Microsoft Copilot: Nadella baut den KI-Assistenten zur Arbeitsplattform um
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 04:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Softwarekonzern Microsoft richtet seinen KI-Assistenten Copilot grundlegend neu aus. Wie Microsofts Vorstandsvorsitzender Satya Nadella bei einer Kundenveranstaltung darlegte, soll Copilot künftig als übergreifendes Betriebssystem für die tägliche Arbeit fungieren.
Das Unternehmen führt dazu Programmier- und Agentenfunktionen sowie klassische Office-Anwendungen direkt in der Plattform zusammen. Anwender sollen Dokumente in Word und Präsentationen in PowerPoint künftig unmittelbar innerhalb der Copilot-Umgebung anlegen und bearbeiten können.
Plattformumbau mit persistenten Agenten
Nach Informationen des Branchendienstes The Verge vom 1. Oktober 2026 verlagert Microsoft zudem seinen bisherigen Scout-Agenten in die Cloud und führt ihn unter dem Namen Autopilot weiter. Der frühere Copilot-Preis von 30 US-Dollar pro Nutzer und Monat war vor zwei Jahren laut dem Bericht auf verhaltene Nachfrage gestoßen.
Ergänzende Berichte beschreiben einen tiefgreifenden Umbau von Copilot zu einer Unternehmensplattform, die in die drei Funktionsbereiche Home, Code und Autopilot unterteilt sei.
Diese Autopilot-Agenten sollen dauerhaft im Hintergrund aktiv bleiben, während das System künftig auch KI-Modelle von Anthropic sowie von Open-Source-Anbietern einbinden soll. Das geplante Preismodell sehe eine Pauschallizenz für Basisfunktionen sowie eine nutzungsabhängige Abrechnung für gemeinsame Arbeitsbereiche, Codegenerierung und persistente Agenten vor. Ausgewählte Unternehmenskunden sollen zunächst einen frühen Zugang erhalten, bevor eine weltweite Ausweitung bis Ende 2026 angestrebt wird.
Neue Schnittstellen und visuelle Berichte
Die Neuausrichtung schlägt sich auch in Software-Integrationen von Drittanbietern und der Weiterentwicklung einzelner Office-Komponenten nieder. So stellte der Softwarehersteller Smartsheet einen Connector auf Basis des Model Context Protocol für Microsoft Copilot vor.
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Die Schnittstelle ermöglicht einen Echtzeit-Zugriff auf Smartsheet-Daten innerhalb von Microsoft 365, umfasst Lese- und Schreibrechte für Datenzeilen sowie Automatisierungen und nutzt Rechteprofile über Microsoft Entra ID. Laut Unternehmensangaben verkürzte sich die Erstellung einer Statusübersicht dadurch von zuvor 20 Minuten auf 3 Minuten.
Parallel dazu plant Microsoft, im Laufe des Oktobers 2026 die Funktion Excel Canvas auszurollen. Das Werkzeug soll auf Basis vorhandener Arbeitsmappendaten visuelle Berichte mit Kennzahlen und Grafiken generieren, die sich bei Änderungen der Ausgangsdaten dynamisch anpassen und über Eingaben in natürlicher Sprache modifizieren lassen.
Voraussetzung dafür ist ein bestehender Copilot-Zugang in Excel. Zuvor hatte der Konzern im August 2026 die Tabellenfunktion COPILOT() rund ein Jahr nach deren Einführung wieder eingestellt.
Nachbearbeitung bleibt für Unternehmen ein Kostenfaktor
Der Ausbau von Dokumenten- und Workflow-Funktionen trifft auf einen veränderten Arbeitsalltag in Unternehmen, wie die im August 2026 durchgeführte Untersuchung des Softwareanbieters Templafy unter 2.000 Wissensarbeitern in den USA und Großbritannien zeigt.
Demnach nutzen zwar 90 Prozent der Befragten mindestens einmal pro Woche KI-Werkzeuge für geschäftliche Dokumente, 95 Prozent müssen die erzeugten Ausgaben jedoch vor der Verwendung manuell nachbearbeiten.
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Im Schnitt verbringen die Beschäftigten laut der Untersuchung fast 4 Stunden pro Woche mit der Prüfung und Korrektur generierter Texte. Knapp die Hälfte der Befragten gab an, dass dieser redaktionelle Aufwand kaum Zeitersparnis übrig lasse. Korrekturen betrafen dabei vor allem die inhaltliche Genauigkeit, generische Formulierungen sowie Formatierungsfehler.
Gleichzeitig stieg laut den Templafy-Plattformdaten der Anteil agentengestützter Dokumenten-Workflows zwischen Dezember 2025 und August 2026 deutlich an. Die mediane Erstellungszeit sank in über 29.000 analysierten Sitzungen von rund 2 Stunden ohne Agenten auf 8 Minuten beim Einsatz von Agentensystemen.
