Meta schwenkt radikal um: KI soll unterhalten, nicht arbeiten
21.06.2026 - 11:17:44 | boerse-global.de
Meta investiert Milliarden in „persönliche Superintelligenz".
Vom Chatbot zum digitalen Begleiter
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Meta verfolgt einen völlig neuen Ansatz im KI-Wettbewerb. Statt mit Tools wie ChatGPT um die produktivste Arbeitshilfe zu konkurrieren, setzt der Konzern auf Unterhaltung und soziale Bindung. Das erklärte Chief Product Officer Chris Cox. Die Strategie zielt darauf ab, die Freizeit der Nutzer mit KI-gesteuerten Inhalten zu füllen.
Das neue Flaggschiff heißt Muse Spark – ein multimodales Modell, das Bilder, Texte und Sprache gleichzeitig verarbeitet. Erste interne Daten zeigen einen zweistelligen prozentualen Anstieg der KI-Nutzung pro User. Muse Spark verfügt über einen „Grübelmodus" und erreichte 58 Prozent im Benchmark „Humanity's Last Exam". Besonders bemerkenswert: Der Energieverbrauch liegt deutlich unter dem des Vorgängermodells Llama 4 Maverick.
Milliarden-Deals und FĂĽhrungswechsel
Meta investiert massiv in die neue Ausrichtung. Der Konzern zahlte 14,3 Milliarden Euro für 49 Prozent an Scale AI – das Unternehmen wird damit auf rund 29 Milliarden Euro bewertet. Der erst 28-jährige Scale-Gründer Alexandr Wang übernimmt die Leitung der neuen Superintelligence-Sparte. Meta erhält zwar keine Sitze im Aufsichtsrat von Scale AI, die Partnerschaft gilt aber als strategisches Fundament.
Weitere Zukäufe: Die KI-Agenten-Plattform Moltbook und eine 2-Milliarden-Euro-Beteiligung am chinesischen Startup Manus. Nicht alles lief nach Plan: Das KI-Modell „Avocado" verfehlte interne Leistungsziele, die Entwicklung von Llama 4 „Behemoth" wurde eingestellt.
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Explodierende Kosten – und Stellenstreichungen
Die neue Strategie verschlingt Unsummen. Meta hob die Investitionsprognose für 2026 auf 125 bis 145 Milliarden Euro an – fast doppelt so viel wie die 72,2 Milliarden aus 2025. Bis 2028 sind sogar bis zu 600 Milliarden Euro für KI-Infrastruktur eingeplant.
Um das zu finanzieren, greift Meta zum Rotstift. Mitte Mai entließ der Konzern rund 8.000 Mitarbeiter – zehn Prozent der Belegschaft. Weitere 6.000 offene Stellen wurden gestrichen. Insider berichten von möglichen zusätzlichen Kürzungen um bis zu 20 Prozent – das wären rund 16.000 weitere Jobs.
Eigene Chips und starke Zahlen
FĂĽr die Rechenleistung entwickelt Meta vier eigene KI-Prozessoren bis 2027. Der MTIA 300 ist bereits in Produktion fĂĽr Empfehlungssysteme. Die Modelle MTIA 450 und 500 sind fĂĽr KI-Berechnungen vorgesehen. Parallel laufen Milliarden-Deals mit Nvidia, AMD, Broadcom und TSMC.
Die Geschäftszahlen stimmen: Im ersten Quartal 2026 setzte Meta 56,3 Milliarden Euro um – ein Plus von 33 Prozent zum Vorjahr. Der Gewinn pro Aktie lag bei 10,44 Euro. Die Börse reagierte dennoch verhalten: Nach Bekanntgabe der höheren Investitionen fiel die Aktie auf 564,15 Euro (Stand 20. Juni). Analysten sehen das Kursziel bei 827,32 Euro. Die Virtual-Reality-Sparte Reality Labs schreibt weiter Verluste, doch das Werbegeschäft boomt.
