Mittelmeerdiät, Blutsignatur

Mittelmeerdiät: Blutsignatur mit 67 Metaboliten ist mit 23 Prozent weniger Sterberisiko verknüpft

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zehn Ernährungsweisen korrelieren mit günstigeren Altersmarkern; ein verlangsamtes Altern oder längeres Leben ist damit nicht belegt.
Frisches Gemüse und Vollkornprodukte auf einem rustikalen Holztisch bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Der Einfluss der täglichen Ernährung auf das biologische Altern steht zunehmend im Fokus der medizinischen Forschung. Eine Untersuchung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn verglich zehn etablierte Ernährungsweisen und deren Beziehung zum biologischen Alter bei rund 7.500 Erwachsenen anhand von DNA-Methylierungen.

Die Auswertung zeigte, dass eine gesündere Kost tendenziell mit günstigeren epigenetischen Altersmerkmalen einherging. Besonders konsistente Zusammenhänge zeigten sich dabei bei der DASH-Diät sowie der traditionellen nordischen Ernährungsweise.

Epigenetische Muster bei zehn Ernährungsformen

Die im Fachjournal Nature Communications veröffentlichte DZNE-Studie basierte auf Ernährungsdaten und Blutproben von 6.470 Personen aus der Bonner Rheinland Studie. Die Ergebnisse wurden anschließend an 1.034 Teilnehmenden der EPIC-Potsdam-Kohorte überprüft.

Neben der mediterranen und der nordischen Kost analysierten die Forschenden unter anderem die DASH- und MIND-Konzepte, den Alternative Healthy Eating Index (AHEI), den Entzündungsindex DII, Empfehlungen der EAT-Lancet-Kommission sowie drei pflanzenbasierte Indizes (PDI, hPDI, uPDI).

Alle zehn Ernährungsformen wiesen eine Assoziation mit einer Verlangsamung epigenetischer Alterungsmarker auf. Zu den gemeinsamen Kernmerkmalen zählten ein hoher Anteil an Gemüse und vollwertigen Zutaten sowie ein reduzierter Konsum von rotem Fleisch und verarbeiteten Produkten.

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Studienautorin Juliana Tavares ordnete die Ergebnisse dahingehend ein, dass die absoluten Unterschiede zwischen den Diäten gering ausfielen und das Gesamtbild zähle. Ein einzelnes überlegenes Konzept lasse sich nicht ableiten.

Zudem belege die Untersuchung weder ein verlangsamtes Altern noch eine höhere Lebenserwartung oder ein vermindertes Krankheitsrisiko. Bei rauchenden Teilnehmenden fiel der Zusammenhang besonders ausgeprägt aus, wofür die biologische Ursache bislang ungeklärt ist.

Erkenntnisse aus Interventions- und Laborstudien

Neben Beobachtungskohorten liefern Interventionsstudien differenzierte Einblicke in kurzfristige Anpassungen. Am Universitätsklinikum Freiburg erhielten 48 gesunde Erwachsene nach einer einheitlichen Vorwoche entweder eine vegane oder eine fleischreiche Kost für vier Wochen.

Die Analyse von rund 800.000 Stellen im Erbgut zeigte bei veganer Kost zwar funktionelle Veränderungen in Signalwegen für Stoffwechsel und Zellreparatur, die Messungen biologischer Alterungsuhren blieben jedoch uneinheitlich und nach Korrektur für Mehrfachtests statistisch nicht signifikant.

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Eine Untersuchung australischer Forscher an 104 älteren Personen deutete nach vier Wochen darauf hin, dass insbesondere eine Mischkost mit reduziertem Fettanteil und komplexen Kohlenhydraten zu etwas jüngeren biologischen Profilen führte, während fettreiche Mischkost kaum Veränderungen bewirkte.

Auf molekularer Ebene werteten Bailey A. Knopf und Dudley W. Lamming von der University of Wisconsin–Madison über 350 Arbeiten zur Proteinaufnahme aus. Sie hoben hervor, dass eine geringere Zufuhr von Aminosäuren wie Methionin, Isoleucin und Valin über Stoffwechselbotenstoffe wie FGF21 vorteilhaft wirken könnte. Ein Nachweis für eine lebensverlängernde Wirkung beim Menschen steht jedoch auch hier aus.

Fette, Lebensstil und langfristige Sterblichkeit

Für die langfristige Mortalität betont die Forschung vor allem die Fettqualität. Eine Harvard-Studie von Daniel Wang an über 221.000 Erwachsenen über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren stellte fest, dass der Konsum von täglich etwa zweieinhalb bis drei Teelöffeln Butter mit einem um 15 Prozent höheren Sterberisiko einherging, während der Konsum ungesättigter Pflanzenöle mit einem um 16 Prozent niedrigeren Risiko verbunden war.

Ergänzend ergab eine am 28. Oktober 2026 vorgelegte Analyse der Universität Navarra und der Harvard T.H. Chan School of Public Health an 14.584 Personen, dass eine Blutasignatur der Mittelmeerdiät aus 67 Metaboliten mit einem um 23 Prozent geringeren Sterberisiko verknüpft war.

Medizinische Fachleute mahnen vor überzogenen Erwartungen an isolierte Nährstoffe. Altern sei keine Krankheit, und für beworbene Verjüngungspräparate fehlten belastbare Belege. Als wissenschaftlich gesichert gelte vielmehr das Zusammenwirken einer vollwertigen Kost, regelmäßiger Bewegung, des Rauchverzichts und stabiler sozialer Kontakte.

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