Midnight, Mimosa

Midnight Mimosa: Bitdefender findet Schadsoftware in Android-Firmware

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 23:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Kampagne infizierte tausende GerĂ€te in ĂŒber 150 LĂ€ndern; Herkunft und Verantwortliche der Schadsoftware bleiben ungeklĂ€rt.
Ein detaillierter Blick auf einen Mikrochip auf einer Leiterplatte in einer gedimmten industriellen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Sicherheitsforscher des IT-Sicherheitsunternehmens Bitdefender haben aufgedeckt, dass preiswerte Android-Smartphones mit vorinstallierter Schadsoftware in den Handel gelangen.

Die unter dem Namen Midnight Mimosa erfasste Kampagne zielt auf Mobiltelefone ab, bei denen die bösartigen Komponenten bereits vor der ersten Inbetriebnahme tief im System verankert sind. Die Malware ist in der Lage, eigenstÀndig Verbindungen zu kapern und ohne das Wissen der Nutzer zusÀtzliche Anwendungen zu installieren.

Schadsoftware fest in der Firmware verankert

Die Analyse von Bitdefender zeigt, dass die Manipulation direkt im Firmware-Bereich von Multi-Brand-GerĂ€ten mit MediaTek-ChipsĂ€tzen vorgenommen wurde. Betroffen sind Schadpakete wie com.android.system.lite, com.android.sys.prot sowie com.android.sys.gmsprot. Da sich die Programme in den geschĂŒtzten Systempartitionen befinden, reicht eine herkömmliche Deinstallation nicht aus, um die Infektion von den GerĂ€ten zu beseitigen.

Nach Angaben der Sicherheitsexperten ist eine Entfernung ausschließlich mit vertieftem technischem Fachwissen möglich, beispielsweise ĂŒber Schnittstellen wie die Android Debug Bridge (ADB). Einmal aktiv, kann die Software heimlich weitere Apps aufspielen oder löschen.

Zudem verfĂŒgt sie ĂŒber Mechanismen zur Umgehung von Schutzfunktionen: So schaltet die Schadsoftware zeitweise den offiziellen Google Play Store ab, um den Sicherheitsdienst Google Play Protect zu umgehen.

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Werbebetrug und Botnet-Funktionen ĂŒber LĂ€ndergrenzen hinweg

Bitdefender beobachtete die AktivitĂ€ten ĂŒber einen Zeitraum von rund zwei Jahren auf tausenden GerĂ€ten in mehr als 150 LĂ€ndern. Zu den am stĂ€rksten betroffenen Staaten zĂ€hlen Mexiko, Frankreich und Italien, gefolgt von den USA, Deutschland, Brasilien und Spanien.

Ein wesentlicher Einsatzzweck der Malware liegt im Werbebetrug. Mindestens 32 getarnte Programme, darunter scheinbare Wetter-Apps und Anwendungen zur Zugriffssicherung, wurden fĂŒr gefĂ€lschte AnzeigenaktivitĂ€ten genutzt. Insgesamt identifizierten die Analysten 13 spezifische Apps, zu denen Namen wie Wavrge, Audify, QR Pocket, WeatherGo und NoteMaster gehören.

Diese Anwendungen stehen derzeit nicht im Google Play Store zum Download bereit. DarĂŒber hinaus verfĂŒgt das System nachweislich ĂŒber Funktionen, um die Smartphones als Knotenpunkte in einem Botnet oder als sogenannte Residential-Proxys zu nutzen. Eine aktive Weiterleitung von Datenverkehr konnten die PrĂŒfer im Test allerdings nicht nachweisen.

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Unklare Urheberschaft und Parallelen zu frĂŒheren VorfĂ€llen

Die Firmware der betroffenen GerÀte wurde teilweise mit Zertifikaten des Unternehmens Shenzhen Zediel digital signiert. Bitdefender betont jedoch, dass die tatsÀchliche Herkunft der bösartigen Komponenten sowie die genaue Rolle von Shenzhen Zediel bislang unklar sind. Das Sicherheitsunternehmen nimmt daher keine direkte Zuschreibung der Kampagne an einen bestimmten Akteur vor.

EinschlĂ€gige Parallelen sehen die Sicherheitsanalysten zu dem VorgĂ€ngerfall BADBOX 2.0 aus dem Jahr 2025. Damals waren weltweit ĂŒber 1 Million GerĂ€te durch manipulierte Lieferketten und infizierte Vorinstallationen kompromittiert worden. Der aktuelle Fund unterstreicht erneut die Risiken, die von unzureichend kontrollierten Lieferketten im Niedrigpreissegment von MobilgerĂ€ten ausgehen können.

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