Microsoft, Agententypen

Microsoft erkennt 60 Agententypen: 35 Systeme kommen neu hinzu

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 17:56 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Microsoft plant dynamische Zugriffsgrenzen und laufende Überwachung, um autonome KI-Agenten als mögliche interne Sicherheitsrisiken einzudämmen.
Ein moderner, minimalistischer Serverraum mit blauer Beleuchtung und geordneten, metallischen Server-Racks. Illustration mit AI erstellt.

Microsoft hat neue Sicherheitstools und dynamische Berechtigungskontrollen angekündigt, um autonome KI-Agenten künftig systematisch als potenzielle Insider-Bedrohungen zu behandeln. Wie aus aktuellen Berichten hervorgeht, reagiert das Unternehmen damit auf die zunehmende Verbreitung selbstständig handelnder Softwareassistenten in Unternehmensnetzwerken, die häufig über weitreichende Zugriffsrechte verfügen.

Dynamische Zugriffsrechte und kontinuierliche Risikoanalyse

Das neue Sicherheitskonzept setzt auf ein striktes Prinzip minimaler Rechte: Agenten starten grundsätzlich ohne Berechtigungen und erhalten Zugriffe ausschließlich aufgabenbezogen und zeitlich befristet. Sobald ein Vorgang abgeschlossen ist, erlöschen die Freigaben oder werden automatisch reduziert. Aktionen mit weitreichenden Konsequenzen erfordern zwingend eine verifizierte menschliche Freigabe.

Über die Identitätsplattform Microsoft Entra wird hierzu ein kontinuierlich aktualisierter Risikowert berechnet. Dieser speist sich aus Signalen zu Identitäten, Daten, Endpunkten, Cloud-Ressourcen, Netzwerkaktivitäten sowie der eigentlichen Ausführungsumgebung.

Steigt das Risiko eines Agenten, greift eine stufenweise Drosselung der Zugriffsrechte. In der ersten Stufe werden Schreibrechte entzogen, bevor bei höherem Risiko Freigaben durch menschliche Administratoren verlangt werden. Bei Erreichen der höchsten Risikostufe wird der Agent isoliert oder vollständig angehalten.

Überwachung und Isolation im laufenden Betrieb

Um Transparenz über vorhandene Systeme zu schaffen, trennt Microsoft Entra Agent ID die Identitäten bekannter, lokaler und unbekannter Agenten von ihren menschlichen Auftraggebern. Die automatische Erkennung umfasst mittlerweile 60 verschiedene Agententypen, darunter 35 neu erfasste Systeme wie Claude Code, OpenAI Codex und GitHub Copilot.

Die Überwachung im laufenden Betrieb übernimmt Project Perception, eine Sicherheitsinitiative, die im Juli 2026 ursprünglich zur Abwehr externer KI-Angriffe gestartet wurde und nun auf interne Agenten ausgeweitet wird. Dabei überwachen spezialisierte Schutz-Agenten andere Software-Agenten rund um die Uhr, analysieren deren Absichten in Echtzeit und können Zugangsdaten beschränken.

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Bei sicherheitskritischen Auffälligkeiten werden verdächtige Prozesse im sogenannten Microsoft Execution Container isoliert, der als abgeschottete Umgebung mit externer Überwachung dient.

Führende Modelle gelten als unberechenbar

Die Kontrollmechanismen sind Teil von Microsoft 365 E7 und Project Perception, zu dem auch Agent 365 gehört. Die Notwendigkeit separater Schutzschichten hatte Microsoft-Chef Satya Nadella bereits am 10. Oktober 2026 in einem Essay hervorgehoben. Darin warnte er davor, KI-Modellanbietern blind zu vertrauen, und forderte unabhängige Kontrollinstanzen sowie Notbremsen für KI-Systeme.

Hayete Gallot, Führungskraft für den Bereich Microsoft Security, betonte, dass führende Modelle prinzipiell als unzuverlässig einzustufen seien. Da diese Systeme auf Zielerreichung und nicht auf die Einhaltung organisatorischer Normen optimiert würden, handele es sich um potenzielle Insider-Risiken.

Zudem könnten Agenten durch die Kooperation mit anderen Systemen Ziele auf ungeplante Weise verfolgen. Reine Modelltransparenz könne eine strikte Eindämmung nicht ersetzen; künftig sei vielmehr Transparenz über die internen Denkschritte notwendig, um Absichten verlässlich zu prüfen.

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Nadim Abdo aus dem Bereich Identitäts- und Netzwerkzugriff unterstrich, dass minimale Rechte das Sicherheitsrisiko zwar verringern, aber keineswegs beseitigen. Wie drängend das Problem ist, verdeutlichte der stellvertretende Sicherheitschef Terrell Cox mit dem Hinweis, dass Microsoft intern bereits mit Hunderttausenden von Agenten operiert.

Zusätzlich engagiert sich Microsoft als Gründungsmitglied in Nvidias Plattform für Agentensicherheit, an der mehr als 100 Technologieunternehmen beteiligt sind. Konkrete Preise und Verfügbarkeitsdaten für die neuen Schutzfunktionen nannte der Konzern bisher nicht; weitere Details dazu sollen auf der Entwicklerkonferenz Microsoft Ignite ab dem 17. November 2026 folgen.

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