Microsoft 365: NiederlĂ€ndische Behörden verlagern E-Mail-Daten zurĂŒck
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 10:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die niederlĂ€ndische Steuerbehörde verlagert E-Mail- und Kalenderdaten aus der Cloud-Umgebung von Microsoft 365 zurĂŒck auf eigene Regierungsserver. Der niederlĂ€ndische StaatssekretĂ€r Eelco Eerenberg bestĂ€tigte diese Entscheidung, wie Medien am 7. Oktober 2026 berichteten. Neben dem Belastingdienst sind von diesem Schritt auch der niederlĂ€ndische Zoll sowie die staatliche Leistungsbehörde betroffen.
Lokale Infrastruktur statt Cloud-Speicherung
Die Umstellung bedeutet keinen vollstĂ€ndigen Bruch mit dem US-Softwarekonzern. Die Programme fĂŒr E-Mail und Kalenderverwaltung, darunter Outlook, sollen weiterhin im Einsatz bleiben. Die Verarbeitung und Speicherung der Daten wird jedoch auf regierungskontrollierte Systeme verlagert. Ermöglicht wird dieses Vorgehen durch eine gestiegene KapazitĂ€t in den internen Rechenzentren der niederlĂ€ndischen Verwaltung.
Zuvor war die weitergehende Migration zu Microsoft 365 bereits nach einer kritischen Begutachtung durch den Beirat fĂŒr ICT-PrĂŒfung ausgesetzt worden. Das Kontrollgremium hatte erhebliche Bedenken hinsichtlich der Informationssicherheit und der Datenverarbeitung geĂ€uĂert.
Unter anderem standen die Lagerung sensibler Behördendaten auf US-Servern, die Vertraulichkeit des E-Mail-Verkehrs, unzureichende Vorkehrungen fĂŒr Backups sowie Risiken durch Metadaten-Aggregation und VerschlĂŒsselung in der Kritik. Zudem warnte das Gremium vor einer langfristigen AbhĂ€ngigkeit von Microsoft.
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Suche nach europÀischen Alternativen
Mit der RĂŒckverlagerung verfolgt die niederlĂ€ndische Regierung das Ziel, die AbhĂ€ngigkeit von Microsoft 365 schrittweise abzubauen und DatensouverĂ€nitĂ€t, strategische UnabhĂ€ngigkeit sowie Kostenkontrolle zu stĂ€rken. Auch die KonformitĂ€t mit den europĂ€ischen Datenschutzvorgaben spielte bei dem Entschluss eine zentrale Rolle.
Konkrete Ersatzwerkzeuge nannte die Behörde zunĂ€chst nicht, geplant ist jedoch die Verlagerung weiterer ProduktivitĂ€ts- und Kollaborationsanwendungen auf lokale oder quelloffene Lösungen. In den Jahren 2027 und 2028 will die Regierung zudem europĂ€ische und Open-Source-Alternativen fĂŒr Speicher- und Zusammenarbeitsdienste prĂŒfen.
Der Schritt reiht sich in Bestrebungen weiterer europĂ€ischer Stellen ein, die Kontrolle ĂŒber Behördendaten zu stĂ€rken. In Frankreich vergab die Einkaufszentrale Canut einen Rahmenvertrag ĂŒber vier Jahre fĂŒr die Plattform Twake Workplace von Linagora und Docaposte an rund 4000 öffentliche Einrichtungen.
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Auch die EU-Kommission testet seit Sommer 2026 die Kommunikationslösung Element Pro als selbstgehostetes Backup fĂŒr Microsoft Teams, wobei Teams weiterhin das Hauptwerkzeug bleibt.
In internen Foren Ă€uĂerten EU-Beamte laut Berichten allerdings teils deutliche Kritik an der LeistungsfĂ€higkeit der Software. Canut-Direktor Christophe Lombard bezifferte den Zeitraum fĂŒr eine Umstellung öffentlicher Stellen auf souverĂ€ne Lösungen auf zwei bis fĂŒnf Jahre.
