Microsoft Copilot: Neue Kontrolle über vertrauliche Dateien ab Juli
20.06.2026 - 11:54:56 | boerse-global.de
Microsoft erweitert seine Purview-Einstellungen um eine Funktion, die Administratoren erlaubt, Copilot und andere KI-Dienste von der Verarbeitung bestimmter Word-, Excel- und PowerPoint-Dateien auszuschließen. Voraussetzung: Die Dokumente müssen mit entsprechenden Sensitivitätskennzeichnungen versehen sein.
Der Einsatz von KI-Systemen wie Microsoft Copilot unterliegt strengen regulatorischen Anforderungen durch den EU AI Act. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Unternehmen einen kompakten Überblick über alle neuen Kennzeichnungspflichten, Risikoklassen und Fristen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Neue Schutzmechanismen für vertrauliche Daten
Die Änderung, die unter der Kennung MC1297982 läuft, markiert einen Kurswechsel in Microsofts Umgang mit geschützten Inhalten. Bislang konnten vernetzte Dienste Dateien unabhängig von ihrer Vertraulichkeitseinstufung analysieren. Mit der neuen Konfiguration – verfügbar ausschließlich für Purview-Lizenznehmer – können Unternehmen sicherstellen, dass ihre kritischsten Daten nicht in KI-gestützte Analysen oder Zusammenfassungen einfließen.
Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr. Eine aktuelle Sicherheitsanalyse von LayerX zeigt deutliche Unterschiede bei der Datenexposition zwischen den großen KI-Plattformen. Demnach liegt die Offenlegungsrate von Microsoft 365 Copilot bei 3,65 Prozent – deutlich unter den Werten von ChatGPT (8,38 Prozent) und DeepSeek (12,63 Prozent). Die Studie hebt zudem hervor, dass über 90 Prozent der Copilot-Nutzung über Unternehmensidentitäten erfolgt. Dennoch bleiben Risiken bestehen, insbesondere durch übermäßig freizügig konfigurierte SharePoint-Freigaben und Anfragen, die private Konten einbeziehen.
ERP-Daten und organisatorische Prompts
Parallel erweitert Microsoft die Funktionalität seines KI-Assistenten in Unternehmensworkflows. Seit dem 16. Juni 2026 ist das Dynamics-365-ERP-Apps-Plugin allgemein verfügbar. Diese Integration erlaubt es Copilot Cowork, auf Unternehmensressourcenplanungsdaten zuzugreifen und Workflows über natürliche Sprachbefehle auszuführen. Unterstützt werden Daten aus Fabric IQ, Power BI sowie von Drittanbietern wie S&P Global, Moody's und Morningstar.
Um die KI-Nutzung gezielt zu steuern, können Administratoren künftig bis zu 1.000 organisatorische Prompts veröffentlichen. Diese erscheinen etwa drei Stunden nach der Freigabe in den Copilot-Oberflächen von Teams, Edge und Chat-Fenstern. Ziel ist es, Mitarbeitern eine unternehmensspezifische, KI-gesteuerte Strategie an die Hand zu geben.
Mit der zunehmenden Integration von KI in Unternehmensprozesse steigen auch die Anforderungen an die IT-Sicherheit und den rechtlichen Rahmen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche KI-Systeme als Hochrisiko gelten und wie Sie Ihre IT-Infrastruktur proaktiv vor neuen Bedrohungen schützen. Kostenlosen Report zu KI-Gesetzen und Cyberrisiken sichern
Ausblick: Copilot Studio und Loop-Workflows
Microsoft hat zudem mehrere Neuerungen für Copilot Studio im Rahmen der 2026er Release-Welle angekündigt. Bereits im Juni 2026 startet eine Preview von Agents für Microsoft 365. Im Juli folgt die allgemeine Verfügbarkeit von Custom Metrics. Bereits im Frühjahr führte der Konzern Automatisierungen für Web- und Desktop-Anwendungen sowie einen Code-Interpreter für SharePoint ein.
Auch die Verwaltung von nutzergenerierten Inhalten wird verbessert. Zwischen Mitte April und Anfang Juli 2026 rollt Microsoft neue administrative Workflows für Microsoft Loop aus. Diese ermöglichen die Steuerung von Aufbewahrung und Löschung von Arbeitsbereichen ehemaliger Mitarbeiter – einschließlich Copilot Pages und persönlicher Workspaces. Temporäre Zugriffsrechte für andere Teammitglieder sollen die Geschäftskontinuität sichern.
Technische Pannen und Drittanbieter-Lösungen
Die jüngsten Software-Updates haben jedoch auch für Probleme gesorgt. Seit dem 29. Mai 2026 berichten Nutzer, dass die Funktion „Edit with Copilot" in Excel auf dem Desktop nicht mehr verfügbar ist – sie funktioniert nur noch im Webbrowser. Ein Fix für macOS-Anwender wurde am 16. Juni ausgeliefert, doch Organisationen mit dem halbjährlichen Update-Kanal könnten weiterhin Einschränkungen erleben.
Ein weiteres Problem brachte das Windows-11-Update vom 9. Juni 2026. Es störte mehrere Drittanbieter-Anwendungen, die auf OLE-Automation angewiesen sind, um Word oder Excel zu öffnen. Microsoft hat den Fehler bestätigt und arbeitet an einer Lösung. Ein zusätzlicher Bug im Update KB5094126 betraf die Löschbestätigungen des Papierkorbs: Statt der Originalnamen wurden interne Dateinamen angezeigt. Ein Patch hierfür ist für Juli 2026 angekündigt.
Die wachsende Nachfrage nach KI-Governance hat inzwischen mehrere Sicherheitsfirmen auf den Plan gerufen. Symmetry Systems brachte eine Produktlinie zur Sicherung der Datenindizierung für KI-Agenten auf den Markt. Netwrix aktualisierte seine 1Secure-Plattform, um Identitätszugriffe und Maschinenidentitäten im KI-Kontext zu überwachen. Und Aona AI bietet eine Data-Loss-Prevention-Lösung, die sensible Informationen in Copilot-Prompts und Datei-Uploads in Echtzeit prüft und schwärzt.
