MethÀmoglobinÀmie: Rote Bete und Herzmedikament senken Sauerstoff auf 88 %
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 13:05 Uhr | Redaktion boerse-global.deRadikale ErnÀhrungsumstellungen und einseitige DiÀten können den menschlichen Organismus vor unerwartete medizinische Herausforderungen stellen. Wenn scheinbar gesunde Nahrungsmittel in extremen Mengen verzehrt oder lebenswichtige NÀhrstoffe vollstÀndig vernachlÀssigt werden, drohen schwere Vergiftungs- und Mangelerscheinungen. Dies verdeutlicht unter anderem der im Fachblatt Journal of Emergency Medicine beschriebene Fall eines 82-jÀhrigen US-Amerikaners, der nach dem massiven verzehr von Roter Bete eine akute MethÀmoglobinÀmie entwickelte.
Vergiftungssymptome durch exzessiven GemĂŒsekonsum
Der 82-jĂ€hrige Mann hatte wochenlang wöchentlich knapp 3 kg gekochte Rote Bete samt dem dazugehörigen Kochwasser zu sich genommen, um sein Körpergewicht zu reduzieren. Nach einer Mahlzeit traten bei ihm schwere SchwindelanfĂ€lle auf. Bei der anschlieĂenden Einlieferung in die Notaufnahme der University of California wies der Patient eine schiefergraue Hautfarbe, einen niedrigen Blutdruck sowie eine SauerstoffsĂ€ttigung von nur 88 % auf.
Die behandelnden Mediziner stellten eine MethÀmoglobinÀmie fest. Der MethÀmoglobinwert des Seniors lag bei knapp 21 %, wobei Werte ab 15 % als klinisch gefÀhrlich gelten. Durch das verÀnderte HÀmoglobin wurde der Sauerstofftransport im Blut blockiert.
Zu den bekannten Vorerkrankungen des Patienten zÀhlten eine schwere koronare Herzkrankheit, vorangegangene BypÀsse sowie ein Koronarstent, der zwei Monate zuvor eingesetzt worden war. Zudem nahm er tÀglich das Medikament Isosorbidmononitrat ein.
Die extrem hohe Nitratmenge aus der Roten Bete wirkte mit dem eingenommenen Isosorbidmononitrat zusammen, wodurch das enzymatische Schutzsystem ĂŒberlastet wurde. Nach der Verabreichung des Gegenmittels Methylenblau stieg die SauerstoffsĂ€ttigung auf 99 %.
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Der Mann konnte die Klinik nach wenigen Tagen verlassen, verbunden mit der Empfehlung, den Konsum von Roter Bete drastisch einzuschrÀnken. Laut Fachjournal handelt es sich um den ersten bekannten Fall dieser Art bei Erwachsenen.
Schwere OrganschÀden durch isolierte NÀhrstoffdefizite
Dass auch eine VernachlÀssigung von MikronÀhrstoffen nach operativen Eingriffen drastische Konsequenzen nach sich ziehen kann, zeigt ein weiterer medizinischer Fallbericht. Bei einer 40-jÀhrigen Frau traten drei Jahre nach einem Roux-en-Y-Magenbypass schwere Symptome auf, nachdem sie auf die empfohlene postoperative NÀhrstoffsupplementierung verzichtet hatte.
Die Patientin litt unter Dyspnoe, Ădemen, einer Hypotonie von 60/40 mmHg sowie einer Bradykardie mit 48 SchlĂ€gen pro Minute. Ihr BNP-Wert lag bei 3500 pg/mL, wĂ€hrend der Serum-Selenwert mit 25 ”g/L den Referenzbereich von rund 70 bis 150 ”g/L massiv unterschritt.
Die echokardiografische Untersuchung offenbarte eine schwere isolierte Dilatation des rechten Ventrikels und Vorhofs mit einem basalen RV-Durchmesser von 51 mm, einem TAPSE-Wert von 14 mm, einer FAC von 20 % und einer linksventrikulÀren Ejektionsfraktion (LVEF) von 55 %.
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Nach einer 14-tĂ€gigen intravenösen Selengabe von 150 ”g tĂ€glich und anschlieĂender vierwöchiger oraler Dosis von 100 ”g pro Tag normalisierten sich die Werte rasch: Am siebten Tag betrug der basale RV-Wert 35 mm, die TAPSE 20 mm, die FAC 40 % und die LVEF 60 %. Am 20. Tag erreichte der Selenspiegel 88 ”g/L.
Risiken strikter DiÀten und historischer Fastenrekorde
Einseitige Konzepte können im Extremfall tödlich enden. Einem Bericht zufolge verstarb eine Performerin an schwerer MangelernĂ€hrung, nachdem sie eine ausschlieĂlich auf Obst basierende ErnĂ€hrungsform praktiziert hatte; ihr Körpergewicht wurde zuletzt mit rund 22 Kilogramm angegeben. Freunde und Bekannte hatten die drastische Gewichtsabnahme bemerkt, konnten sie jedoch nicht von einer Ănderung abbringen.
Wie schmal der Grat bei extremer Nahrungsrestriktion ist, verdeutlicht auch der Fall von Angus Barbrie: Im Jahr 1965 fastete der damals 27-jÀhrige Schotte 382 Tage lang unter strenger Aufsicht der UniversitÀt Dundee gÀnzlich ohne feste Nahrung.
Sein Gewicht sank von 206 kg um 125 kg auf 81 kg. Um Mangelerscheinungen abzuwehren, erhielt er kontinuierlich Kalium-, Natrium- und Hefe-PrÀparate; Darmentleerungen erfolgten lediglich alle 37 bis 48 Tage.
Der 1971 als Guinness-Rekord anerkannte und 1973 im Journal of Postgraduate Medical Studies dokumentierte Fall belegt, dass extrem langes Fasten nur mit lĂŒckenloser MikronĂ€hrstoffversorgung und engmaschiger medizinischer Kontrolle ĂŒberlebt werden kann.
