Metabolischer, Score

Metabolischer Score: Ein Punkt könnte den Krankheitsbeginn um 14 Jahre verzögern

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 10:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein personalisiertes Blutmodell verknüpft Stoffwechselwerte mit gesundem Altern; für den klinischen Einsatz fehlen noch Validierungen.
Moderne medizinische Laborausrüstung auf einem sauberen Edelstahlarbeitstisch in einer sterilen Forschungsumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die frühzeitige Erkennung von Risiken für kardiometabolische Erkrankungen gewinnt in der biomedizinischen Forschung zunehmend an Bedeutung. Ein Forscherteam um Joris Deelen vom Medical Center der Universität Leiden (LUMC) und dem Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns stellte auf der FAPESP Week Netherlands einen personalisierten metabolischen Score vor.

Das Messmodell basiert auf zehn Blutmarkern und zielt darauf ab, gesundes Altern sowie das individuelle Risiko für chronische Erkrankungen vorherzusagen.

Zehn Blutmarker und der Einfluss des Lebensstils

Die Basis für die Entwicklung dieses Instruments bildeten Blutproben von 44.000 Freiwilligen aus zwölf europäischen Studien. Dabei wurden über 200 Substanzen im Blut gemessen; im Verlauf des Follow-up-Zeitraums traten 5.500 Todesfälle auf.

Nach Angaben des Forschungsteams signalisiert ein höherer Score-Wert einen besseren Gesundheitszustand. Laut Deelen entspricht der Anstieg um einen Punkt einer durchschnittlichen Verzögerung des Auftretens der ersten kardiometabolischen Erkrankung um 14 Jahre.

Die Auswertungen zeigten zudem, dass der Score zu rund 40 % genetisch festgelegt ist, während etwa 60 % auf Lebensstil- und Umweltfaktoren zurückgehen. Als stärkster negativer Einflussfaktor erwies sich das Rauchen.

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Gezielte Interventionen verbesserten die Werte insbesondere bei Personen, die zu Beginn einen unterdurchschnittlichen Score aufwiesen, vor allem mit Blick auf Insulin und Triglyceride. Ergänzend dazu präsentierten Wissenschaftler UFSCar-Forschungsergebnisse zu Wechselwirkungen zwischen Muskeln und Gehirn sowie zu Vitamin-D-Mangel bei viszeraler Adipositas.

Breite Forschung zu metabolischen Indizes

Der vorgestellte Ansatz reiht sich in eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Arbeiten ein, die das Potenzial blutbasierter Stoffwechselindizes zur Risikostratifizierung untersuchen. Ein Autorenteam veröffentlichte in der Fachzeitschrift Cardiovascular Diabetology eine narrative Übersichtsarbeit zu Stoffwechsel- und Entzündungsmarkern beim kardiovaskulär-kidney-metabolischen Syndrom (CKM).

Die Auswertung stützte sich auf Datenquellen wie NHANES, UK Biobank, CHARLS und MIMIC-IV mit einem Erfassungszeitraum bis zum 8. September 2026. Dabei wurden sieben Index-Familien wie TyG und dessen Derivate, eGDR, CTI, SII/SIRI, OBS, AIP und SHR analysiert.

Über die CKM-Stadien 0 bis 3 hinweg waren höhere Werte der meisten Indizes mit einem gesteigerten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und Gesamtmortalität verbunden, während höhere Werte bei eGDR und OBS mit einem niedrigeren Risiko einhergingen.

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Weitere Kohortenanalysen untermauern diese Zusammenhänge. In einer CHARLS-Studie mit 7.646 Teilnehmenden, von denen 633 eine kardiometabolische Multimorbidität entwickelten, wies der viszerale Adipositas-Index CVAI die stärkste Assoziation auf (Hazard Ratio 5,15; 95 % CI 3,52–7,54 für das höchste im Vergleich zum niedrigsten Quartil).

Die Kombination aus Triglycerid-Glucose-Index und Taillenumfang (TyG-WC) erzielte dabei die beste Verbesserung der Diskrimination mit einem IDI von 0,026 und einem NRI von 0,255. Zudem zeigte eine prospektive Untersuchung an 2.072 Erwachsenen in Guangxi, dass die Kombination TyG-CVAI mit einer Hazard Ratio von 1,290 pro Standardabweichung für fortgeschrittene CKM-Ereignisse verbunden war.

Noch Hürden vor der klinischen Anwendung

Trotz der statistischen Aussagekraft betonen Fachleute die methodischen Grenzen der aktuellen Verfahren. In der im Fachblatt Cardiovascular Diabetology erschienenen Übersichtsarbeit verwiesen die Autoren darauf, dass direkte Vergleichsstudien und validierte Schwellenwerte bislang fehlen.

Auch der inkrementelle diagnostische Zusatznutzen falle uneinheitlich aus, und randomisierte Studien zu einer an den Indizes ausgerichteten Behandlung lägen noch nicht vor.

Die Modelle stellen daher vorerst hypothesengenerierende Forschungswerkzeuge dar, die noch nicht den Status klinischer Leitlinien erreichen. Forscher fordern vor einem routinemäßigen Einsatz in der Praxis umfassende externe Validierungen in unabhängigen Populationen.

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