Metastasiertes Melanom: FMT und Immuntherapie helfen 40 Prozent der Patienten
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 02:54 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Zusammensetzung des menschlichen Mikrobioms rückt zunehmend in den Fokus der Onkologie. Wie eine im Fachjournal Cell veröffentlichte Untersuchung an einer Kohorte von 1.364 Krebspatienten darlegt, unterscheiden sich die Darmmikrobiome von Erkrankten deutlich von denen gesunder Kontrollpersonen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass mikrobielle Signaturen spezifische Hinweise auf Tumorcharakteristika und Behandlungsverläufe liefern können.
Spezifische Signaturen bei früh auftretenden Tumoren
In der Analyse zeigte sich eine Differenzierung bei Tumoren, die in jüngerem Lebensalter diagnostiziert wurden. Bei Patienten mit früh auftretendem Darmkrebs, definiert durch eine Diagnose vor dem 50. Lebensjahr, stellten die Wissenschaftler vermehrt das Bakterium Veillonella parvula sowie erhöhte Laktatwerte im Stuhl fest.
Ein gegenläufiges Bild ergab sich bei früh auftretendem Brustkrebs: Hier wiesen die Betroffenen geringere Vorkommen von Clostridium scindens sowie niedrigere Konzentrationen bestimmter Gallensäuren auf. Diese mikrobiellen Auffälligkeiten deuten auf veränderte Stoffwechselprozesse hin, die mit der Entstehung von Tumoren in früheren Lebensphasen einhergehen können.
Krebsspezifische Zusammenhänge mit dem Überleben
Betrachteten die Forscher die gesamte Kohorte über alle Krebsarten hinweg, ließ sich kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen dem Darmmikrobiom und dem allgemeinen Gesamtüberleben feststellen. Bei einer differenzierten Betrachtung einzelner Tumorarten zeigten sich jedoch deutliche Assoziationen.
Dies betraf fünf spezifische Krebserkrankungen: Leberkrebs beziehungsweise Tumoren der intrahepatischen Gallenwege, das Melanom, Prostatakrebs, Kolorektalkarzinome sowie Ovarialkarzinome. Bei Leberkrebs identifizierten die Studienautoren konkret 15 protektive sowie neun schädliche Bakterienspezies und machten zudem zwei schädliche Stoffwechselpfade aus.
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Einfluss auf Nebenwirkungen und Verträglichkeit
Über die Prognose hinaus liefert das Darmmikrobiom Anhaltspunkte für die Toxizität bestimmter Chemotherapien. Niedrigere Ausgangswerte von Bakterien und mikrobiellen Enzymen, die den Wirkstoff 5-Fluorouracil (5-FU) inaktivieren können, waren laut der Cell-Studie mit einem erhöhten Risiko für therapiebedingten Durchfall verbunden.
Bei einer Behandlung mit Carboplatin erlaubte die mikrobielle Zusammensetzung hingegen keine Vorhersage über das Auftreten entsprechender gastrointestinaler Nebenwirkungen.
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Die Bedeutung mikrobieller Enzyme für die Wirkstoffverträglichkeit wird auch durch andere Arbeiten gestützt. Ein im Fachblatt Frontiers in Oncology veröffentlichtes Editorial hebt hervor, dass bakterielle ?-Glucuronidasen das Zytostatikum Irinotecan in toxische Metaboliten umwandeln können, was schwere Durchfälle begünstigt. Gleichzeitig können ?-Proteobakterien das Chemotherapeutikum Gemcitabin inaktivieren.
Barrierefunktion und Immunantwort
Die mikrobielle Dysbiose greift über mehrere Mechanismen in das Krankheitsgeschehen ein. Dem Editorial in Frontiers in Oncology zufolge können gestörte Schleimhaut- und Immunbarrieren chronische Entzündungsreaktionen mit Zytokinen wie TNF-?, IL-6 und IL-17 auslösen. Bestimmte Erreger wie kolibactinbildende, pks-positive Escherichia coli oder enterotoxigene Bacteroides fragilis vermögen zudem direkte DNA-Schäden zu verursachen.
Gleichzeitig bietet das Mikrobiom Ansätze zur Verbesserung von Krebstherapien. Eine von Forschern der University of Pittsburgh, des National Institutes of Health (NIH) und des MD Anderson Cancer Center im Fachjournal Science publizierte Phase-I-Studie untersuchte den Einsatz von fäkalen Mikrobiota-Transplantationen (FMT) bei Patienten mit metastasiertem Melanom.
Bei Personen, die zuvor nicht auf eine Anti-PD-1-Immuntherapie angesprochen hatten, führte die Kombination aus FMT von spendenden Langzeit-Komplettremissions-Patienten und fortgesetzter Immuntherapie bei 40 Prozent zu einer Tumorschrumpfung oder Krankheitsstabilisierung. Die gezielte Analyse und Modulation mikrobieller Gemeinschaften bleibt damit ein zentrales Forschungsfeld der modernen Onkologie.
