Microsoft unter Druck: Nur 4,5% zahlen für Copilot-KI
05.07.2026 - 01:26:02 | boerse-global.de
Mecklenburg-Vorpommern schließt Migration von Microsoft SharePoint ab – und treibt die Unabhängigkeit von US-Konzernen voran.
Die Bewegung für digitale Souveränität in Europa hat am vergangenen Wochenende entscheidende Impulse erhalten. Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern stellte seine Verwaltung flächendeckend auf Open-Source-Infrastruktur um. Parallel dazu bringen Softwareanbieter neue Alternativen zu proprietären Büroanwendungen auf den Markt. Diese Entwicklungen fallen zusammen mit Berichten über eine Restrukturierung bei Microsoft: Der Konzern kämpft mit der schleppenden Akzeptanz seiner kostenpflichtigen KI-Tools und bündelt seine Produktpalette neu.
Mecklenburg-Vorpommern setzt auf Nextcloud
Am 3. Juli 2026 gab das Land Mecklenburg-Vorpommern den landesweiten Rollout der Nextcloud-Plattform bekannt. Ziel ist eine einheitliche Kollaborationsumgebung für mehr als 50.000 Beschäftigte in Landes- und Kommunalverwaltungen. Die Migration von Microsoft SharePoint ist bereits abgeschlossen.
Derzeit nutzen rund 5.000 Mitarbeiter die Plattform aktiv. Die DVZ M-V GmbH fungiert als technischer Betreiber. Minister Dr. Heiko Geue und CIO Marco Anschütz bezeichnen den Schritt als zentralen Baustein der digitalen Souveränitätsstrategie des Landes. Damit folgt Mecklenburg-Vorpommern dem Beispiel Schleswig-Holsteins sowie Bundesministerien in Österreich und Frankreich. Neben Nextcloud kommen in der Landesverwaltung OpenProject und der KI-Chatbot LEA zum Einsatz.
Neue Konkurrenz für Microsoft Office
Während öffentliche Verwaltungen verstärkt auf Open-Source-Lösungen setzen, rüsten unabhängige Softwareanbieter auf. Am 3. Juli 2026 veröffentlichte Collabora Productivity die Version 26.04 von Collabora Office. Die Neuerung: ein optionaler KI-Assistent, der in Writer, Calc und Impress integriert ist.
Darüber hinaus bietet die neue Version eine Mehrseitenansicht, ein Dokumentenvergleichstool und eine verbesserte Kompatibilität mit Microsoft-Office-Formaten. CEO Michael Meeks betonte, dass die Suite Barrierefreiheitsaudits gemäß BITV 2.0 durchlaufen habe. Verfügbar ist die Software über den Microsoft Store, den Mac App Store sowie Linux-Plattformen wie Flathub und Snap.
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Auch der Hosting-Markt für diese Alternativen wächst. Am 4. Juli 2026 startete Node Digital einen Managed-Hosting-Dienst für OnlyOffice. Das Angebot richtet sich an Organisationen, die Echtzeit-Kollaboration ohne nutzerbasierte Lizenzgebühren benötigen. Die Integration mit Nextcloud und Keycloak ist bereits umgesetzt.
Fortschritte bei Open-Source-Tools und souveräner KI
Auch auf technischer Ebene tut sich etwas. Marijn Haverbeke, Entwickler hinter ProseMirror, veröffentlichte am 3. Juli 2026 die Version 0.1 von Wordgard. Das neue Open-Source-JavaScript-Toolkit ist für schema-basierte Browser-Editoren konzipiert und führt ein Delta-Format-Änderungsmodell sowie ein neues Erweiterungssystem ein.
Im Bereich kritischer Infrastruktur gab StirlingX am 3. Juli bekannt, 15 Millionen Pfund in einer Series-A-Finanzierungsrunde eingesammelt zu haben. Das Unternehmen unter Vorsitz des ehemaligen GCHQ-Direktors Sir Jeremy Fleming entwickelt souveräne Datenintelligenz-Plattformen für Verteidigung und nationale Infrastruktur. Am selben Tag verkündete Cognizant eine Partnerschaft mit Domyn zur Bereitstellung souveräner KI-Infrastruktur in der EMEA-Region – eine lokale Alternative zu globalen Cloud-Anbietern.
Microsoft unter Druck: Copilot-Strategie wackelt
Nur 4,5% der Microsoft-365-Kunden zahlen für Copilot – der Rest sucht nach Alternativen. Mecklenburg-Vorpommern hat den Umstieg auf Nextcloud bereits vollzogen. Erfahren Sie, wie auch Ihr Unternehmen von der Open-Source-Bewegung profitiert. Open-Source-Strategie jetzt sichern
Diese europäischen Entwicklungen fallen in eine Zeit, in der Microsoft mit der Akzeptanz seiner kostenpflichtigen KI-Funktionen kämpft. Interne Daten zeigen: Nur 4,5 Prozent der 450 Millionen Microsoft-365-Geschäftskunden zahlen derzeit für Copilot. Der Anteil der zahlenden Nutzer ist von 18,8 Prozent im Juli 2025 auf 11,5 Prozent Anfang 2026 gefallen.
Microsoft reagiert mit einer Neuausrichtung: Bis August 2026 sollen die verschiedenen Copilot-Anwendungen zu einer einzigen App verschmolzen werden. In einem internen Memo forderte Executive Vice President Jacob Andreou, dass das Tool seinen Nutzern seinen Wert beweisen müsse, um überlebensfähig zu bleiben. Um die Entwicklung zu beschleunigen, gründete Microsoft Anfang des Monats die eigenständige Einheit Frontier Company. Mit 2,5 Milliarden Dollar und 6.000 Mitarbeitern soll sie KI-Produkte schneller entwickeln und gegen OpenAI, Google DeepMind und Meta in Stellung bringen.
