Milliarden-Schaden durch Voice-Phishing: Razzien in SĂĽdkorea und Australien
15.05.2026 - 14:21:35 | boerse-global.de
In koordinierten Aktionen haben Polizeibehörden in Südkorea und Australien Dutzende Verdächtige festgenommen – darunter einen Telekommunikations-Manager, der kriminellen Organisationen Zugang zu seinen Netzwerken verschafft haben soll. Die Schadenssumme geht in die Milliarden.
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Die Ermittlungseinheit der Seoul Metropolitan Police gab am Donnerstag die Festnahme von 39 Personen bekannt, die einem weit verzweigten Voice-Phishing-Ring zugeordnet werden. Besonders brisant: Unter den Verdächtigen ist der Chef eines kleinen Telekommunikationsunternehmens. Er soll der Bande direkten Zugriff auf sein Firmennetzwerk gewährt haben – und damit die Möglichkeit, Anrufe so zu manipulieren, dass auf dem Display offizielle Nummern großer Finanzinstitute erschienen.
Die Gruppe verschickte zwischen Anfang 2024 und Anfang 2025 rund 180.000 betrügerische Sprachnachrichten. Der nachgewiesene Schaden: umgerechnet etwa 6,5 Millionen Euro. Die Masche war zweigleisig angelegt: Per Anruf (Vishing) und per SMS-Ködern lockten die Täter ihre Opfer in die Falle.
In einem zweiten, separaten Fall überstellte die Polizei der Provinz Chungnam 57 Mitglieder einer kambodschanischen Bande der Staatsanwaltschaft. Die Gruppe um einen gewissen Song Min-ho operierte von Phnom Penh, Thailand und Malaysia aus – mit einer straffen Unternehmenshierarchie. Die Rollen waren streng geteilt: Ein Chef, ein Stellvertreter und mehrere „Linien", die sich als Finanzaufsicht, Bankenverband oder Gerichtsmitarbeiter ausgaben. 368 Opfer sollen umgerechnet rund 35,5 Millionen Euro betrogen worden sein.
Sydney: Goldbarren bei Geldwäsche-Razzia beschlagnahmt
Parallel zu den Aktionen in Nordostasien gelang der australischen Polizei ein Schlag gegen die Geldwäsche internationaler Betrugsnetzwerke. Detectives der New South Wales Police Cybercrime Squad und des Australian Federal Police-Zentrums JPC3 nahmen am Donnerstag drei Personen in einem Goldhandelshaus in Sydney fest.
Hintergrund war die Operation „Strike Force Downstream" – die Aufklärung eines 600.000 Euro schweren Business-Mail-Compromise-Falls. Bankanalysten hatten verdächtige Transaktionen gemeldet. Die Ermittler observierten eine 20-jährige Frau, die innerhalb von zwei Wochen fünfmal Goldbarren im Wert von jeweils rund 70.000 Euro kaufte.
Bei der Razzia am Donnerstagnachmittag wurden die Frau sowie zwei Männer (29 und 36 Jahre) festgenommen. In ihrem Fahrzeug und einer Wohnung im Vorort Zetland fanden die Beamten 24.000 Euro Bargeld, mehrere Mobiltelefone und Dokumente mit Bezug zu den Betrugstaten. Die Frau muss sich wegen Geldwäsche und Bandenmitgliedschaft verantworten, ihre Komplizen wegen Identitätsdiebstahls.
Rekordzahlen: Immer mehr Verdächtige angeklagt
Neue Zahlen der südkoreanischen Staatsanwaltschaft vom Mittwoch zeigen das Ausmaß des Problems. Allein in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 wurden 4.580 Verdächtige wegen Verstößen gegen das Telekommunikationsbetrugsgesetz angeklagt. 688 von ihnen kamen in Untersuchungshaft. Bereits 2025 war mit 13.967 Angeklagten ein Rekordwert erreicht worden – erstmals über der 10.000er-Marke.
Zum Vergleich: 2020 und 2021 waren es gerade einmal 27 beziehungsweise 60 Verdächtige. Der Anstieg begann 2024, als die Zahl der Anklagen auf über 5.400 schnellte – ein Anstieg um das 50-Fache. Die Ermittler führen diese Entwicklung auf die zunehmende „Verkorporatisierung" der Betrugsbanden zurück: Sie arbeiten inzwischen so effizient und gut ausgestattet wie legale Unternehmen.
Die internationale Dimension bleibt die größte Herausforderung. Erst Anfang Mai durchsuchte die Polizei in Sri Lanka ein Betrugszentrum in Colombo und nahm 37 chinesische Staatsbürger fest. Die Behörden beschlagnahmten 147 Handys, 100 SIM-Karten und 35 Tablets. Solche Operationen zielen häufig auf wohlhabende Opfer in den USA, Großbritannien und Europa ab – auch wenn die Täter in Südostasien sitzen.
Neue Taktiken: KI und Insider-Zugang
Die aktuellen Fälle zeigen einen gefährlichen Trend: Kriminelle dringen tiefer in die Telekommunikationsinfrastruktur ein. Indem sie einen Netzbetreiber-Chef auf ihre Seite zogen, umging die Seoul-Bande die üblichen Anruf-Filter. Opfer sahen auf dem Display echte Bank- oder Behördennummern – das „Insider-Modell" macht die Anrufe nahezu ununterscheidbar von echten.
Hinzu kommt der Einsatz Künstlicher Intelligenz. Das FBI warnte erst kürzlich vor KI-gestützten Stimm- und Video-Deepfakes, mit denen Kriminelle Familienmitglieder oder Geschäftspartner imitieren. Diese Technik wird zunehmend genutzt, um Vertrauen aufzubauen, bevor die Opfer auf betrügerische Links oder Überweisungen hereingefallen.
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Die südkoreanische Nationalversammlung reagiert mit neuen Gesetzen. Diskutiert werden ein Kronzeugenprogramm für untergeordnete Bandenmitglieder sowie die Möglichkeit verdeckter Ermittlungen. Bisher verhindern die rechtlichen Grenzen oft, dass die Polizei in die hochverschlüsselten Hierarchien transnationaler Banden wie der Song-Min-ho-Gruppe eindringen kann.
Ausblick: Aufklärung als Schlüssel
Am heutigen Nationalen Tag der Senioren-Aufklärung (15. Mai) richten die Behörden den Fokus auf Prävention. Die Botschaft: Nie blindlings einer Nachricht oder Sprachnachricht vertrauen – selbst wenn sie von einem bekannten Kontakt oder einer offiziellen Stelle zu kommen scheint.
Erfolge gibt es: Die FRONTIER+-Koalition in Singapur konnte im vergangenen Jahr umgerechnet rund 20 Millionen Euro sicherstellen und über 2.100 Täter festnehmen. Allein in Singapur blockierten Regierung und Telekommunikationsbranche über 260 Millionen verdächtige Anrufe und 40 Millionen betrügerische SMS.
Für den Rest des Jahres 2026 erwarten Experten eine verstärkte Jagd auf die finanziellen Schwachstellen der Banden: die Geldkuriere und Goldhändler wie in Sydney, die „Online-Firmen" wie in Seoul. Die Rekord-Anklagezahlen der Staatsanwaltschaft deuten jedoch darauf hin, dass die Zahl der aktiven Täter weiter steigen könnte.
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