Microsoft-KI, Milliarden

Microsoft-KI: 37 Milliarden Umsatz, doch Nutzer fliehen zu ChatGPT

26.05.2026 - 20:30:34 | boerse-global.de

Microsofts KI-Sparte erzielt Milliardenumsätze, doch die tägliche Nutzung der Copilot-Assistenten sinkt. Eine Umstrukturierung der Führung und ein verändertes OpenAI-Verhältnis prägen die Strategie.

Die KI-Sparte wächst rasant und erzielt einen annualisierten Umsatz von über 37 Milliarden Euro. Doch während die Kasse klingelt, zeigen interne Daten: Die tägliche Nutzung der KI-Assistenten hinkt hinterher. Hinzu kommt eine grundlegende Umstrukturierung der Führungsebene und ein sich veränderndes Verhältnis zum langjährigen Partner OpenAI.

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20 Millionen Copilot-Sitze – und nur fünf Prozent Durchdringung

Microsoft hat seine KI-Assistenten erfolgreich im Unternehmensumfeld platziert. Rund 20 Millionen zahlende Nutzer zählt der Dienst mittlerweile bei den Business-365-Kunden – ein Zuwachs von fünf Millionen Sitzen allein im letzten Quartal. Doch die Euphorie trügt: Gemessen an der gesamten Microsoft-365-Nutzerbasis liegt die Penetrationsrate bei mageren fünf Prozent.

Die Analysten der BNP Paribas zeigen sich dennoch optimistisch. Sie prognostizieren, dass Microsoft bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres die Marke von 25 Millionen Copilot-Sitzen knacken könnte. Ein entscheidender Treiber: Das Azure-Wachstum liegt weiterhin bei über 40 Prozent, wobei rund zwölf Prozentpunkte direkt auf KI-Dienste entfallen.

Die Ära der autonomen Agenten beginnt

Mit den sogenannten „Computer-Use Agents" betritt Microsoft Neuland. Seit dem 13. Mai 2026 sind diese digitalen Helfer allgemein verfügbar. Sie navigieren selbstständig durch grafische Benutzeroberflächen – ganz ohne klassische API-Schnittstellen. Im Grunde agieren sie wie digitale Angestellte.

Unternehmen können zwischen verschiedenen KI-Modellen wählen, darunter OpenAI und Anthropics Claude Sonnet 4.5. Die Kosten pro automatisiertem Schritt liegen bei umgerechnet etwa 0,04 Euro. Microsoft ist damit der erste große Anbieter, der solche Agenten produktionsreif ausliefert. Google und Anthropic dümpeln eigenen Angaben zufolge noch in der Beta-Phase.

Satya Nadella räumt die Führungsetage auf

In einem bemerkenswerten Schritt hat Microsoft-CEO Satya Nadella das jahrzehntealte Senior Leadership Team (SLT) aufgelöst. An seine Stelle tritt eine schlankere Führungsstruktur: ein fünfköpfiger Kernvorstand und ein 35-köpfiges Ingenieurskomitee. Ein spezielles Dreierteam kümmert sich künftig ausschließlich um die Copilot-Produkte.

Im Zentrum der neuen Strategie steht Mustafa Suleyman, der CEO von Microsoft AI. Sein rund 650 Mitarbeiter starkes Team arbeitet an der Entwicklung von „Superintelligenz". Jacob Andreou übernimmt derweil das operative Produktmanagement für Copilot.

Parallel dazu lockert sich die Bindung zu OpenAI. Die Exklusivitätsvereinbarung läuft nun erst 2032 aus – und Azure ist nicht länger der alleinige Cloud-Anbieter für OpenAIs Dienste. Kein Zufall: OpenAI bereitet einen möglichen Börsengang in den USA vor, der das Unternehmen mit umgerechnet 852 Milliarden Euro bewerten könnte.

Nutzer flüchten zu ChatGPT

Die größte Baustelle für Microsoft liegt jedoch woanders: in der tatsächlichen Nutzung seiner KI-Tools. Daten von Recon Analytics zeigen einen besorgniserregenden Trend. Die tägliche Nutzung unter den zahlenden Copilot-Kunden fiel von 18,8 Prozent im Juli 2025 auf nur noch 11,5 Prozent im Januar 2026. Im gleichen Zeitraum stieg die Nutzung von Googles Gemini von 12,8 auf 15,7 Prozent.

Noch deutlicher wird das Problem bei der Wahlfreiheit der Nutzer. Wenn Unternehmen ihren Mitarbeitern die Wahl zwischen Copilot und ChatGPT lassen, entscheiden sich 76 Prozent für OpenAI – nur 18 Prozent bleiben bei Microsofts integrierter Lösung.

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Sparzwang in der eigenen Entwicklung

Die Kostenfrage treibt Microsoft um. Das Unternehmen hat seinen Ingenieuren verordnet, bis zum 30. Juni 2026 die Nutzung von Anthropics Claude Code einzustellen. Stattdessen müssen sie auf das hauseigene GitHub Copilot CLI umsteigen. Der Grund: die hohen Token-Kosten externer Modelle. Dabei zeigen interne Tests, dass Claude Code bei bestimmten Programmieraufgaben besser abschneidet als Microsofts eigene Lösung.

Dieser Schritt spiegelt einen branchenweiten Trend wider. Die Analysten von Gartner beobachten, dass rund 25 Prozent der für 2026 geplanten KI-Investitionen auf 2027 verschoben werden. Der Grund: Unternehmen tun sich schwer, tragfähige Geschäftsmodelle für ihre KI-Infrastrukturprojekte zu finden. Nur 28 Prozent der aktuellen KI-Initiativen liefern derzeit ein vollständiges Business-Case.

Suleymans düstere Prognose für Büroarbeiter

Mustafa Suleyman sorgte kürzlich mit einer kühnen Vorhersage für Aufsehen. Innerhalb der nächsten 12 bis 18 Monate, so der Microsoft-AI-Chef, könnten weiße-Kragen-Jobs in den Bereichen Jura, Buchhaltung, Marketing und Projektmanagement vollständig automatisiert werden. Grundlage sei die rasante Entwicklung von KI-Agenten, die mehrstufige Arbeitsabläufe eigenständig ausführen können.

Einige Großkonzerne haben bereits damit begonnen, Stellen in Einstiegs- und mittleren Führungspositionen abzubauen – in Erwartung dieser Fähigkeiten.

Rekordinvestitionen in KI-Infrastruktur

Die Kosten für diesen Wandel sind enorm. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 gab Microsoft umgerechnet 37,5 Milliarden Euro für Investitionsprojekte aus – ein Anstieg von 66 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für das gesamte Jahr 2026 sind Investitionen von rund 190 Milliarden Euro geplant, davon 25 Milliarden allein für Komponenten.

Microsofts Führung erwartet, dass die Kapazitätsengpässe mindestens bis Ende 2026 anhalten werden – selbst während das Unternehmen weiter an seinen sogenannten „KI-Fabriken" baut.

Ausblick: Umsatz steigt, Nutzerfrage bleibt

Für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 erwarten Finanzanalysten einen Umsatz von rund 87,6 Milliarden Euro – ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Strategie lautet: hohe Investitionen, hohe Erträge.

Doch die eigentliche Herausforderung für das kommende Jahr wird sein, die zahlenden Kunden auch zur täglichen Nutzung zu bewegen. Während die Beziehung zu OpenAI sich wandelt und der Wettbewerb mit Google und Anthropic immer intensiver wird, setzt Microsoft zunehmend auf sein integriertes Cloud-Ökosystem, um die Marktführerschaft zu behaupten. Ob das reicht, wird sich zeigen.

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