Microsoft im Visier der britischen Wettbewerbshüter
21.05.2026 - 13:16:28 | boerse-global.deIm Zentrum steht die Frage, ob Microsoft mit seinem Geschäftskunden-Ökosystem eine strategische Marktstellung besitzt, die den Wettbewerb behindert. Die Untersuchung ist bereits die vierte ihrer Art seit Inkrafttreten des neuen Digitalgesetzes im Januar 2025.
Neue Regeln für die digitale Wirtschaft
Die Wettbewerbsbehörde prüft, ob Microsoft der Status eines „strategischen Marktteilnehmers" (SMS) zugewiesen werden sollte. Grundlage ist der Digital Markets, Competition and Consumers Act (DMCC), der der CMA weitreichende Befugnisse verleiht. Sollte die Behörde zu dem Schluss kommen, dass Microsoft diese Stellung im Bereich der Geschäftssoftware innehat, könnte sie dem Konzern maßgeschneiderte Auflagen erteilen.
CMA-Chefin Sarah Cardell betonte, dass Geschäftssoftware das Rückgrat der britischen Wirtschaft bilde. Ziel der Behörde sei es, fairen Wettbewerb zu gewährleisten, damit Unternehmen von Innovation und angemessenen Preisen profitieren. Nach Angaben der Regulierungsbehörde nutzen mehr als 15 Millionen gewerbliche Anwender in Großbritannien Microsofts Software-Ökosystem – darunter Hunderttausende Unternehmen und öffentliche Einrichtungen.
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Die Untersuchung erstreckt sich auf ein breites Produktportfolio: das Betriebssystem Windows, die Office-Suite mit Word, Excel und Teams, Server-Betriebssysteme, Datenbank-Management-Systeme sowie Sicherheitssoftware. Besonderes Augenmerk gilt der rasanten Integration Künstlicher Intelligenz durch Tools wie Copilot, die zunehmend in die Microsoft-365-Umgebung eingebettet werden.
Bündelung und mangelnde Kompatibilität im Fokus
Ein zentraler Kritikpunkt der CMA: Microsofts Praxis, mehrere Produkte zu bündeln, schränke die Möglichkeit der Kunden ein, auf Werkzeuge von Wettbewerbern zurückzugreifen. Branchenkenner warnen vor einem „Lock-in-Effekt" – Alternativen von Drittanbietern, selbst solche mit bester Qualität, würden an den Rand gedrängt, weil sie sich nicht so nahtlos in die Microsoft-Welt integrieren ließen wie die hauseigenen Lösungen.
Die Behörde untersucht zudem technische Hürden bei der Interoperabilität und den Einfluss von Standardeinstellungen. Diese Faktoren könnten es britischen Organisationen erschweren, Microsoft-Produkte mit Software anderer Anbieter zu kombinieren. Die CMA hat Hinweise erhalten, dass genau dies der Fall sei – mit negativen Folgen für Preiswettbewerb und Spezialfunktionen.
Ein weiterer Punkt: Die Untersuchung greift Bedenken aus einer früheren Prüfung des Cloud-Marktes auf. Bereits damals deutete sich an, dass Microsofts Lizenzierungspraktiken – insbesondere bei Windows Server und SQL Server – es Kunden teurer oder technisch aufwändiger machten, diese Produkte auf konkurrierenden Cloud-Plattformen wie Amazon Web Services (AWS) oder Google Cloud zu betreiben. Ein SMS-Status würde der CMA ermöglichen, gezielt gegen diese Lizenzhürden vorzugehen.
Künstliche Intelligenz als Treiber der Marktmacht
Der Zeitpunkt der Untersuchung ist kein Zufall. Die Arbeitswelt erlebt derzeit einen tiefgreifenden Wandel hin zu KI-gesteuerten „agentischen" Tools. Indem Microsoft Copilot und andere KI-Functions in seine Produkte einbettet, könnte das Unternehmen seine Marktposition weiter festigen – genau das will die CMA verhindern.
Die Behörde prüft, wie konkurrierende KI-Dienste in die Microsoft-Umgebung integriert werden können. Ihr Ziel: Britische Kunden sollen Zugang zu einer breiten Palette von KI-Anbietern haben, nicht nur zu einem einzigen Ökosystem. Aktuelle Marktdaten zeigen, dass Microsofts Produktivitäts- und Geschäftsprozess-Sparte weiterhin stark wächst – mit einem Umsatz von umgerechnet rund 32 Milliarden Euro im jüngsten Quartal, einem zweistelligen Plus gegenüber dem Vorjahr.
Microsoft hat auf die Einleitung des Verfahrens reagiert und signalisiert, konstruktiv mit der Behörde zusammenarbeiten zu wollen. Bereits im Frühjahr hatte der Konzern freiwillige Zugeständnisse gemacht, etwa bei den sogenannten Egress-Gebühren für Datentransfers und bei der Verbesserung der Interoperabilität. Doch die CMA ließ durchblicken, dass diese Schritte allein nicht ausreichen dürften, um die grundlegenden Wettbewerbsfragen zu klären.
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Zeitplan und mögliche Folgen
Die Untersuchung ist gesetzlich befristet. Die CMA hat sich neun Monate Zeit gesetzt, um ihre Prüfung abzuschließen. Eine endgültige Entscheidung über den SMS-Status wird für Februar 2027 erwartet.
Bis dahin sind Wettbewerber, Start-ups und Unternehmenskunden aufgerufen, ihre Erfahrungen mit dem Microsoft-Ökosystem zu teilen. Die Frist für die erste öffentliche Konsultation endet am 4. Juni 2026.
Marktbeobachter sehen in dem Verfahren einen wichtigen Test für die neuen britischen Regulierungsbefugnisse. Ein SMS-Status würde die Beweislast umkehren: Die CMA könnte dann maßgeschneiderte Regeln für Microsofts Geschäftstätigkeit in Großbritannien erlassen, ohne für jede einzelne Produktänderung einen spezifischen Kartellrechtsverstoß nachweisen zu müssen. Das könnte den Verkauf und die Integration von Geschäftssoftware im ganzen Land grundlegend verändern – und die Hürden für europäische und amerikanische Konkurrenten senken, im britischen Markt Fuß zu fassen.
Ausblick auf die Branche
Während die Untersuchung in der zweiten Jahreshälfte voranschreitet, wird die Branche gespannt auf vorläufige Ergebnisse warten. Microsofts Aktienkurs hat sich nach der Ankündigung bislang stabil gehalten. Doch die langfristigen Auswirkungen auf das Geschäftsmodell – insbesondere bei margenstarken Softwarelizenzen und KI-Abonnements – könnten erheblich sein, falls die CMA mehr Transparenz oder Änderungen an der Bündelungsstrategie verlangt.
Der Abschlussbericht, der Anfang nächsten Jahres erwartet wird, dürfte als Blaupause dafür dienen, wie Großbritannien künftig den Einfluss globaler Technologiekonzerne im Zeitalter integrierter KI steuern will.
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