Mal jemand von auswĂ€rts? Niemals! â Clans blieben unter sich
04.02.2026 - 11:13:21Heute bestaunen viele Touristen die ikonischen WohntĂŒrme der Halbinsel Mani im Ă€uĂersten SĂŒden Griechenlands â jahrhundertelang aber blieben die Menschen dort weitgehend fĂŒr sich, wie eine genetische Analyse zeigt. Die meisten heute lebenden Manioten stammen demnach in vĂ€terlicher Linie von Bewohnern der Region im 4. bis 8. Jahrhundert ab.
Sie sind Nachfahren der patriarchisch geprĂ€gten Familienclans, die die einzigartigen, nur in der Inneren Mani zu findenden Megalithbauten schufen â Zeugen jahrhundertelanger Blutrache, in Griechenland Vendetta genannt. Dazu zĂ€hlen bis zu 20 Meter hohe WohntĂŒrme mit meterdicken WĂ€nden und aus riesigen Steinquadern gestapelte Festungsanlagen, Kirchen und Kapellen.
HĂ€lfte der Menschen hat ein und denselben Vorfahren
Die im Fachjournal «Communications Biology» vorgestellte Genanalyse ergab, dass mehr als die HĂ€lfte der heute in der Inneren Mani â dem sĂŒdlichsten, abgelegensten Teil der Halbinsel â lebenden Menschen von einem einzelnen mĂ€nnlichen Vorfahren abstammen, der im 7. Jahrhundert nach Christus lebte. Ein solch extremes Muster deute darauf hin, dass die Bevölkerung der rauen, zerklĂŒfteten Gegend damals auf sehr wenige Familien schrumpfte. Zu den möglichen Ursachen zĂ€hlten Seuchen oder Kriege.
Das Team um Leonidas-Romanos Davranoglou von der University of Oxford hatte Erbgut von 102 Manioten aus bedeutenden Familienclans der Gegend mit dem von mehr als einer Million moderner Individuen aus aller Welt sowie tausenden alten DNA-Proben abgeglichen. Es gab fast keine Ăbereinstimmungen mit anderen Populationen. Die Bevölkerung der Inneren Mani hat sich also ĂŒber einen auĂergewöhnlich langen Zeitraum kaum mit Menschen anderer Regionen vermischt, schlieĂen die Wissenschaftler. Lediglich die ein oder andere Frau sei integriert worden.
Genetische Momentaufnahme der alten griechischen Welt
Mit mehr als einem Jahrtausend der Isolation stellten sie eine der genetisch einzigartigsten Bevölkerungsgruppen Europas dar. Sie böten eine genetische Momentaufnahme der griechischen Welt vor der Völkerwanderungszeit. «Unsere Studie zeigt, wie Geografie, soziale Organisation und historische UmstĂ€nde alte genetische Muster in bestimmten Regionen bewahren können, lange nachdem sie anderswo verĂ€ndert wurden», sagte Davranoglou. Als weitere Beispiele dafĂŒr gelten unter anderem die Sorben in Deutschland und die Samen in Nordeuropa.
Die Genomanalyse bestĂ€tige viele mĂŒndliche Ăberlieferungen in der Region ĂŒber gemeinsame familiĂ€re Abstammungen, von denen einige hunderte Jahre zurĂŒckreichten, erklĂ€rte Mitautor Athanasios Kofinakos aus PirĂ€us. «Die geografische Isolation und die begrenzten wirtschaftlichen Ressourcen der Inneren Mani haben den kriegerischen Charakter der Einheimischen gefördert. In einer so rauen Umgebung wurden FamilienbĂŒndnisse fĂŒr das individuelle und kollektive Ăberleben von gröĂter Bedeutung.»
Zu gehĂ€uft auftretenden genetischen Erkrankungen Ă€uĂern sich die Studienautoren nicht. Von Menschen in lange isolierten Alpen-Bergdörfern ist bekannt, dass sich zeitweise unter anderem erbliche SchilddrĂŒsenkrankheiten hĂ€uften.









