Microsoft Patchday: 722 Sicherheitslücken durch KI-beschleunigte Fehlersuche
Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 17:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Juli 2026 geht in die Geschichte ein: Microsoft hat mit seinem aktuellen Sicherheitsupdate mehr Schwachstellen behoben als je zuvor. Ganze 722 Fehler wurden insgesamt geschlossen – inklusive der Chromium-Upstream-Patches. Allein im Windows-Ökosystem waren es über 570 Lücken. Branchenbeobachter sehen einen klaren Treiber für diese Explosion: Künstliche Intelligenz beschleunigt die Fehlersuche massiv.
Kritische Lücken in SharePoint und AD FS werden aktiv ausgenutzt
Besonders brisant: Zwei Zero-Day-Schwachstellen wurden bereits vor dem Patchtag von Angreifern genutzt. Die erste, CVE-2026-56155, betrifft den Active Directory Federation Services (AD FS) und ermöglicht eine Rechteausweitung (CVSS-Score 7,8). Die zweite, CVE-2026-56164, ist ein ähnlicher Angriffspunkt im SharePoint Server.
Noch alarmierender ist eine dritte SharePoint-Lücke: CVE-2026-58644. Mit einem CVSS-Score von 9,8 gilt sie als kritisch. Angreifer mit Site-Owner-Rechten können über eine Deserialisierungs-Schwachstelle Code auf dem Server ausführen. Die US-Cybersicherheitsbehörde CISA hat den Fehler bereits in ihren Katalog bekannter ausgenutzter Schwachstellen aufgenommen.
US-Behörden wurden angewiesen, die Patches bis zum 19. Juli einzuspielen oder betroffene Systeme vom Netz zu nehmen. Sicherheitsexperten berichten, dass Angreifer die Lücken nutzen, um IIS-Maschinenkeys zu stehlen und so dauerhaften Zugriff auf kompromittierte Netzwerke zu erhalten.
KI als zweischneidiges Schwert
Der Juli-Patchzyklus hat das Volumen des Vormonats fast verdreifacht. Von den 570 Windows-spezifischen Korrekturen wurden 59 als kritisch eingestuft, 48 betreffen Remote-Code-Ausführung (RCE). Ein besonders schwerwiegender Fall: CVE-2026-48561, eine RCE-Lücke in Copilot auf Android Edge mit einem CVSS-Score von 9,6.
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Die Rolle der KI ist dabei ambivalent. Während sie Sicherheitsteams hilft, Fehler schneller zu finden, nutzen auch Angreifer die Technologie. Berichten zufolge haben russlandnahe Gruppen große Sprachmodelle eingesetzt, um fast 90 Prozent ihrer Command-and-Control-Infrastruktur automatisiert neu aufzubauen. Der erste dokumentierte KI-gesteuerte Ransomware-Angriff fällt ebenfalls in diesen Zeitraum.
Hardware-Probleme: Dell-Systeme von Update ausgenommen
Der massive Patch-Rollout verlief nicht reibungslos. Microsoft musste die Verteilung des Windows-11-Updates KB5101650 für bestimmte Dell-Systeme stoppen. Grund: Ein neuer USB-C-Connection-Manager kollidierte mit Intel Integrated Performance Primitives (IPF)-Treibern. Die Folge waren Überhitzung, unerwartete Systemabstürze und rapide Batterieentladung.
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Microsoft und Intel arbeiten mit Dell an einer Lösung. Bis dahin wird Unternehmen geraten, das Update auf betroffenen Modellen zurückzustellen.
Generationenwechsel: Alte Software geht in Rente
Der Patchday Mitte Juli markierte auch das Ende des Supports für mehrere wichtige Unternehmensprodukte: SharePoint Server 2016, SharePoint Server 2019 und SQL Server 2016 erhalten keine routinemäßigen Sicherheitsupdates mehr.
Die Industrie reagiert auf die wachsende Bedrohungslage mit höherer Taktung. Adobe stellt auf zwei Patch-Zyklen pro Monat um. Auch Cisco, Mozilla und Oracle haben ihre Update-Frequenz erhöht. Selbst die LAME-MP3-Bibliothek erhielt nach einem Jahrzehnt ihr erstes Sicherheitsupdate – geschlossen wurden ein Stack-Buffer-Overflow und eine Integer-Underflow-Schwachstelle.
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