Mercedes-Benz, Präsenztage

Mercedes-Benz: Vier Präsenztage pro Woche geplant – Betriebsrat widerspricht

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Verhandlungsgruppe einigte sich auf die Präsenzregel; die Zustimmung der Betriebsräte steht noch aus.

Mercedes-Benz plant vier Bürotage pro Woche – Betriebsräte müssen noch zustimmen
Leere, modern gestaltete Büroarbeitsplätze in einem hellen, weitläufigen Großraumbüro bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Beim Automobilhersteller Mercedes-Benz zeichnet sich eine deutliche Verschärfung der Regelungen für mobiles Arbeiten ab. Ein interner Entwurf für eine neue Konzernbetriebsvereinbarung sieht vor, dass Beschäftigte künftig an bis zu vier Tagen pro Woche im Büro arbeiten sollen.

Ziel des Managements ist es, vier Präsenztage als betrieblichen Standard zu etablieren. Vorgesetzte sollen demnach die Möglichkeit erhalten, Vollzeitbeschäftigte auch ohne gesonderte Begründung zu bis zu vier Präsenztagen pro Woche zu verpflichten.

Verschärfung gegenüber bisherigen Absprachen

Die geplanten Vorgaben markieren einen spürbaren Kurswechsel für den Stuttgarter Konzern. Bislang galt im Unternehmen kein fixes Limit für Tage im Homeoffice; die genauen Rahmenbedingungen wurden flexibel innerhalb der jeweiligen Teams mit der direkten Führungskraft vereinbart.

Der neue Vorstoß baut auf früheren Schritten der Unternehmensführung auf: Bereits im Frühjahr 2025 wandte sich der Vorstand per E-Mail an leitende Führungskräfte, um eine höhere Anwesenheit vor Ort einzufordern. Im Sommer 2026 verlangte Vorstandschef Ola Källenius schließlich fünf Präsenztage von Führungskräften der ersten Ebene.

Ursprünglich hatte Källenius das mobile Arbeiten sogar vollständig abschaffen wollen. Mit der nun diskutierten Betriebsvereinbarung sollen die verschärften Präsenzvorgaben nicht mehr nur für das höhere Management gelten, sondern auch auf Tarifbeschäftigte der Ebenen 4 und 5 sowie auf indirekte Unternehmensbereiche ausgeweitet werden.

Anzeige

Die Gestaltung von Regelungen zum mobilen Arbeiten erfordert eine rechtssichere Grundlage, um sowohl betriebliche Interessen als auch Mitarbeiterrechte zu wahren. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt, wie Sie Vereinbarungen rechtssicher aufsetzen und erfolgreich im Betrieb durchsetzen. Kostenlose Muster-Betriebsvereinbarung jetzt herunterladen

Verhandlungen und Vorbehalte der Arbeitnehmervertretung

Eine Verhandlungsgruppe aus Unternehmensleitung und Betriebsrat hat sich laut Berichten vom 29. September 2026 bereits auf die Neuregelung verständigt. Das Inkrafttreten der Vereinbarung ist für den 1. Januar 2027 anvisiert.

Bevor die Regelung wirksam werden kann, müssen allerdings noch die Betriebsräte der einzelnen Standorte sowie der Konzernbetriebsrat final zustimmen. Aus Unternehmenskreisen wird die Wahrscheinlichkeit einer breiten Annahme als hoch eingeschätzt.

Gleichzeitig formiert sich auf Arbeitnehmerseite Widerstand gegen die Ausgestaltung: Der Betriebsrat lehnt eine pauschale Vier-Tage-Präsenz als festen Standard ab und pocht weiterhin auf eine individuelle Umsetzung und Abstimmung innerhalb der Teams.

Die Diskussion um die Rückkehr an den Schreibtisch fällt zudem in eine phase allgemeiner Auseinandersetzungen über Kosten und Arbeitsbedingungen. Källenius strebt an, die tarifliche Wochenarbeitszeit von 35 Stunden bei gleichbleibender Bezahlung anzuheben.

Zudem kursieren Berichte über mögliche Kürzungen beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld, zu denen der Konzern bisher keine Stellungnahme abgegeben hat. Bei Betriebsversammlungen stellte das Management Medienberichten zufolge zudem die Schließung von zwei Werken in Deutschland in den Raum.

Anzeige

In Verhandlungen um Arbeitszeiten und Präsenzpflichten ist die Kenntnis der gesetzlichen Mitbestimmungsrechte für eine starke Position der Arbeitnehmervertreter unerlässlich. Erfahren Sie in diesem Gratis-Report, wie das Herzstück der Mitbestimmung Ihre Verhandlungsposition im Betrieb nachhaltig stärkt. Gratis E-Book zu Mitbestimmungsrechten sichern

Diskrepanz zwischen Vorgaben und Mitarbeiterwünschen

Die Pläne von Mercedes-Benz bewegen sich in einem breiteren Spannungsfeld der bundesweiten Arbeitswelt. Untersuchungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung verdeutlichen die Differenz zwischen Unternehmensvorgaben und den Vorstellungen der Arbeitnehmer.

Demnach arbeiten Beschäftigte in Deutschland durchschnittlich etwas weniger als zwei Tage pro Woche im Homeoffice, während der Wunsch im Schnitt bei 2,5 Tagen liegt.

Nach Angaben des WSI liegt der Anteil der Erwerbstätigen, die nach der Pandemie mobil arbeiten, stabil bei etwa einem Drittel. Hybrid-Modelle verzeichneten dabei einen Zuwachs von etwa 23 auf 27 Prozent. Vorstöße zur strikten Begrenzung des Homeoffice dürften daher auch über die Automobilindustrie hinaus aufmerksam verfolgt werden.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70201156 |