Microsoft Entra ID: Passkeys ersetzen SMS ab September 2026
Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 09:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts einer veränderten Bedrohungslage im Bereich der Identitätssicherheit leitet Microsoft einen grundlegenden Technologiewechsel bei seinen Authentifizierungsverfahren ein. Wie das Unternehmen bekannt gab, wird die herkömmliche Anmeldung via SMS und Sprachanruf für den Dienst Entra ID eingestellt.
Ab dem 1. September 2026 sollen Passkeys zum neuen Standard für die Identitätsprüfung erhoben werden. Die endgültige Abschaltung der SMS- und sprachbasierten Verfahren ist für den 1. Februar 2027 geplant.
KI-gestützte Angriffe erzwingen Paradigmenwechsel
Den Ausschlag für diese Entscheidung gab laut Microsoft der signifikante Anstieg von Phishing-Angriffen, die durch künstliche Intelligenz verstärkt werden. Herkömmliche Multi-Faktor-Authentifizierungen (MFA), die auf Einmalcodes per SMS oder Telefonanruf basieren, gelten in Sicherheitskreisen zunehmend als anfällig gegenüber modernen Angriffstechniken.
Die Relevanz dieser Maßnahme unterstreichen aktuelle Daten der Cloud Security Alliance. In einer Umfrage für das Jahr 2026 wurde festgestellt, dass Identitätsangriffe die größte Bedrohung für Cloud-Infrastrukturen darstellen. Unter Berufung auf Daten von Google Cloud entfallen demnach 83 Prozent aller Cloud-Kompromittierungen auf diesen Sektor. KI-verstärkte Angriffe belegen in der Gefahrenskala mittlerweile den zweiten Platz.
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Gezielte Kampagnen gegen Passkey-Registrierungen
Wie riskant die aktuelle Lage ist, belegt eine Warnung des Identitätsdienstleisters Okta. Das Unternehmen berichtete von einer weit verbreiteten Vishing-Kampagne, die gezielt auf die Passkey-Registrierung innerhalb von Microsoft 365 abziele.
Angreifer nutzen demnach ein spezielles Phishing-Kit, das die Benutzeroberfläche von Entra ID nachahmt. Zu den Zielbranchen dieser Kampagne gehören unter anderem die Sektoren Technologie, Gesundheitswesen, Automobilbau, Luftfahrt sowie die Lebensmittelindustrie und das Baugewerbe.
Parallel dazu gewinnen hardwarebasierte Sicherheitslösungen an Bedeutung. Das Unternehmen Specops positioniert sein Angebot "Device Trust" als entscheidendes Werkzeug gegen KI-gesteuerte Account-Übernahmen. Hierbei wird der Zugriff direkt an genehmigte Hardware gekoppelt, da einfache MFA- und IP-Signale laut Einschätzung der Sicherheitsexperten nicht mehr als ausreichend betrachtet werden können.
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Auch Yubico hat auf die steigende Nachfrage nach passwortlosen Umgebungen reagiert und bietet mit der "FIDO Pre-reg"-Funktion Lösungen für ein automatisiertes Onboarding an. Dieses Verfahren wird für die Hardware-Modelle YubiKey 5 NFC und 5C NFC unterstützt, wobei Okta als erster Identitätsprovider für diese Integration fungiert.
Globale Bedrohungsszenarien und Datenexfiltration
Die Dringlichkeit robuster Identitätsstandards wird durch massive Datenlecks und regionale Bedrohungsstatistiken verdeutlicht. Eine Exfiltrationskampagne unter dem Namen "TheHatman" bietet derzeit Mitarbeiterverzeichnisse von mehr als neun Fortune-500-Unternehmen zum Verkauf an.
Betroffen sind namhafte Konzerne: Bei McDonald's wurden 1,7 Millionen Datensätze entwendet, bei TCS 800.000 und bei Vodafone 425.000. Auch HCL ist mit 250.000 Datensätzen betroffen, wobei die gestohlenen Informationen auch privilegierte Kontodaten umfassen sollen.
Auf staatlicher Ebene werden ebenfalls neue Sicherheitsvorgaben implementiert. In Nigeria wurde Ende Juni 2026 der NIMC Act unterzeichnet. Die National Identity Management Commission (NIMC) übernimmt in diesem Zuge die Rolle der Root Certificate Authority (CA) und erhält die Zuständigkeit für die Public-Key-Infrastruktur (PKI).
Wie massiv die Angriffswellen im Jahr 2026 ausfallen, zeigen Zahlen aus Kenia. Das Land verzeichnete allein im Zeitraum von Januar bis März 3,7 Milliarden Cyber-Bedrohungen. Darunter befanden sich 68,7 Millionen Malware-Angriffe und 46,4 Millionen Brute-Force-Attacken.
Die Verluste durch Bankbetrug beliefen sich im Jahr 2024 auf 1,59 Milliarden Kenianische Schilling, während sich die Zahl der registrierten Cyberbetrugsfälle zuletzt auf 353 verdoppelte.
