MIND-Diät, Punkte

MIND-Diät: Drei zusätzliche Punkte bremsen den Verlust grauer Hirnsubstanz

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 13:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Übersichtsarbeit beschreibt mögliche Schutzmechanismen pflanzlicher Inhaltsstoffe; Langzeitdaten verbinden die MIND-Diät mit langsamerem Hirnstrukturverlust.
Eine Nahaufnahme von frischen Beeren, nativem Olivenöl und grünem Tee auf einem rustikalen Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Sekundäre Pflanzenstoffe stehen zunehmend im Fokus der neurologischen Präventionsforschung. Eine Übersichtsarbeit der ungarischen Universität Semmelweis im Fachjournal Nutrients fasst hunderte Labor-, Tier-, Bevölkerungs- und klinische Studien zusammen und zeigt, dass Polyphenole biologische Prozesse bei Alzheimer sowie weiteren neurodegenerativen Erkrankungen positiv beeinflussen können.

Die Substanzen, die unter anderem reichlich in Beeren, Tee, Kakao, Kaffee und nativem Olivenöl extra vorkommen, wirken vor allem antioxidativ und entzündungshemmend. Angesichts von weltweit über 55 Millionen Menschen mit Demenz – laut Zahlen der Weltgesundheitsorganisation mit steigender Tendenz – gewinnen solche ernährungsbasierten Ansätze an Bedeutung.

Ganzheitliche Ernährungsmuster statt einzelner Wundermittel

Im Zentrum der Analyse stehen Ernährungsmuster wie die mediterrane Kost und die sogenannte MIND-Diät. Zu den untersuchten Verbindungen zählen unter anderem Epigallocatechingallat (EGCG) aus grünem Tee, Anthocyane aus Beeren, Kakao-Flavanole sowie Curcumin.

Hauptautorin Mónika Fekete von der Universität Semmelweis hob hervor, dass es sich hierbei nicht um Wundermittel handle. Entscheidend sei eine vielfältige pflanzliche Kost anstelle isolierter Nahrungsergänzungsmittel.

Zudem wies die Arbeitsgruppe darauf hin, dass es an ausreichender Evidenz dafür fehle, einzelne Lebensmittel oder Nährstoffe isoliert als wirksame Prävention zu betrachten. Es gebe kein einzelnes Superfood; wirksam seien vielmehr langfristige Essgewohnheiten.

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Erstautorin Noémi Mózes betonte in diesem Zusammenhang, dass die Zusammensetzung des individuellen Darmmikrobioms stark variiere, weshalb personalisierte Ernährungskonzepte künftig an Bedeutung gewinnen dürften.

Bildgebende Belege für verlangsamte Hirnalterung

Ergänzende epidemiologische Daten stützen die Rolle strukturierter Ernährungskonzepte. Eine Untersuchung von Changzheng Yuan von der School of Public Health der Zhejiang-Universität an 1.647 Teilnehmenden der Framingham Heart Study mit einem mittleren Ausgangsalter von rund 60 Jahren untersuchte über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 12,3 Jahren den Einfluss der MIND-Diät auf Basis wiederholter Magnetresonanztomografien.

Die Ergebnisse zeigten, dass pro drei Punkten mehr auf der maximal 15 Punkte umfassenden MIND-Skala der jährliche Verlust an grauer Substanz um 0,279 Kubikzentimeter geringer ausfiel. Dies entsprach einem um etwa 20,1 Prozent reduzierten altersbedingten Rückgang und rechnerisch rund 2,5 Jahren verlangsamter Hirnalterung.

Die altersbedingte Vergrößerung der Hirnventrikel verlangsamte sich um 0,071 Kubikzentimeter pro Jahr, was einer Differenz von etwa einem Lebensjahr entsprach. Während der Verzehr von Beeren und Geflügel mit verlangsamten Strukturveränderungen einherging, beschleunigten Süßigkeiten und frittiertes Fastfood den Gewebeschwund.

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Vaskuläre Schutzmechanismen und Kognition

Verschiedene Beobachtungs- und Interventionsstudien liefern Hinweise auf die beteiligten Wirkmechanismen. Eine an der Rush University in Chicago von Thomas Holland durchgeführte Untersuchung verknüpfte eine hohe Aufnahme von Flavonolen – enthalten etwa in Zwiebeln, Äpfeln, Brokkoli und Tee – mit einem langsameren langfristigen kognitiven Abbau.

Zudem zeigte eine prospektive Kohortenstudie mit 131.821 Teilnehmenden, dass regelmäßiger Konsum von koffeinhaltigem Kaffee mit einer geringeren Demenzinzidenz einherging (141 Fälle gegenüber 330 Fällen pro 100.000 Personenjahre im Vergleich der Extremquartile).

Auch Daten der China Kadoorie Biobank mit rund 500.000 Teilnehmenden dokumentierten bei regelmäßigem Teekonsum ein um 11 Prozent reduziertes Risiko für Gefäßerkrankungen sowie eine Reduktion ischämischer Schlaganfälle um 36 Prozent.

Experten wie der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, Michael Denkinger, betonen jedoch, dass isolierte Präparate keinen belegten Nutzen zur Lebensverlängerung bieten. Eine Meta-Analyse über 14 randomisierte Studien unterstrich, dass erst die Kombination aus gesunder Ernährung und strukturierter körperlicher Aktivität wie Kraft- und Ausdauertraining messbare kognitive Verbesserungen bei älteren Menschen erzielt.

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