Microsoft, Millionen

Microsoft spart 550 Millionen: Chinesisches KI-Modell Kimi K3 ersetzt teure Konkurrenz

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 17:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Microsoft verlagert Copilot-Kernfunktionen in Bezahlmodelle und treibt so die Monetarisierung der KI-Assistenten voran.

Microsoft Copilot: Gratis-Funktionen schwinden, Abo-Pflicht rückt näher
Moderner Büroarbeitsplatz mit Laptop, der KI-Datenvisualisierungen zeigt, symbolisiert Microsoft Copilot-Integration Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Microsoft schränkt die Gratis-Version seines KI-Assistenten Copilot drastisch ein. Viele Kernfunktionen wandern in kostenpflichtige Abos – eine klare Strategie zur Umsatzsteigerung.

Der Schritt ist konsequent: Aus dem einstigen KI-Flaggschiff für alle wird zunehmend ein reines Demo-Produkt. Wer die volle Leistung des Assistenten nutzen will, muss künftig tiefer in die Tasche greifen. Microsoft setzt damit auf eine aggressive Monetarisierungsstrategie – und das gleich auf mehreren Ebenen.

Neues Programm für kleine Unternehmen

Ab dem 1. August 2026 startet der Konzern die Initiative „Copilot in 30". Das Angebot richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 300 Mitarbeitern. Sie erhalten eine 30-tägige Testversion für bis zu 25 Nutzer. Die Hürde soll bewusst niedrig sein: Firmen, die bereits über die Cloud Solution Provider-Plattform von Microsoft verwaltet werden, können den Test ohne großen Aufwand starten.

Doch damit nicht genot. Seit dem 21. Juli 2026 ist in den USA ein neues System namens ESW Agentic Commerce aktiv. Es erlaubt Marken, Transaktionen direkt im Copilot-Chatfenster abzuwickeln. Die KI übernimmt dabei die gesamte Kaufabwicklung – von der Katalogoptimierung über die Lagerprüfung bis zum Bezahlvorgang. Ein echter Schritt in Richtung „agentischer" KI, die den kompletten Kaufprozess selbstständig steuert.

Kostendruck durch chinesische KI-Modelle

Die Rechnung ist simpel: Hochleistungs-KI frisst Unmengen an Rechenleistung. Microsoft sucht daher nach günstigeren Alternativen. Im Fokus steht das Modell Kimi K3 des chinesischen Anbieters Moonshot AI, das am 16. Juli 2026 veröffentlicht wurde.

Der Preisunterschied ist gewaltig: Kimi K3 kostet 15 Euro pro Million Output-Tokens, während Konkurrenzmodelle wie Claude Fable 5 mit 50 Euro pro Million zu Buche schlagen. Analysten schätzen, dass Microsoft durch einen teilweisen Ersatz von OpenAI- oder Anthropic-Modellen durch Kimi K3 rund 550 Millionen Euro einsparen könnte. Das chinesische Modell hat zudem kürzlich die Spitzenplätze in Coding-Benchmarks erobert.

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Microsoft hat Kimi K3 bereits in seine Azure-Plattform integriert. Doch der Schritt ist politisch heikel. Die US-Regierung erwägt offenbar Sanktionen oder Beschaffungsbeschränkungen für chinesische Open-Weight-Modelle.

Milliarden-Hoffnung auf neue Hardware

Um den erwarteten Anstieg der KI-Nachfrage zu bewältigen, setzt Microsoft auf neue Hardware. Gemeinsam mit AMD arbeitet der Konzern an den Helios Rack-Scale KI-Beschleunigern. Die Systeme nutzen Instinct MI455X-GPUs und sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 in die Serienproduktion gehen. Sie werden spezielle Azure-Virtual-Machines für Halbleiterdesign und agentische KI unterstützen.

Die Analysten von Morgan Stanley zeigen sich optimistisch. Sie prognostizieren, dass das Azure-Wachstum in der zweiten Jahreshälfte 2026 die 40-Prozent-Marke überschreiten könnte – sobald die aktuellen Lieferengpässe behoben sind. Die Copilot-Umsätze sollen im Geschäftsjahr 2026 auf 4 Milliarden Euro steigen, bis 2029 sogar auf 20,5 Milliarden Euro. Aktuelle Umfragen zeigen: 88 Prozent der IT-Chefs planen, Microsoft 365 Copilot innerhalb des nächsten Jahres einzuführen.

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Bildung und Staat ziehen nach – doch es gibt Rückschläge

Auch außerhalb der Wirtschaft wächst die Nachfrage. Die Western Sydney University hat am 16. Juli 2026 allen Mitarbeitern und forschern den Zugang zu Copilot gewährt – eine der ersten Universitäten Australiens mit einer solchen Flächenlizenz. Die Regierung von Singapur wiederum kündigte an, dass Bürger nach Abschluss bestimmter KI-Kurse sechs Monate lang kostenlose Premium-KI-Abonnements erhalten.

Doch nicht alles läuft nach Plan. Am 21. Juli 2026 wurde eine Sammelklage wegen Wertpapierbetrugs eingereicht. Anleger werfen Microsoft vor, über die Funktionsfähigkeit und das Wachstum von Copilot und Azure getäuscht worden zu sein. Die Klage folgt auf einen Kurssturz von rund zehn Prozent am 28. Januar dieses Jahres. Hinzu kommen technische Probleme: Der Excel-Copilot liefert laut Nutzerberichten teilweise unzuverlässige Ergebnisse.

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