Morbus Crohn: Scheinfasten lindert Symptome bei zwei Dritteln
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 14:32 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Forscher kombinieren zunehmend gezielte Ernährung mit immunologischen Ansätzen – mit vielversprechenden Ergebnissen.
Scheinfasten zeigt Wirkung bei Morbus Crohn
Eine im Juli im Fachmagazin Nature Medicine veröffentlichte Studie der Stanford Medicine belegt das Potenzial des sogenannten Scheinfastens. Patienten mit leichtem bis moderatem Morbus Crohn reduzierten an fünf Tagen pro Monat ihre Kalorienzufuhr deutlich. Bei zwei Dritteln der Teilnehmer führte dies zu einer signifikanten Linderung der Symptome. Begleitend sanken die Entzündungsmarker im Stuhl.
Parallel dazu unterstreicht eine Studie der Tufts University die klinische Relevanz personalisierter Ernährung. Maßgeschneiderte Mahlzeitenpläne senkten die Krankenhausaufenthalte innerhalb von sechs Monaten um 31 Prozent, die Notaufnahmebesuche um 20 Prozent. Den Trend greift auch die Industrie auf: Fresenius eröffnete am 5. Juli ein neues Innovationszentrum für spezialisierte Ernährungstherapien.
Immunologische Fehlsteuerung entschlüsselt
In der Grundlagenforschung haben Wissenschaftler neue Modelle vorgestellt, die erklären, warum bereits geringfügige Signalfehler chronische Entzündungsprozesse in Gang setzen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Protein BHLHE40, das die Entzündungsregulation beeinflusst.
Eine im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie der Universität Oxford identifizierte zudem Autoantikörper gegen Interleukin-10 als Ursache für einen Teil der CED-Erkrankungen. Die Bildung dieser Antikörper wird vermutlich durch die Genvariante HLA-DRB1*01:03 begünstigt. Die Entdeckung könnte künftig eine präzisere diagnostische Einordnung der Patienten ermöglichen.
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Neue Wirkstoffe und gezielte Supplementierung
Auch in der Pharmaforschung gibt es Fortschritte. Ein Team des i3S-Instituts der Universität Porto unter der Leitung von Salomé Pinho führt derzeit klinische Prüfungen für ein immunmodulierendes Molekül zur Prävention von Morbus Crohn durch. Die Forschung erfolgt in Kooperation mit Krankenhäusern und Pharmaunternehmen.
Daten des Unternehmens Abivax zeigen: Das Präparat Obefazimod erreichte bei Colitis ulcerosa in einer Phase-3-Studie eine klinische Remissionsrate von 37,2 Prozent nach 44 Wochen. Spezifische Ergebnisse der Phase-2-Studie für Morbus Crohn werden für Mitte 2027 erwartet. Eine Zulassungseinreichung bei der US-Gesundheitsbehörde FDA ist für das vierte Quartal 2026 geplant.
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Ergänzend rückt die gezielte Supplementierung in den Fokus. Eine randomisierte Studie in Digestive and Liver Disease untersuchte mikroverkapseltes Natriumbutyrat. Eine tägliche Gabe von 1200 mg über 90 Tage verbesserte die klinische Aktivität und die Lebensqualität der Patienten. Besonders wirksam war der Ansatz bei Betroffenen mit einem niedrigen Verhältnis bestimmter Darmbakterien (Firmicutes/Bacteroidota).
Globale Belastung steigt rapide
Die Dringlichkeit neuer Therapieansätze unterstreichen epidemiologische Daten vom Juli 2026. In Regionen wie Brasilien hat sich die Prävalenz von CED mehr als verdoppelt. Als wesentliche Treiber gelten die zunehmende Industrialisierung, westliche Ernährungsgewohnheiten, Umweltverschmutzung und der häufige Einsatz von Antibiotika. Die Entwicklung verstärkt den Bedarf an integrativen Behandlungsmodellen, die sowohl immunologische als auch diätetische Komponenten berücksichtigen.
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