Mobilfunker 1&1 schlieĂt Deal mit Konkurrent O2
22.11.2023 - 07:43:47Vor dem Start des vierten deutschen Handynetzes hat der Telekommunikationskonzern 1&1 einen Deal mit dem Wettbewerber Telefónica Deutschland (O2) geschlossen und sieht seine Marktposition damit verbessert.
Der bereits bestehende nationale Roaming-Vertrag sei um den Funkstandard 5G erweitert worden, teilte das Unternehmen in Montabaur mit und gab zugleich das Startdatum fĂŒr das neue Handynetz bekannt: Am 8. Dezember soll der Schalter umgelegt und das Netz «voll funktionsfĂ€hig» sein. Dann hat Deutschland ein weiteres Handynetz, bisher funken nur Antennen der Telekom, von Vodafone und von O2. Der Wettbewerb dĂŒrfte sich verschĂ€rfen.
Dort, wo 1&1 noch keine eigenen Antennen hat, werden Kunden mit dem O2-Netz verbunden. Laut einem Ă€lteren Vertrag zwischen 1&1 und O2 stand hierfĂŒr aber nur das 4G-Netz von O2 zur VerfĂŒgung, nun kommt 5G hinzu. Angaben zu den neuen Vertragskonditionen wurden nicht gemacht. Im Werben um die Kundengunst dĂŒrfte 1&1 durch den baldigen Zugriff auf 5G-Roaming bessere Karten haben als es bisher absehbar war.
1&1 ist bisher nur ein sogenannter virtueller Netzbetreiber
Mit dem neuen Deal gelingt es 1&1, sich schon in der Startphase seines Handynetzes 5G-Roaming bei einem Wettbewerber zu sichern. Roaming heiĂt, dass Kunden auch dort eine Verbindung bekommen, wo der eigene Provider keine Antennen aufgestellt hat - im Falle des noch sehr kleinen Netzes von 1&1 ist das der allergröĂte Teil Deutschlands, daher ist ein gutes Roaming so wichtig fĂŒr den Neueinsteiger. Im Sommer oder Herbst 2024 greift ein Roaming-Vertrag mit Vodafone - ab dann steht 1&1 ohnehin relativ gut da, und die Partnerschaft mit O2 geht allmĂ€hlich dem Ende entgegen.
1&1 ist bisher nur ein sogenannter virtueller Netzbetreiber, der fĂŒr sein MobilfunkgeschĂ€ft die Netze der Konkurrenz nutzt und dafĂŒr Miete zahlt. Mit dem neuen Handynetz kommt die Firma auf eigene Beine. Das hat seinen Preis: Bei der Frequenzauktion 2019 ersteigerte die United-Internet-Tochter Frequenz-Nutzungsrechte fĂŒr rund 1,1 Milliarden Euro. Hinzu kommen Ausbaukosten von mehreren Milliarden Euro. Beim Ausbau geriet der Konzern ins Hintertreffen, was er mit Lieferschwierigkeiten von Partnerfirmen begrĂŒndete.
Ende 2022 hĂ€tte 1&1 schon 1000 5G-Standorte aktiviert haben mĂŒssen, tatsĂ€chlich waren es nur fĂŒnf. Ende September waren es 60. Eine Firmensprecherin betonte, dass das Ausbautempo anziehe: «Das Netz wĂ€chst Tag fĂŒr Tag.»
VerbraucherschĂŒtzer versprechen sich mehr Wettbewerb am Markt
Die aktivierten Standorte nutzt die Firma bisher nur fĂŒr ein Festnetz-Ersatzprodukt, das ein Nischendasein fristet: Haushalte bekommen ĂŒber die in der NĂ€he befindlichen Antennen Internet und können daher auf einen Festnetz-Vertrag verzichten. 1&1-Kunden, die mit ihren Smartphones an den Antennen vorbeigehen, werden bisher hingegen nicht verbunden. Mit der Freischaltung mobiler Dienste soll am 8. Dezember das Handynetz starten, was Neukunden danach nutzen können. 1&1-Bestandskunden bleiben hingegen vorerst auf dem O2-Netz und sollen bis Ende 2025 auf das 1&1-Netz ĂŒbertragen werden.
VerbraucherschĂŒtzer versprechen sich vom vierten deutschen Handynetz mehr Wettbewerb am Markt, mehr Auswahl und ein besseres Preis-Leistungs-VerhĂ€ltnis fĂŒr Internetkunden.


