Microsoft, Update-Pause-Feature

Microsoft testet 35-tĂ€giges Update-Pause-Feature fĂŒr Windows 11

25.05.2026 - 00:24:14 | boerse-global.de

Microsoft lockert Update-Zwang auf 35 Tage, doch kritische SicherheitslĂŒcken und auslaufende Zertifikate erhöhen das Risiko fĂŒr Unternehmen.

Microsoft testet 35-tĂ€giges Update-Pause-Feature fĂŒr Windows 11 - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Microsoft testet 35-tĂ€giges Update-Pause-Feature fĂŒr Windows 11 - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Der Software-Riese lockert seinen starren Update-Zwang und reagiert damit auf jahrelange Nutzerkritik. Gleichzeitig wachsen die Sicherheitsrisiken.

Microsoft hat in den vergangenen Tagen eine experimentelle Funktion fĂŒr Windows 11 vorgestellt, die Nutzern deutlich mehr Kontrolle ĂŒber System-Updates geben soll. Statt wie bisher nur eine Woche, können Anwender kĂŒnftig bis zu 35 Tage lang Updates zurĂŒckstellen. Die Neuerung wurde am Wochenende des 23. und 24. Mai 2026 in den Insider-Builds des Betriebssystems entdeckt.

Mehr Freiheit fĂŒr Profis

Die „Pick a date"-Funktion erlaubt es, Updates fĂŒr ĂŒber einen Monat zu verschieben. Insidern zufolge ließe sich diese Pause sogar theoretisch unbegrenzt verlĂ€ngern. Ein Segen fĂŒr BerufstĂ€tige, die auf stabile Systemumgebungen angewiesen sind.

Noch weitreichender sind die Änderungen im EnergiemenĂŒ: Microsoft trennt jetzt die normalen Funktionen „Herunterfahren" und „Neustart" von Update-Aktionen. Wer seinen Rechner ausschaltet, muss nicht mehr fĂŒrchten, dass dabei zwangsweise Updates installiert werden. Eine separate SchaltflĂ€che „SpĂ€ter aktualisieren" gibt die Kontrolle zurĂŒck an den Nutzer. Das Ziel: maximal ein erzwungener Neustart pro Monat.

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Xbox-Modus fĂŒr den PC

Parallel dazu rollt Microsoft den sogenannten Xbox-Modus fĂŒr Windows 11 aus. Die von den Xbox- und Windows-Abteilungen gemeinsam entwickelte Funktion verwandelt den PC in eine konsolenĂ€hnliche Spielumgebung. Über einen Controller navigierbar, integriert sich der Modus tief in den Game Pass sowie in Plattformen wie Steam. Nutzer können ihr GerĂ€t kĂŒnftig direkt in den Gaming-Modus booten lassen. Die Aktivierung erfolgt stufenweise ĂŒber die Windows-Update-Einstellungen.

Kritische SicherheitslĂŒcken ĂŒberschatten die Freiheit

Doch die neue FlexibilitĂ€t kommt zu einem denkbar ungĂŒnstigen Zeitpunkt. Microsoft musste kĂŒrzlich dringende Sicherheitsupdates fĂŒr zwei schwerwiegende Schwachstellen veröffentlichen. CVE-2026-8711 und CVE-2026-3592 erreichen beide einen CVSS-Score von 8,8 – die zweithöchste Gefahrenstufe.

Die erste LĂŒcke erlaubt Angreifern, mit erhöhten Rechten beliebigen Code auszufĂŒhren. Betroffen sind Windows 10, Windows 11 und mehrere Office-Versionen. Die zweite Schwachstelle gilt als „wurmfĂ€hig": Sie könnte sich selbststĂ€ndig im Netzwerk verbreiten. In Unternehmensnetzwerken ist sofortiges Handeln gefragt – trotz der neuen Möglichkeit, Updates aufzuschieben.

Zertifikate laufen aus – Sicherheitsrisiko fĂŒr Ă€ltere Systeme

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Mehrere Secure-Boot-Zertifikate aus dem Jahr 2011 laufen in den kommenden Wochen ab. Die Microsoft-KEK-CA-2011 am 24. Juni, die UEFI-CA-2011 am 27. Juni. Zwar fĂŒhren die AblĂ€ufe nicht sofort zu Startproblemen. Doch GerĂ€te, die nicht auf die 2023er-Ersatzzertifikate umgestellt werden, erhalten kĂŒnftig keine Boot-Level-Sicherheitspatches mehr.

Besonders kritisch: WĂ€hrend Windows-11-Nutzer die Updates automatisch erhalten, bleiben Windows-10-Systeme außerhalb des Extended-Security-Updates-Programms (ESU) verwundbar. Die Gefahr ist real – das BlackLotus-Bootkit hat gezeigt, wie Angreifer genau diese Schwachstellen ausnutzen.

