MigrÀne bei MÀnnern: Dunkelziffer deutlich höher als bekannt
Veröffentlicht am: 27.06.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
FĂŒnf bis zehn Prozent der MĂ€nner sind betroffen, die Dunkelziffer dĂŒrfte laut Experten deutlich höher liegen. Der Grund: MĂ€nner zeigen hĂ€ufig andere Symptome.
Die unterschÀtzte Erkrankung
Dr. Bianca Raffaelli von der Berliner CharitĂ© beobachtet ein Muster: MĂ€nnliche Patienten leiden oft unter kĂŒrzeren und weniger intensiven Attacken. Begleitsymptome wie Ăbelkeit oder Lichtempfindlichkeit treten seltener auf. Der typische einseitige, pochende Schmerz bleibt jedoch bestehen und kann vier bis 72 Stunden anhalten.
Weil die Symptome weniger markant ausfallen, suchen viele Betroffene keinen Arzt auf. Das Risiko: Die MigrÀne wird chronisch. Fachleute sprechen ab 15 Kopfschmerztagen pro Monat von einer chronischen Form.
Therapie: Mehr als nur Pillen
In der Akutphase helfen Triptane. Um chronische VerlĂ€ufe zu verhindern, setzen Mediziner auf Kombinationen: regelmĂ€Ăiger Schlaf, EntspannungsĂŒbungen, Ausdauersport.
Ein wachsender Faktor ist digitaler Stress. Ăber 80 Prozent der Deutschen nutzen ihr Smartphone stĂŒndlich. PrĂ€ventologe Markus Kamps warnt vor Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen durch stĂ€ndige Erreichbarkeit. Das reduziert die neurologische Belastbarkeit und erhöht die AnfĂ€lligkeit fĂŒr Kopfschmerzen.
MigrĂ€ne wird bei MĂ€nnern oft ĂŒbersehen â dabei sind 5â10 % betroffen, die Dunkelziffer liegt noch höher. Unser Ratgeber hilft Ihnen, die Symptome richtig zu deuten und einen Behandlungsplan zu erstellen. Jetzt kostenlosen Ratgeber anfordern
Hartes Urteil: Wenn die Rente versagt wird
Trotz medizinischer Anerkennung als neurologische Erkrankung gibt es HĂŒrden bei der sozialen Absicherung. Ein Urteil des Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen (Az.: L 8 R 219/24) zeigt die strengen Anforderungen.
Eine Frau wurde abgewiesen, obwohl ihre Schmerzen dokumentiert waren. Das Gericht stufte sie als mindestens sechs Stunden leistungsfĂ€hig ein. Grundlage waren Gutachten, die keine rentenrelevante Minderung sahen â und eine nicht ausreichend dokumentierte Schmerztherapie. FĂŒr Betroffene bedeutet das: lĂŒckenlose Dokumentation aller Behandlungsversuche ist essenziell.
Wenn andere Krankheiten die MigrÀne imitieren
Die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen bleibt eine Herausforderung. Symptome der CraniomandibulĂ€ren Dysfunktion (CMD) â Kiefer-, Kopf- und Nackenschmerzen â können eine MigrĂ€ne vortĂ€uschen oder verstĂ€rken. Hier helfen Aufbissschienen oder manuelle Therapie.
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Auch Infektionen haben langfristige neurologische Folgen. Berichte ĂŒber jahrelang unerkannte Borreliose-FĂ€lle zeigen: Symptome wie extreme Erschöpfung werden oft fehlgedeutet. In Ăsterreich entsteht aktuell ein einheitliches Versorgungskonzept fĂŒr ME/CFS und Long Covid, von dem rund 73.600 Betroffene profitieren sollen.
Selbst bei schweren VerlĂ€ufen mit Erbrechen und OhnmachtsanfĂ€llen zeigen Fallbeispiele: Akupunktur kann in spezifischen FĂ€llen zu signifikanter Schmerzreduktion fĂŒhren â auch nach jahrelangem Leiden.
