MitraClip, Hochrisikopatienten

MitraClip bei Hochrisikopatienten: Gradient fällt von 70 auf 15 mmHg

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 19:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Berichte aus mehreren Ländern zeigen den Einsatz von Clip-Reparaturen und Ersatzklappen bei ausgewählten Patienten mit hohem Operationsrisiko.
Ein steriler, moderner Operationssaal für kardiologische Eingriffe mit medizinischer Spezialbeleuchtung. Illustration mit AI erstellt.

Kardiologieteams in mehreren Ländern setzen zunehmend auf neue minimalinvasive Verfahren zur Behandlung der Mitralinsuffizienz und optimieren zugleich die klinischen Abläufe bei strukturellen Herzoperationen. Aktuelle Fachberichte und Konferenzbeiträge verdeutlichen, wie kathetergestützte Reparatur- und Ersatztechniken speziell für Risikopatienten die Belastung durch Eingriffe am offenen Herzen verringern.

Kathetergestützte Segelreparatur bei Mitralinsuffizienz

Im Mittelpunkt vieler Berichte steht das Prinzip der kathetergestützten Rekonstruktion (TEER). Dabei wird über eine Leistenvene ein Implantat bis zur Mitralklappe vorgeschoben, um die Klappensegel anzunähern und den Rückfluss des Blutes zu senken. Die Kardiologin Prof. Dr. dr.

Amiliana Susanto ordnet dieses Verfahren als minimalinvasive Option für Personen mit signifikanter, symptomatischer Mitralinsuffizienz ein, die ein hohes operatives Risiko tragen. Vor einer Indikation müssten Herzstatus, Klappenschweregrad und Symptomatik sorgfältig abgewogen werden, da nicht alle Patienten eine solche Intervention benötigten.

Über praktische Erfahrungen mit dieser Methode berichtete das Kardiologieteam des Ospedale Parini aus Aosta unter der Leitung von Paolo Scacciatella Mitte Oktober 2026 auf dem 47. Nationalkongress der Italienischen Gesellschaft für interventionelle Kardiologie in Mailand.

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Eine dort vorgestellte Beobachtungsstudie von Giulia Marchisio, die für die Fachzeitschrift Catheterization and Cardiovascular Interventions ausgewählt wurde, zeigte Ergebnisse bei Hochrisikopatienten, die Scacciatella zufolge mit Werten großer internationaler Zentren vergleichbar sind.

In der Türkei vermeldete das Team der Universität Izmir Bak?rçay am Çi?li Ausbildungs- und Forschungskrankenhaus unter Führung von Prof. Dr. Fuat Gündo?du und Doç. Dr. Oktay ?enöz die dort erstmalige MitraClip-Implantation ohne Eröffnung des Brustkorbs oder Herzstillstand. Rektor Prof. Dr. Rasim Akp?nar wertete diesen Eingriff als Beleg der wissenschaftlich-technologischen Kompetenz der Universität.

Ebenfalls in der Türkei behandelte Doç. Dr. ?smail Ate? einen 64-jährigen Patienten mit schwerer Mitralinsuffizienz und hypertropher obstruktiver Kardiomyopathie, nachdem eine Alkohol-Septum-Ablation anatomisch ungeeignet war und der Patient eine offene Operation ablehnte. Unterstützt durch Doç.

Dr. Zeynettin Kaya bei der Bildgebung wurde ein Clip transseptal platziert. Der Gradient im linksventrikulären Ausflusstrakt fiel dabei von 70 mmHg auf 15 mmHg, während die Regurgitation auf Grad 1+ sank. Es handele sich hierbei jedoch um einen Einzelfall mit früher postoperativer Messung, dessen langfristiger Nutzen und Sicherheit noch nicht abschließend belegt sind.

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Klappenersatz und voll-endoskopische Standards

Neben der Rekonstruktion mittels Clips kommen auch katheterbasierte Ersatzklappen zum Einsatz. In der Dominikanischen Republik führte Dr. Pedro Ureña mit einem Spezialistenteam einen perkutanen Mitralklappenersatz unter Nutzung der ballonexpandierbaren Myval-Klappe durch.

Der 72-jährige Patient mit degenerierter chirurgischer Vorklappe und schwerer Herzinsuffizienz konnte den Eingriff ohne erneute offene Thoraxoperation überstehen und nach 24 Stunden entlassen werden.

In Deutschland sind minimalinvasive Strategien bei Herzklappen bereits weit fortgeschritten. Wie Prof. Stephan Baldus und Prof. Lenard Conradi von der Uniklinik Köln darlegten, dauere eine Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) über die Leistenarterie rund 40 Minuten und erfolge meist unter örtlicher Betäubung oder leichter Sedierung; drei Viertel der Betroffenen in Deutschland würden auf diese Weise versorgt.

An der Kölner Universitätsklinik werden zudem nahezu 90 Prozent der Mitralklappen-Eingriffe voll-endoskopisch durchgeführt. Das Risiko schwerer Zwischenfälle bei einer Clip-Reparatur bezifferten die Experten auf unter 2 Prozent.

Die Notwendigkeit einer frühzeitigen und schonenden Intervention unterstrich Baldus mit Verweis auf klinische Daten: Laut einer Studie der Mayo Clinic mit über 1200 Patienten verstarben Personen mit asymptomatischer undichter Mitralklappe über zehn Jahre doppelt so häufig wie erwartet.

Bei einer hochgradigen symptomatischen Aortenklappenstenose mit einer Druckdifferenz von mindestens 40 mmHg liege die mittlere Überlebenswahrscheinlichkeit ohne Behandlung bei rund 50 Prozent innerhalb von zwei Jahren.

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de | wissenschaft | 70416427 |