Movember im November: Warum MÀnner ab 45 jÀhrlich zur Prostatavorsorge sollen
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit dem Beginn des Monats November machen weltweit wieder Kampagnen unter dem Schlagwort Movember auf die gesundheitliche Situation von MĂ€nnern aufmerksam. Die Initiative geht auf zwei Freunde zurĂŒck, die sich 2003 in einer australischen Kneipe dazu herausforderten, sich SchnurrbĂ€rte wachsen zu lassen.
Inzwischen beteiligen sich MÀnner rund um den Globus an der Aktion: Sie lassen ihren Bart vom 1. bis zum 30. November stehen und sammeln im Freundes- und Kollegenkreis Spenden. Inhaltlich stehen dabei vor allem die Vorsorge gegen Prostata- und Hodenkrebs, die psychische Gesundheit sowie die SuizidprÀvention im Mittelpunkt.
KrebsfrĂŒherkennung: Vorsorgeangebote und WissenslĂŒcken bei MĂ€nnern
Prostatakrebs gilt als die hĂ€ufigste Krebserkrankung bei MĂ€nnern. Allein in Ăsterreich erkranken laut Erhebungen jĂ€hrlich rund 8.200 MĂ€nner daran. Dennoch nehmen viele MĂ€nner Vorsorgeuntersuchungen nur zögerlich in Anspruch.
Nach Angaben von Urologen der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft ist Hodenkrebs besonders in der Altersgruppe der 25- bis 45-JĂ€hrigen verbreitet, weshalb bereits ab einem Alter von 15 Jahren regelmĂ€Ăige Selbstuntersuchungen empfohlen werden. Sollten dabei VerhĂ€rtungen oder VolumenĂ€nderungen auffallen, raten Mediziner zu einer zeitnahen AbklĂ€rung.
Die FrĂŒherkennungsempfehlungen umfassen zudem ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre ein Hautkrebsscreening sowie ab 45 Jahren eine jĂ€hrliche Untersuchung auf Prostatakrebs. Ein PSA-Test muss in Deutschland zumeist selbst gezahlt werden, wĂ€hrend er in Ăsterreich fĂŒr MĂ€nner ab 50 Jahren im Rahmen der jĂ€hrlichen Vorsorgeuntersuchung kostenfrei ist.
FachĂ€rzte weisen darauf hin, dass eine Entscheidung fĂŒr den Test stets individuell unter AbwĂ€gung von Alter, familiĂ€rer Vorbelastung und Risiken gefĂ€llt werden sollte. Eine frĂŒhe Diagnose verbessert die Behandlungsaussichten entscheidend.
Bei frĂŒhzeitiger Entdeckung liegt die Ăberlebensrate bei Prostatakrebs nach Angaben der italienischen Krebsorganisation Anvolt Trento bei 91 Prozent. Die Initiative Goierri MoHerri unterstĂŒtzt ĂŒber gesammelte Spendengelder unter anderem internationale Studien wie TIGER zur Behandlung von Hodenkrebs und IRONMAN zur Erforschung fortgeschrittenen Prostatakrebses.
Wer sich mit der mĂ€nnlichen Gesundheitsvorsorge auseinandersetzt, sollte auch die Bedeutung einer gezielten ErnĂ€hrung zur Vorbeugung kennen. Dieser kostenlose Spezialreport zeigt 7 einfache ErnĂ€hrungstipps, die das Prostatawachstum natĂŒrlich hemmen können. 7 ErnĂ€hrungs-Tipps fĂŒr die Prostatagesundheit kostenlos herunterladen
Psychische Erkrankungen: Warum Diagnosen oft unentdeckt bleiben
Neben Krebserkrankungen bildet die seelische Gesundheit einen weiteren Schwerpunkt der Movember-Initiativen. Daten regionaler Krankenkassen verdeutlichen das Ausmaà depressiver Verstimmungen: Nach Auswertungen der AOK sind im Kreis Lippe rund 30.400 Menschen (11,1 Prozent der Bevölkerung), in Bielefeld etwa 35.800 Menschen (11,4 Prozent) und im Kreis Herzogtum Lauenburg rund 21.600 Menschen (11,8 Prozent) von Depressionen oder chronisch depressiver Verstimmung betroffen.
Statistisch erhalten MĂ€nner zwar nur halb so oft wie Frauen eine Depressionsdiagnose, doch Mediziner gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Die Symptome Ă€uĂern sich bei MĂ€nnern hĂ€ufig anders als die klassischen Anzeichen â beispielsweise durch AggressivitĂ€t, Gewaltbereitschaft, Kopf- und Magenschmerzen sowie gesteigerten Alkoholkonsum.
Eine Forsa-Umfrage fĂŒr die hkk Krankenkasse ergab, dass lediglich 57 Prozent der MĂ€nner mit Partnerin oder Familie ĂŒber Sorgen sprechen, 45 Prozent im Freundeskreis und mehr als jeder Dritte versucht, Probleme allein zu bewĂ€ltigen.
Auswertungen des DAK-Psychreports zeigen zwar mit 266 Fehltagen je 100 Versicherte bei MĂ€nnern eine geringere Quote als bei Frauen (431 Fehltage), gleichzeitig machen MĂ€nner jedoch fast 70 Prozent der registrierten Suizide aus.
Initiativen und PrĂ€vention fĂŒr eine höhere gesunde Lebenserwartung
Die ZurĂŒckhaltung bei Vorsorge und Hilfsangeboten spiegelt sich auch in der Lebenserwartung wider. Nach Erkenntnissen der UniversitĂ€t TĂŒbingen sterben MĂ€nner im Schnitt fĂŒnf Jahre frĂŒher als Frauen, Daten des Bundesinstituts fĂŒr Ăffentliche Gesundheit beziffern den Unterschied auf rund vier Jahre.
Ein wichtiger Teil der persönlichen Vorsorge ist es, die eigenen Gesundheitsdaten richtig interpretieren zu können. Dieser kostenlose Ratgeber hilft Ihnen dabei, Ihre Blutwerte selbst zu verstehen und so aktiv die eigene Gesundheit zu schĂŒtzen. Kostenlosen 25-Seiten-Report zum Laborwerte-Selbstcheck anfordern
Die Ăsterreichische Gesundheitsbefragung ATHIS 2025 zeigt zudem, dass MĂ€nner durchschnittlich nur 62,7 Jahre bei guter Gesundheit verbringen â eine Spanne, die unter dem gesetzlichen Pensionsalter liegt.
Organisationen nutzen die Movember-Aktionen daher fĂŒr breite Informationskampagnen. Zur UnterstĂŒtzung bei seelischen Belastungen verweisen Krankenkassen auf anonyme Online-Selbsthilfeprogramme wie das kognitive Verhaltenstherapie-Angebot moodgym oder den AOK-Familiencoach Depression.
Auch regionale Gesundheitsbehörden weiten ihre MaĂnahmen aus: Die italienische Region Umbrien investiert bis zu 500.000 Euro in kostenlose HPV-Impfungen fĂŒr junge MĂ€nner des Jahrgangs 2005, um krebsverursachenden Infektionen vorzubeugen.
Experten betonen einhellig, dass der Gang zur FrĂŒherkennung und die Pflege der eigenen Gesundheit keine SchwĂ€che darstellen, sondern die Voraussetzung fĂŒr mehr beschwerdefreie Lebensjahre sind.
