischen Details verantwortlich.

Das sorgt für politischen Zündstoff. Familienministerin Karin Prien erkennt die Problematik zwar an. Doch geplante Kürzungen beim Elterngeld stehen in der Kritik. SPD und Grüne fordern stattdessen strukturelle Änderungen: mehr Einbindung von Vätern, eine Familienstartzeit – und damit eine bessere Lastenverteilung.

Neue Forschung: Keto-Diät gegen psychische Erkrankungen?

Die Wissenschaft liefert neue Ansätze. Eine US-Studie von 2025 deutet darauf hin, dass Selbstmitgefühl die negativen Auswirkungen von Stress neutralisieren kann. Noch konkreter wird eine Pilotstudie der Stanford University: Bei Schizophrenie-Patienten verbesserten sich die Symptome unter einer Keto-Diät um 32 Prozent. Bei bipolarer Störung zeigten 69 Prozent der Probanden Verbesserungen.

Dass mentale Stärke auch im Spitzensport den Unterschied macht, zeigte Alexander Zverev bei den French Open 2026. Nach seinem Finalsieg gegen Flavio Cobolli erklärte der Tennisprofi: „Mental ist ein Knoten geplatzt.“ Boris Becker wertete den Erfolg als Zeichen, dass Zverev seine inneren Blockaden überwunden habe.

Die Botschaft ist klar: Psychische Gesundheit ist kein Luxus – sie ist der entscheidende Faktor für Leistungsfähigkeit, ob im Büro, in der Familie oder auf dem Tennisplatz.

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