Künstliche Intelligenz, Friedrich Merz

Merz fordert beim Digitalgipfel KI nach menschlichen Werten

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 15:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bundeskanzler Friedrich Merz will industrielle KI-Anwendungen fördern und zugleich Forschung an künftigen Systemen vorantreiben. Deutschland und Europa sollen technologisch souveräner werden, ohne auf internationale Zusammenarbeit zu verzichten.

Deutschlands KI-Kurs bis 2030

  • Bundeskanzler Friedrich Merz sprach beim Digitalgipfel der Bundesregierung über die Orientierung von KI an menschlichen Werten.
  • Das Gipfeltreffen stand unter dem Motto „Shaping AI: safe, sovereign, competitive“.
  • Die KI-Task Force legte ihren ersten Bericht als Grundlage für das Zielbild einer „KI-Nation 2030“ vor.
Bundeskanzler Merz fordert, dass die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz sich an menschlichen Bedürfnissen orientieren muss. - Bild: Kay Nietfeld/dpa

Merz fordert wertegebundene KI beim Digitalgipfel

Bundeskanzler Friedrich Merz hat beim Digitalgipfel der Bundesregierung gefordert, die Entwicklung Künstlicher Intelligenz konsequent an menschlichen Werten und der Würde des Menschen auszurichten. Zugleich warb er für mehr digitale Souveränität Deutschlands und Europas sowie für eine Doppelstrategie aus industrieller Anwendung und langfristiger Forschung.

Politik soll dem technologischen Tempo folgen

Merz räumte ein, dass die rasante technologische Entwicklung politische Institutionen vor große Herausforderungen stelle. Einen langsameren politischen Prozess wertete er jedoch nicht als Handlungsunfähigkeit, sondern als Ausdruck eines bewussten Vorgehens, bei dem menschliche Bedürfnisse und gesellschaftliche Grundkonstanten den Takt vorgäben.

„Der Takt unserer Institutionen ist auch deshalb der Takt des menschlichen Lebens“, sagte der Kanzler. Der Digitalgipfel steht unter dem Motto „Shaping AI: safe, sovereign, competitive“.

Förderung für Industrie und Zukunftsforschung

Kurzfristig soll die Entwicklung industriell nutzbarer KI-Modelle gefördert werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu sichern. Parallel will die Bundesregierung die Forschung an künftigen KI-Modellen vorantreiben, darunter im Bereich der physischen KI.

Ziel ist es, technologische Abhängigkeiten zu reduzieren, ohne eine vollständige Autarkie anzustreben. Merz verwies auf internationale Kooperationen, unter anderem mit Frankreich und Kanada, um Wissen zu teilen und Lieferketten zu diversifizieren.

KI-Nation 2030 als politisches Ziel

Großes wirtschaftliches Potenzial sieht Merz vor allem für den deutschen Maschinenbau und die Elektronikindustrie. Die KI-Task Force der Bundesregierung legte zudem ihren ersten Bericht vor, der als Grundlage für das Zielbild einer „KI-Nation 2030“ dienen soll.

Warnung vor zu viel Verantwortung für Systeme

In seiner Rede betonte Merz auch die gesellschaftliche Dimension der KI-Debatte. In Anlehnung an ein Zitat von Papst Leo XIV. warnte er davor, technischen Systemen unkritisch zu viel Verantwortung zu übertragen.

Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssten die Regeln für den digitalen Wandel selbst setzen und die technologischen Grundlagen der Freiheit sichern, sagte der Kanzler.

Der Digitalgipfel findet in einer Phase statt, in der Deutschland und die Europäische Union gleichzeitig zwei Ziele verfolgen: Sie wollen Künstliche Intelligenz sicherer und stärker an eigenen Werten ausrichten, zugleich aber im internationalen Wettbewerb aufholen. Im Mittelpunkt stehen deshalb nicht nur ethische Leitlinien, sondern auch Rechenkapazitäten, industrielle Anwendungen, Forschung und die Frage, wie Abhängigkeiten von außereuropäischen Technologieanbietern verringert werden können.

Die Bundesregierung verbindet diese Debatte mit dem Anspruch auf digitale Souveränität. Dazu gehören belastbare Lieferketten, eigene Kompetenzen und eine leistungsfähige Infrastruktur. Kooperationen mit europäischen und internationalen Partnern können dabei Wissen und Ressourcen bündeln, ersetzen aber nicht die Notwendigkeit, zentrale technologische Fähigkeiten selbst aufzubauen.

Zwischen Schutz und Innovation

Politisch besonders anspruchsvoll ist das Verhältnis von Regulierung und Innovation. Regeln sollen Risiken begrenzen und die Verantwortung nicht vollständig an technische Systeme delegieren, dürfen Unternehmen aber nicht so stark belasten, dass Entwicklung und Anwendung in Deutschland ausgebremst werden. Die angekündigte Förderung industriell nutzbarer Modelle zielt daher auf einen Bereich, in dem Deutschland traditionell über starke Unternehmen verfügt.

Für Bürgerinnen und Bürger wird entscheidend sein, wie diese Leitlinien in konkrete Aufsicht, Transparenz und Haftungsregeln übersetzt werden. Die Debatte um eine KI-Nation 2030 dürfte damit weniger an großen Zielmarken als an der Umsetzung gemessen werden: an sicheren Anwendungen, nachvollziehbaren Entscheidungen und einem verlässlichen Schutz der menschlichen Würde.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ZDFheute: „Digitalgipfel der Bundesregierung: "Einfachere" Regeln für KI?“ (02.11.2026)

Der Beitrag ordnet den Gipfel als Suche nach einem einfacheren KI-Regelwerk ein und stellt den Ausgleich zwischen Sicherheit und internationaler Wettbewerbsfähigkeit heraus. Zusätzlich beleuchtet er offene Fragen zur digitalen Abhängigkeit und zur staatlichen Aufsicht leistungsfähiger KI-Modelle.

Stern: „Sicherheit von KI im Mittelpunkt des diesjährigen Digitalgipfels“ (02.11.2026)

Der Bericht konzentriert sich auf Ablauf und Themen des zweitägigen Treffens in Berlin. Er nennt neben Sicherheit und neuen KI-Entwicklungen auch Rechenkapazitäten, Unternehmen, Beschäftigte und medizinische Anwendungen als weitere Schwerpunkte.

Beide Beiträge bestätigen den Schwerpunkt auf KI und digitaler Souveränität. Während ZDFheute stärker Regulierung, Abhängigkeiten und Aufsicht behandelt, richtet der Stern den Blick auf Programm und Themenbreite des Gipfels.

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