Mikrobiom-Therapie, Bakterien

Mikrobiom-Therapie: Warum manche Bakterien dauerhaft bleiben

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 06:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen, wie Gencluster, KI-Modelle und neue Analysetools die FMT präzisieren könnten; klinische Belege bleiben teils begrenzt.

FMT-Forschung: Genmarker und KI verbessern die Spenderauswahl
Nahaufnahme einer mikroskopischen Bakterienkultur in einer Laborschale, die die Vielfalt biologischer Mikroorganismen zeigt. Illustration mit AI erstellt.

Die fäkale Mikrobiota-Transplantation (FMT) gilt in der Medizin als wirksames Verfahren zur Wiederherstellung eines gestörten Darmökosystems. Dennoch war bislang unklar, weshalb manche übertragenen Mikroorganismen langfristig im Wirtsdarm verbleiben, während andere nach kurzer Zeit wieder verschwinden.

Eine am King’s College London durchgeführte Untersuchung widmete sich dieser Fragestellung. In der im Fachjournal Gut Microbes (2026) publizierten Arbeit begleiteten die Forschenden 86 gesunde Erwachsene über einen Zeitraum von einem Jahr, um die biologischen Faktoren hinter der bakteriellen Persistenz zu bestimmen.

Die Ergebnisse des King's College London verdeutlichen, dass spezifische genetische Eigenschaften den Ausschlag für den Verbleib der Mikroben geben. Sogenannte stabile Biosynthese-Gencluster blieben bei 76 Prozent der Teilnehmenden nach einer FMT dauerhaft erhalten. Im Gegensatz dazu waren transiente Gencluster lediglich bei 28 Prozent der behandelten Personen nachweisbar.

Nach Angaben der Forschenden fördern stabile Gencluster die Konkurrenz- und Überlebensfähigkeit der Mikroben im Darm. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen perspektivisch eine präzisere Spenderauswahl ermöglichen und die Entwicklung zielgerichteter Mikrobiom-Therapien voranbringen.

Algorithmen und genetischer Transfer zur Optimierung von Transplantationen

Die Frage der optimalen Passung zwischen Spender und Empfänger beschäftigt die Forschung auch auf algorithmischer Ebene. Qi Su von der Chinese University of Hong Kong untersuchte in einer Veröffentlichung im Fachjournal Cell Reports das Potenzial von Künstlicher Intelligenz bei der Spenderauswahl.

Eine Meta-Analyse von 515 FMT-Fällen aus 30 Spender-Empfänger-Kohorten über zwölf Erkrankungen hinweg ergab, dass ein KI-gestütztes Donor-Matching die Ansprechrate von 49 Prozent auf 71 Prozent steigern könnte. Das dafür entwickelte Modell MOZAIC prognostizierte die mikrobielle Konvergenz mit einer Genauigkeit von rund 80 Prozent.

Als methodische Einschränkung gilt jedoch der retrospektive Charakter der Datenbasis; prospektive randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) stehen noch aus.

Ergänzend entwickelten Forschende der North Carolina State University und des University of Colorado Anschutz Medical Campus das R-Paket TrIdent, das im Fachjournal Microbiome vorgestellt wurde. Das unter der Lizenz GPL-2 über Bioconductor bereitgestellte Werkzeug automatisiert die Klassifizierung von virusvermitteltem DNA-Transfer innerhalb mikrobieller Gemeinschaften.

Validierungen zeigten eine Übereinstimmung mit menschlichen Klassifizierern auf dem Niveau der Inter-Human-Konsistenz. Bei der Analyse von Darmproben aus Mäusen dokumentierten die Wissenschaftler eine deutliche Anreicherung von DNA aus den Bakterienfamilien Oscillospiraceae und Turicibacteraceae in virusähnlichen Partikeln.

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Klinische Anwendungsfelder und therapeutische Bandbreite

Die therapeutische Relevanz der Mikrobiom-Modulation reicht von Infektionskrankheiten bis hin zu chronisch-entzündlichen Prozessen. Dr. Tom Louie von der University of Calgary behandelte 27 Patienten mit maßgeschneiderten, handgefertigten FMT-Kapseln gegen Infektionen mit dem Bakterium Clostridioides difficile.

Alle 27 Behandelten wurden geheilt; im Schnitt nahmen die Betroffenen jeweils 24 bis 30 Kapseln ein, ohne dass Nebenwirkungen auftraten. Louie verwies jedoch auf den hohen Aufwand der patientenindividuellen Herstellung, der eine Massenproduktion derzeit ausschließe, weshalb weitere RCTs erforderlich seien.

Bei chronischen Entzündungen lieferte eine in Nature Communications (2026) veröffentlichte offene Pilotstudie neue Erkenntnisse: 30 Erwachsene mit Morbus Crohn und Anti-E.-coli-Antikörpern erhielten eine einmalige kolonoskopische FMT.

Bei allen acht auswertbaren Patienten mit mukosaler Kolonisierung durch adhärent-invasive Escherichia coli (AIEC) kam es zur Dekolonisierung. Zudem stieg die mukosale ?-Diversität signifikant an (p=0,023), was mit einem Rückgang des fäkalen Calprotectins einherging (p=0,034); schwere Nebenwirkungen blieben aus.

Auch bei funktionellen Störungen wie chronischer Verstopfung zeigt die FMT Effekte. Eine im Fachjournal Frontiers in Microbiology veröffentlichte Meta-Analyse von 32 Studien mit 1.710 Patienten ermittelte nach Bereinigung um Publikationsverzerrungen eine Steigerung der klinischen Verbesserung um 21 Prozent (Relatives Risiko [RR] = 1,21; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,10–1,33; unkorrigiert RR = 1,36).

In Einarmstudien lag die Remissionsrate bei 51,7 Prozent, und der Wexner-Score verbesserte sich um 2,08 Punkte, wenngleich die Evidenzsicherheit nach dem GRADE-System als sehr niedrig eingestuft wurde.

Dass spezifische Mikrobiom-Muster auch Stoffwechselreaktionen beeinflussen, belegt zudem die LEANER-Studie (Genome Medicine, Studienregisternummer NCT04452916).

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Nach einem fünftägigen Fasten von 38 gesunden Erwachsenen mit 200 bis 250 Kilokalorien pro Tag sagte ein mathematisches Modell aus zwei Darmbakterien (Oscillibacter sp. 57_20 und Faecalibacterium) in Kombination mit LDL-Cholesterin und systolischem Blutdruck den Gewichtserhalt nach zwölf Wochen präzise voraus (Fläche unter der Kurve [AUC] 0,84 bis 0,86). 38 Prozent der Probanden erwiesen sich als Responder.

In externen Kohorten erzielte das Modell bei metabolischem Syndrom einen AUC-Wert von 0,85, moderate Werte bei Multipler Sklerose und einen Wert von 0,655 bei Langzeitfasten.

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