Mikrobiom: Zusammenleben verÀndert Darm- und Mundflora messbar
26.06.2026 - 01:01:24 | boerse-global.de
Neue Studien zeigen: Wer mit wem zusammenlebt, beeinflusst die Zusammensetzung der Bakterien in und auf unserem Körper massiv.
Enge Kontakte, geteilte Mikroben
Forschende der UniversitÀt Trient haben in einer aktuellen Studie nachgewiesen, dass das Zusammenleben die Darm- und Mundflora messbar verÀndert. Die Ergebnisse, veröffentlicht in Cell Press Blue, sind eindeutig: Personen im selben Haushalt teilen rund 19 Prozent ihrer Darmmikroben-StÀmme und 26 Prozent ihrer Mundmikroben-StÀmme. Zum Vergleich: Bei Menschen aus verschiedenen Haushalten sind es nur etwa 6 Prozent der DarmstÀmme.
Besonders krass ist der Effekt bei Paaren. Durch den engen Kontakt haben sie rund 44 Prozent ihrer Mundmikroben-StĂ€mme gemeinsam. Christine Moissl-Eichinger von der Medizinischen UniversitĂ€t Graz erklĂ€rte, das Mikrobiom sei durch soziale Kontakte beeinflussbar und grundsĂ€tzlich transplantierbar. Die Ăbertragung bestimmter Mikroben könnte klinisch relevant sein â sie werden mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Darmkrebs in Verbindung gebracht. FrĂŒhere Daten belegen zudem, dass das mĂŒtterliche Mikrobiom den Nachwuchs ĂŒber Jahrzehnte prĂ€gt.
KI hilft bei chronischen Darmerkrankungen
Das Land Nordrhein-Westfalen fördert das Projekt âMikrobiomProCheckâ mit 3,4 Millionen Euro. Ziel: KĂŒnstliche Intelligenz soll die Therapie bei chronisch-entzĂŒndlichen Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa verbessern.
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Beteiligt sind unter anderem die UniversitÀt Bielefeld, die UniversitÀtskliniken OWL und Essen sowie die Biofidus AG und das Lead Discovery Center. In einer klinischen Studie analysieren die Forscher Daten von rund 100 erwachsenen und bis zu 20 jungen CED-Patienten sowie gesunden Kontrollgruppen. Das Ziel: personalisierte TherapieansÀtze.
Parallel dazu veröffentlichte ein internationales Forschungskonsortium unter Beteiligung des LMU Klinikums am 23. Juni eine Arbeit zu genetischen Ursachen schwerer Morbus-Crohn-VerlĂ€ufe bei Kindern. Mutationen im BIRC3-Gen fĂŒhren demnach zu einer Fehlregulation von Signalwegen und vermehrtem Absterben von Epithelzellen im Darm.
ErnĂ€hrung als SchlĂŒssel
Neben der Genetik spielt die ErnĂ€hrung eine zentrale Rolle fĂŒr ein stabiles Mikrobiom. Aktuelle Forschungen untersuchen die Wirkung pflanzlicher Polyphenole. Ein Beispiel: Urolithin B. Dieses Stoffwechselprodukt entsteht, wenn Darmbakterien EllagsĂ€ure verarbeiten â enthalten in GranatĂ€pfeln und Beeren. Urolithin B schĂŒtzt offenbar Betazellen und könnte bei der Behandlung von Typ-2-Diabetes helfen.
Da die ErnĂ€hrung eine entscheidende Rolle bei Stoffwechselerkrankungen spielt, ist das Wissen ĂŒber die richtige Lebensmittelauswahl fĂŒr Betroffene essenziell. Erfahren Sie in diesem Experten-Ratgeber, wie Sie Ihren Blutzucker mit 6 goldenen Regeln und speziellen Rezepten natĂŒrlich kontrollieren können. Gratis-Ratgeber fĂŒr Diabetes-ErnĂ€hrung jetzt sichern
Das Projekt âScience Snackâ der Technischen UniversitĂ€t MĂŒnchen (TUM) setzt auf AufklĂ€rung fĂŒr junge Menschen. Der Hintergrund: JĂ€hrlich gibt es in Deutschland rund 56.000 Darmkrebs-Neuerkrankungen, etwa fĂŒnf Prozent betreffen jĂŒngere Menschen. Die TUM-Forschung deutet darauf hin, dass auch Stress das Mikrobiom verĂ€ndert und so die Entstehung von Tumoren begĂŒnstigen kann.
Politik fordert schÀrfere PrÀvention
Angesichts dieser Erkenntnisse fordern Fachgesellschaften und politische Akteure mehr PrĂ€ventionsforschung. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) sprach sich fĂŒr eine Ausweitung von Schutzmechanismen aus und befĂŒrwortete eine Herstellerabgabe auf zuckerhaltige SĂŒĂgetrĂ€nke.
Die SPD-Bundestagsfraktion zog am 24. Juni nach. Ihr Positionspapier sieht neben der Abgabe auf zuckergesĂŒĂte GetrĂ€nke ein Mindestalter fĂŒr Energy-Drinks und ein Rauchverbot in Fahrzeugen vor, in denen Kinder oder Schwangere mitfahren. Ziel: Risikofaktoren fĂŒr chronische Erkrankungen durch weniger Zucker, Alkohol und Nikotin bereits im Kindesalter minimieren.
