Microsoft-Lizenzen, Frankreichs

Microsoft-Lizenzen: Frankreichs Rechnungshof sieht bis zu 65 Millionen Euro Sparpotenzial

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 13:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Prüfbehörde beziffert mögliche jährliche Einsparungen auf 30 bis 65 Millionen Euro und rät zu einer schrittweisen Migration ab 2027.
Ein minimalistisches, modernes Regierungsgebäude in Paris während der Abenddämmerung mit klarer Architektur. Illustration mit AI erstellt.

Der französische Rechnungshof hat in einem am 22. Oktober 2026 vorgelegten Bericht vor einer zunehmenden finanziellen Abhängigkeit des Staates von Microsoft gewarnt. In dem Dokument mit dem Titel „Les outils bureautiques et collaboratifs au sein de l'État“ spricht sich die Prüfbehörde dafür aus, ab dem Jahr 2027 eine schrittweise Migration zu Open-Source-Bürosoftware einzuleiten. Der Übergangsprozess solle maximal drei bis vier Jahre dauern.

Starker Kostenanstieg bei Bürosoftware

Nach Angaben des Rechnungshofs beliefen sich die Ausgaben für Büro- und Kollaborationswerkzeuge in den zentralen und dekonzentrierten Staatsdiensten im Jahr 2025 auf rund 100 Millionen Euro. Dies entspricht einem Anstieg von 50 Prozent im Vergleich zum Jahr 2021. Der erfasste Bereich umfasst 860.000 Arbeitsplätze, klammert jedoch nachgeordnete Betreiber, Sozialkassen, Krankenhäuser und Gebietskörperschaften aus.

Von den 100 Millionen Euro entfielen schätzungsweise 61 Millionen Euro auf Softwarelizenzen, 26 Millionen Euro auf Dienstleistungen sowie 13 Millionen Euro auf Personalkosten.

Rund vier Fünftel der Lizenzausgaben gingen dabei an Microsoft, wobei Windows-Lizenzen in dieser Summe nicht enthalten sind. Die Prüfer wiesen darauf hin, dass die Zahlen auf Schätzungen beruhen, keine analytische Buchführung darstellen und eine begrenzte Verlässlichkeit aufweisen.

Große Preisunterschiede zwischen den Ministerien

Die Untersuchung von insgesamt elf Ministerien ergab für den Zeitraum von 2021 bis 2025 erhebliche Kostenunterschiede. Während die durchschnittlichen Gesamtkosten bei 87 Euro pro Arbeitsplatz lagen, verzeichnete das Kulturministerium bei 7.700 mit Microsoft 365 ausgestatteten Plätzen jährliche Kosten von 378 Euro pro Arbeitsplatz.

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Im Innenministerium, das vorwiegend auf die freie Software LibreOffice setzt, lagen die Kosten dagegen bei 20 Euro pro Posten. Behörden wie die Gendarmerie und die Generaldirektion für öffentliche Finanzen (DGFiP) nutzen freie Büroprogramme bereits seit rund zwei Jahrzehnten.

Die behördenübergreifende Digitaldirektion DINUM beziffert die Kosten für eine Microsoft-Office-Lizenz auf 150 bis 200 Euro pro Person und Jahr, während LibreOffice bei lokaler Installation lizenzkostenfrei bleibt. Bereits im September 2021 hatte die DINUM den Einsatz von Microsoft 365 für sensible Daten untersagt.

Einsparpotenziale und geplante Zielarchitektur

Durch einen verstärkten Einsatz lokal installierter freier Programmpakete sieht der Rechnungshof ein jährliches Einsparpotenzial von 30 bis 65 Millionen Euro.

Diese Kalkulation basiert auf Lizenz- und Servicekosten von 52 Euro je Arbeitsplatz im Wirtschaftsministerium sowie 15 Euro im Innenministerium, hochgerechnet auf die gesamten 860.000 Arbeitsplätze im Vergleich zu den 76 Millionen Euro ohne DINUM-Koordination. Die Prüfer merken an, dass der obere Grenzwert mit Vorsicht zu betrachten sei.

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In einem Cloud-Szenario könnten durch den Einsatz freier Cloud-Lösungen bis zu 130 Millionen Euro an jährlichen Ausgaben vermieden werden, verglichen mit Microsoft 365 oder der Plattform Bleu.

Eine freie, SecNumCloud-zertifizierte Suite wird auf etwa 100 Euro pro Platz und Jahr taxiert, während für Microsoft 365 rund 250 Euro veranschlagt werden. Das Wirtschaftsministerium erzielte 2025 Einsparungen in Höhe von 1,3 Millionen Euro mit Bleu, das die SecNumCloud-Zertifizierung jedoch nicht erlangte.

Als Zielarchitektur empfiehlt der Rechnungshof eine freie Suite aus der Cloud, betrieben auf staatlicher Infrastruktur oder bei einem nach SecNumCloud qualifizierten Anbieter, ohne ein konkretes Produkt festzuschreiben. Die rechnerische Frist bis etwa 2031 sei nicht per Dekret festgelegt, zudem gehe es nicht um einen vollständigen Pflichtersatz aller Microsoft-Produkte.

Der Rechnungshof fordert eine stärkere Steuerung der Ausgaben sowie eine Ausweitung der interministeriellen Koordination durch die DINUM. Gleichzeitig sieht das Beschaffungsprogramm 2026–2027 der zentralen Einkaufsbehörde UGAP weiterhin das Verfahren 26U032 für Software und Dienstleistungen von Microsoft vor, dessen Veröffentlichung für Januar 2027 und Vermarktung für März 2028 geplant ist.

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