Microsoft, Entra

Microsoft Entra ID: SMS und Sprachanrufe ab Februar 2027 abgeschafft

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 21:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Microsoft schafft SMS und Sprachanrufe für Entra ID ab und setzt ab 2027 vollständig auf Passkeys als Reaktion auf KI-gestützte Cyberangriffe.

Microsoft beendet SMS-Authentifizierung: Passkeys als neuer Standard
Leuchtender digitaler Schild und biometrische Sicherheitsoberfläche auf einem Laptop-Bildschirm, die modernen Identitätsschutz darstellt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Technologiekonzern Microsoft kündigt eine radikale Wende an: SMS und Sprachanrufe als Sicherheitsmethode für Entra ID werden abgeschafft. Stattdessen müssen Nutzer künftig auf Passkeys setzen – kryptografische Schlüssel, die als deutlich sicherer gelten. Der Schritt ist eine Reaktion auf die rasant steigende Bedrohung durch KI-gesteuerte Cyberangriffe.

Warum Microsoft die Notbremse zieht

Die Zahlen sind alarmierend: KI-gestützte Phishing-Kampagnen erreichen Klickraten von bis zu 54 Prozent – bei herkömmlichen Methoden sind es gerade einmal zwölf Prozent. Einmal geknackt, können Angreifer mithilfe künstlicher Intelligenz in Sekundenschnelle Netzwerke infiltrieren und Schaden anrichten. „Herkömmliche Authentifizierung per Telefon ist gegen diese Bedrohungen nicht mehr gewachsen", so das Unternehmen.

Der Zeitplan für den Umstieg

Ab dem 1. September 2026 beginnt die Umstellung: Nutzer, die noch SMS oder Sprachanrufe für die Zwei-Faktor-Authentifizierung verwenden, werden aufgefordert, einen Passkey zu registrieren. Am 1. Februar 2027 schaltet Microsoft die nativen Dienste komplett ab. Unternehmen, die weiterhin auf Telefon-basierte Verfahren angewiesen sind, müssen dann auf Drittanbieter aus dem Microsoft Security Store zurückgreifen.

Passkeys funktionieren nach dem Prinzip der Public-Key-Kryptografie: Statt eines Passworts wird ein biometrisches Merkmal – etwa ein Fingerabdruck – oder eine PIN verwendet. Das macht sie immun gegen Phishing-Angriffe.

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Microsofts Umstellung verdeutlicht den dringenden Handlungsbedarf: In Deutschland werden pro Quartal rund 4,7 Millionen Online-Konten gehackt. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Ratgeber, wie Sie die neue Technologie bei Amazon, Microsoft und WhatsApp sofort einrichten. Was steckt hinter Passkeys – der Technologie, die Passwörter für immer ablösen soll?

Aktuelle Angriffswellen im Visier

Die Ankündigung kommt nicht von ungefähr. Erst im Frühjahr 2026 deckten Sicherheitsforscher eine großangelegte Phishing-Kampagne auf, die den Microsoft OAuth 2.0 Device Authorization Grant missbrauchte. Mit täuschend echten Rechtsdokumenten und CAPTCHAs lockten Angreifer Nutzer in die Falle und umgingen so die Zwei-Faktor-Authentifizierung.

Seit Mai 2026 sind zudem „Adversary-in-the-Middle"-Angriffe im Umlauf. Dabei klonen Hacker in Echtzeit Microsoft-Login-Seiten und stehlen Sitzungscookies. Besonders betroffen: Unternehmen, Universitäten und internationale Behörden. Die Angreifer nutzen Werkzeuge wie EvilProxy und FlowerStorm.

Ein spektakulärer Erfolg gelang Ermittlern aus Deutschland und den USA: Sie zerschlugen die Infrastruktur des Phishing-Kits Kratos (auch bekannt als SneakyLog). Seit Ende 2024 hatten rund 1.800 Kunden damit monatlich 15.000 Angriffskampagnen gestartet – und erbeuteten über 300.000 Euro. Hunderttausende Opfer wurden um ihre Sitzungscookies gebracht.

Neue Sicherheitskontrollen und Hardware

Microsoft hat die Sicherheitsarchitektur bereits nachgeschärft. Seit dem 21. Juli 2026 gelten erweiterte Zero-Trust-Kontrollen für Entra Internet Access und Private Access. Dazu gehören Netzwerk-Datenschutz (Data Loss Prevention) und neue Regeln für KI-Agenten in Copilot Studio. Auch die Unterstützung für BYOD-Geräte (Bring Your Own Device) wurde ausgeweitet.

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Während Microsoft die Hürden für Angreifer erhöht, sollten auch Privatnutzer ihren Schutz überdenken. Mit der neuen Passkey-Methode melden Sie sich sicher per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung an und machen Passwörter komplett überflüssig. Nie wieder Passwörter merken: Diese neue Methode macht das Einloggen kinderleicht

Parallel dazu bereitet Microsoft Administratoren auf Änderungen im Unternehmens-Branding vor. Neue Mandanten dürfen seit Januar 2026 kein benutzerdefiniertes CSS mehr verwenden. Am 26. Oktober 2026 wird die Funktion für alle Nutzer abgeschaltet – betroffen sind unter anderem Abstände und Transparenzeinstellungen.

Yubico liefert passende Hardware

Pünktlich zum Microsoft-Update bringt Yubico im Juli 2026 den YubiKey 5.8 auf den Markt. Das neue Sicherheitsmodul unterstützt erweiterte digitale Signaturen und Identitäts-Wallets. Für Unternehmen, die auf die Passkey-Pflicht umsteigen müssen, bietet sich damit eine hardwaregestützte Alternative – ganz im Sinne der neuen, phishing-resistenten Standards.

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