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Phishing-Kampagne und neuer Exploit

Die Sicherheitslage wird zusĂ€tzlich durch eine ausgeklĂŒgelte Phishing-Kampagne verschĂ€rft. Seit Monaten gelingt es Angreifern, die interne Microsoft-Absenderadresse account-security-noreply@microsoft.com zu fĂ€lschen. Das Unternehmen bestĂ€tigte eine Untersuchung des Vorfalls.

Noch beunruhigender: Sicherheitsforscher haben einen neuen Exploit namens „MiniPlasma" identifiziert, der angeblich selbst vollstĂ€ndig aktualisierte Windows-11-Systeme umgeht. Besonders gefĂ€hrdet sind Nutzer, die digitale Vermögenswerte verwalten.

Copilot: Weniger aufdringlich, aber kaum genutzt

Microsoft reagiert auch auf Kritik an seinem KI-Assistenten Copilot. Ab Ende Mai 2026 können Nutzer von Word, Excel und PowerPoint den Copilot-Button aus seiner schwebenden Position wieder in das klassische Ribbon-MenĂŒ verschieben. Hintergrund: Das schwebende Element blockierte hĂ€ufig ArbeitsablĂ€ufe, besonders in komplexen Excel-Tabellen.

Dabei bleibt die Akzeptanz der KI-Tools ĂŒberschaubar. Nur etwa 3,3 Prozent der Microsoft-365-Nutzer zahlen derzeit fĂŒr das Copilot-Add-on. Dennoch treibt Microsoft den Ausbau voran: In Windows 11 wird eine angedockte Seitenleiste getestet, die Copilot am linken oder rechten Bildschirmrand fixiert. Desktop und aktive Anwendungen passen sich dann automatisch an.

Konkurrenz schlÀft nicht

Am 24. Mai 2026 launchte OpenAI eine Beta-Erweiterung fĂŒr ChatGPT in PowerPoint. Die nicht-exklusive Lizenz lĂ€uft bis 2032. Das Tool erstellt und bearbeitet Folien ĂŒber eine Seitenleiste und greift auf Daten aus Gmail und Outlook zu.

Auch Google und Kore.ai drĂ€ngen mit eigenen Lösungen in den Markt. „Gemini Spark" von Google und „Artemis" von Kore.ai zielen auf Ă€hnliche ProduktivitĂ€tsnischen in Unternehmen.

Preiserhöhung zum Juli

Die technologischen VerĂ€nderungen gehen mit deutlichen finanziellen Einschnitten einher. Microsoft erhöht zum 1. Juli 2026 die Preise fĂŒr Microsoft-365-Abonnements. Der M365-E3-Tarif steigt um rund 8,33 Prozent, der F1-Tarif sogar um 33,33 Prozent. Der Business-Premium-Tarif bleibt vorerst stabil.

Analysten rechnen fĂŒr viele Organisationen mit einer effektiven Kostensteigerung zwischen 20 und 25 Prozent – abhĂ€ngig vom Lizenzmix und zusĂ€tzlichen Diensten.

250 Millionen Dollar Vergleich

In juristischen Gefilden schließt Microsoft ein Kapitel ab. Das Unternehmen einigte sich auf einen 250 Millionen US-Dollar Vergleich mit dem schwedischen Pensionsfonds AP7. Die AktionĂ€rsklage betraf die Übernahme von Activision Blizzard, die im Oktober 2023 abgeschlossen wurde. Damit endet der letzte große Rechtsstreit im Zusammenhang mit der milliardenschweren Fusion.

Abschied einer Legende

Intern bereitet sich Microsoft auf einen FĂŒhrungswechsel vor. Yusuf Mehdi, langjĂ€hriger Chef des Verbrauchermarketings, kĂŒndigte seinen Abschied fĂŒr 2027 an. Nach 35 Jahren im Unternehmen will er bis zum Ende des GeschĂ€ftsjahres 2027 am 30. Juni im Amt bleiben. Mehdi wird die Integration von Copilot und Windows weiter begleiten. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

Ausblick: Balanceakt fĂŒr Unternehmen

FĂŒr IT-Abteilungen wird die zweite JahreshĂ€lfte 2026 zum Drahtseilakt. Die 35-tĂ€gige Update-Pause bietet dringend benötigte Entlastung fĂŒr kritische Systeme. Doch die Schwere der aktuellen SicherheitslĂŒcken zeigt: Zero-Day-Bedrohungen erfordern weiterhin schnelle Reaktionen.

Der bevorstehende Ablauf der Secure-Boot-Zertifikate im Juni mahnt zur Vorsicht. Unternehmen sollten den Status ihrer GerĂ€tesicherheit prĂŒfen und sicherstellen, dass Firmware-Updates der Hersteller eingespielt sind. Mit den Preiserhöhungen im Juli und der fortschreitenden KI-Integration zeichnet sich ein Jahr der Neuausrichtung fĂŒr Microsofts Unternehmenskunden ab.

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