MIT-Armband erfasst 22 Bewegungsfreiheitsgrade: Roboter lernen Handgriffe
20.06.2026 - 02:51:52 | boerse-global.de
Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben ein neuartiges Ultraschall-Armband vorgestellt, das menschliche Handbewegungen präzise erfasst und auf Robotersysteme überträgt. Die Technologie könnte die Ausbildung humanoider Roboter revolutionieren.
Präzise Steuerung durch Ultraschall
Das am 20. Juni 2026 präsentierte Wearable erfasst alle 22 Bewegungsfreiheitsgrade der menschlichen Hand. Es nutzt Ultraschallwellen, um die inneren Bewegungen von Unterarm und Handgelenk zu überwachen und in digitale Handposen umzuwandeln. In Tests erkannte das System sämtliche 26 Buchstaben der amerikanischen Gebärdensprache.
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Die Technologie ermöglicht es Bedienern, Roboter drahtlos fernzusteuern oder riesige Datensätze für das Training von KI-Modellen zu generieren. Das ist ein entscheidender Schritt für die Entwicklung humanoider Roboter, die menschenähnliche Geschicklichkeit benötigen.
Erst zwei Tage zuvor, am 18. Juni, hatte das MIT das WatchHand-System vorgestellt. Es nutzt die Lautsprecher und Mikrofone einer Smartwatch als Mikro-Sonar zur Handgestenerkennung. Anders als das neue Armband verarbeitet WatchHand Daten lokal – allerdings mit Einschränkungen bei Bewegungen des Trägers.
Räumliches Gedächtnis für intelligente Roboter
Neben der Steuerung machen auch die kognitiven Fähigkeiten von Robotern Fortschritte. Am 17. Juni präsentierten die MIT-Forscher Luca Carlone, Nicolas Gorlo und Lukas Schmid auf der CVPR-Konferenz DAAAM (Describe Anything, Anywhere, Anytime, at Any Moment) – ein Langzeitgedächtnis-Framework für Roboter.
Das System kombiniert 3D-Kartierung mit semantischen Objektbeschreibungen. Roboter können damit eine räumliche Datenbank aufbauen, die Standort, Zeitstempel und spezifische Eigenschaften von Objekten speichert – etwa „ein rotes Fahrrad mit plattem Reifen“. Laut den Forschern ist DAAAM 21 bis 53 Prozent genauer als bisherige Methoden und beantwortet Fragen zu Objektpositionen in Echtzeit.
Die Entwicklung, finanziert vom US-Heeresforschungslabor und dem Office of Naval Research, steigert die Beschreibungsgeschwindigkeit durch Datenbündelung um das Zehnfache. Allerdings räumen die Entwickler ein: Das System hat noch Schwierigkeiten mit ungewöhnlichen Objekten und ist für Hochgeschwindigkeits-Drohnenanwendungen zu langsam.
Taktile Sensoren für bessere Greiffähigkeiten
Auch bei der Hardware tut sich etwas. Am 19. Juni gab ABB Robotics eine Kooperation mit PSYONIC bekannt. Ziel ist die Integration der fortschrittlichen taktilen Sensorik der PSYONIC Ability Hand – einer Prothesenhand – in den kollaborativen ABB-Roboter GoFa. Die Partner wollen Robotern menschenähnliche Greiffähigkeiten für die Automobil-, Luftfahrt-, Logistik- und Gesundheitsbranche beibringen.
Ebenfalls am 19. Juni stellte die Carnegie Mellon University den ART-Glove vor. Dieser Handschuh verfügt über 2.048 taktile Sensoren (Taxels) und erfasst 22 Gelenke. Ein STM32F411-Mikrocontroller synchronisiert die Daten bei 120 Hertz. Der Handschuh liefert das granulare taktile Feedback, das Roboter brauchen, um Objekte regelrecht zu „ertasten“.
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China treibt die Massenproduktion voran
Die Beschleunigung bei den Trainingswerkzeugen kommt nicht von ungefähr. Die Robotikbranche steuert auf die Massenkommerzialisierung zu. Berichte aus Shenzhen vom 20. Juni zeigen: Unternehmen wie IO-AI Tech setzen verstärkt auf menschliche Fernsteuerung und Bewegungserfassung, um KI-Trainingsbibliotheken aufzubauen.
2025 produzierte China rund 12.800 humanoide Roboter – schätzungsweise 90 Prozent der weltweiten Produktion. Die Industrie peilt für Ende 2026 bereits 10.000 kommerzielle Humanoiden an. Firmen wie JD.com sammeln dafür massiv Daten: Zehn Millionen Stunden egozentrisches Videomaterial sollen für das maschinelle Lernen zur Verfügung stehen.
