Microsoft-Notfall, Millionen

Microsoft-Notfall: 81 Millionen Login-Angriffe auf Azure

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 00:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Indische und US-Behörden stufen mehrere Microsoft-Dienste als hochriskant ein. Ein massiver Passwort-Angriff auf Azure und aktive Exploits in SharePoint erhöhen den Druck.

Microsoft-Produkte im Visier: Behörden warnen vor kritischen Lücken
Ein Cybersicherheitsexperte analysiert leuchtende Datenvisualisierungen auf einem Bildschirm, die Netzwerkschwachstellen und Code darstellen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Hunderte Millionen Login-Versuche, kritische Lücken in Cloud-Diensten und aktive Hackerangriffe – die Sicherheitsbehörden Indiens und der USA haben höchste Alarmstufe für Microsoft-Produkte ausgerufen. Betroffen sind Azure, GitHub Copilot und SharePoint.

CERT-In warnt vor Schwachstellen in Azure und GitHub Copilot

Das indische Computer-Notfallteam CERT-In stufte gleich mehrere Microsoft-Produkte als hochriskant ein. Am 17. und 19. Juli veröffentlichte die Behörde eine dringende Sicherheitswarnung (CIAD-2026-0035). Die Liste der betroffenen Systeme liest sich wie das gesamte Microsoft-Portfolio: Windows, Azure, Office und der GitHub Copilot Plugin für JetBrains.

Besonders brisant: Die Schwachstelle CVE-2026-56155 in den Active Directory Federation Services (AD FS). Angreifer können damit ihre Zugriffsrechte ausweiten. Sicherheitsexperten warnen vor einem Dominoeffekt – von der Übernahme ganzer Geräte über Datendiebstahl bis hin zur Erpressung durch Ransomware. Die Behörden fordern Unternehmen und Behörden auf, die neuesten Sicherheitsupdates umgehend einzuspielen.

81 Millionen Passwort-Versuche: Großangriff auf Azure CLI

Ein massiver Password-Spray-Angriff erschütterte am 19. Juli die Cloud-Infrastruktur. Insgesamt 78 Microsoft-Konten wurden geknackt. Die Angreifer starteten mehr als 81 Millionen Anmeldeversuche – gesteuert über ein IPv6-Netz des Anbieters LSHIY LLC.

Die Hacker nutzten einen veralteten OAuth-Ablauf (Resource Owner Password Credentials), um die Sicherheitsmechanismen zu umgehen. Ihre Methode: Sie probierten systematisch schwache Passwörter gegen viele verschiedene Konten aus. Experten raten dringend zur Multi-Faktor-Authentifizierung für alle Nutzer. Zudem sollte der Zugriff auf die Azure-Befehlszeile ausschließlich Administratoren vorbehalten bleiben.

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SharePoint-Notfall: CISA setzt Ultimatum

Die US-Cybersicherheitsbehörde CISA handelte am Wochenende des 18. und 19. Juli. Sie nahm mehrere kritische Sicherheitslücken in ihren Katalog bekannter Schwachstellen auf. Die gefährlichste: CVE-2026-58644 in SharePoint Server mit einem CVSS-Wert von 9,8 – nahe der Höchstmarke.

Die Behörde setzte den 19. Juli als Stichtag für Bundesbehörden. Sie müssen ihre SharePoint-Systeme patchen, denn Angreifer nutzen die Lücke aktiv aus. Sie installieren Web-Shells und übernehmen die Kontrolle über Server. Zwei weitere Schwachstellen – CVE-2026-32201 und CVE-2026-45659 – werden kombiniert, um Authentifizierungen zu umgehen und IIS-Maschinenschlüssel zu stehlen. Betroffen sind SharePoint Subscription Edition sowie die Versionen 2016 und 2019. Letztere erreichte am 14. Juli 2026 das Ende des Supports – ein gefundenes Fressen für Hacker.

Microsoft schlägt zurück: KI und Open Source als Waffen

Der Konzern reagiert mit neuen Sicherheitsplattformen. Project Perception heißt die KI-gestützte Waffe gegen Schwachstellen. Das System scannt Codebasen automatisch und nutzt das Framework MDASH mit über 100 spezialisierten Agenten. Der Erfolg gibt Microsoft recht: Bereits im Mai 2026 entdeckte MDASH 16 Sicherheitslücken während des Patch-Dienstags und erreichte 96,55 Prozent im CyberGym-Benchmark.

Am 20. Juli veröffentlichte Microsoft zudem Dusseldorf – eine Open-Source-Plattform für Sicherheitstests. Das Tool erkennt Schwachstellen wie Server-Side Request Forgery (SSRF) und Cross-Site Scripting (XSS). Es fängt dazu DNS- und HTTP-Datenverkehr ab. Sicherheitsteams können Dusseldorf entweder lokal per Docker oder direkt in der Azure-Cloud betreiben.

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GitHub verschärft CI/CD-Sicherheit

GitHub zog am 20. Juli nach. Der Dienst erweiterte die Sicherheitsmaßnahmen für seine actions/checkout-Versionen v2 bis v6. Künftig blockiert GitHub nicht vertrauenswürdigen Code aus Fork-Pull-Requests in bestimmten Workflow-Kontexten.

Der Schritt folgt einem Vorfall vom 14. Juli 2026. Damals hatten Angreifer das AsyncAPI-Projekt ins Visier genommen. Sie nutzten falsch konfigurierte Workflows aus und hinterlegten Hintertüren in fünf npm-Paketen. Die Bedrohung ist real: Im Frühjahr 2026 kompromittierte eine einzige Angriffswelle mehr als 170 Pakete. Die GitHub Advisory Database umfasst mittlerweile über 33.000 Sicherheitseinträge – ein trauriger Rekord.

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