Microsoft und CMA: Wettbewerbsbehörde schlägt Sonderstatus für Business-Software vor
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 11:42 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie britische Wettbewerbsbehörde Competition and Markets Authority (CMA) hat vorgeschlagen, dem Technologiekonzern Microsoft im Segment der Business-Software den sogenannten Strategic Market Status (SMS) zuzuweisen.
Wie aus Berichten von Anfang November 2026 hervorgeht, stützt sich die Aufsichtsbehörde dabei auf den Digital Markets, Competition and Consumers Act 2024. Am 16. Oktober 2026 leitete die Behörde zudem eine Konsultation zur vorgeschlagenen Einstufung des Software-Ökosystems ein.
Rechtlich durchsetzbare Auflagen für Digitalkonzerne
Der Status ermöglicht es der Regulierungsbehörde, maßgeschneiderte Eingriffe gegenüber Anbietern digitaler Dienste vorzunehmen, wenn diese über eine erhebliche und verfestigte Marktmacht sowie strategische Bedeutung in einer britischen Digitalaktivität verfügen. Im Falle einer formalen Zuweisung könnte die CMA verbindliche, rechtlich durchsetzbare Auflagen bezüglich der Lizenzbedingungen von Microsoft erlassen.
Die Wettbewerbshüter sehen Microsoft in allen fünf untersuchten Geschäftsfeldern stark aufgestellt. Dazu zählen PC-Betriebssysteme, Produktivitätssuiten, Sicherheitssoftware, Server-Betriebssysteme sowie relationale Datenbanken.
Zuvor hatte eine Untersuchung des Cloud-Sektors durch die CMA ergeben, dass die Lizenzierungspraktiken des Konzerns den Wettbewerb beeinträchtigen. Unter anderem verlangt Microsoft für Server-Betriebssysteme und Datenbanken auf alternativen Cloud-Infrastrukturen höhere Lizenzgebühren als auf der eigenen Cloud-Plattform Azure.
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Kritik aus der Branche und internationale Prüfungen
Die Auswirkungen dieser Geschäftspolitik werden auch von Marktteilnehmern kritisiert. Nach Angaben der Initiative Coalition for Fair Software Licensing verlor ein Cybersicherheitsunternehmen einen Vertrag mit einem Kunden mit über 23 Mrd. € Jahresumsatz, nachdem sich dieser aus Kostengründen für Microsoft entschieden hatte.
Ein weiteres Unternehmen führte 6% seiner jährlichen Kundenabwanderung auf Bündelungspraktiken des Konzerns zurück. CMA-Chefin Sarah Cardell betonte zu der Thematik, dass Kunden in der Lage sein sollten, Produkte frei auszuwählen und Anbieter ungehindert zu wechseln.
Nicht nur im Vereinigten Königreich steht das Vorgehen des Softwarekonzerns im Fokus: Auch die US-Handelsbehörde FTC prüft Microsofts Lizenz- und Bündelungspraktiken.
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Entscheidung für Anfang 2027 erwartet
Die Untersuchung der britischen Aufsicht zum Softwareangebot, das Produkte wie Windows, Office, Teams und Copilot umfasst, betrifft über 15 Mio. UK-Nutzer. Eine formelle Entscheidung über die Einstufung steht noch aus. Das Verfahren kann bis zu 9 Monate dauern und sieht vor einem endgültigen Beschluss die Vorlage einer vorläufigen Einschätzung vor. Mit einer finalen Entscheidung der CMA wird voraussichtlich um Februar 2027 gerechnet.
